^ 4, Alez. Agassiz. OF COMPARATIVE ZOOLOGY, AT DARVARD COLLEGE, CAMBRIICE, HASS. J^ountJcl) bn pvfbatc suljscifptfon, (n 1S61. Depositedby ALEX. AGASSIZ. QJ^\1cAV^ I V H. Biirmeit^ter, r g a n i s a ti n ii n il U e b c r s i c Ii t der T r i 1 b n e II. Die Organisation der Trilobiten, aus ihren lebenden Verirandten ent^vickelt; uebst einer systcmalisclien Uebersiclit aller zeither beschriebenen Arten, Hermann Bnrmeisfer, Doct. d. Med. n. Phil, ordentl. ötfentl. Professor der Zoologie u. Director des zool. Musenms der vereinigten Friedriclis- Universität Halle -Wittenberg; Correspondenten der Königl. Academie d. Wissenschaften zu Turin, Mitgliede d. Kaiserl. Leop. Carol. Acad. der Naturf. , der Kaiserl. Russ. Gesellschaft der Naturf. zu Moskau, der phys. inedic. Soc. zu Erlangen, der naturf. Gesellsch. zu Halle, Altenburg, Hamburg u. des Harzes; p;hrenmitgl. d. Gesellsch. natnrf. Freunde zu Berlin und der cntomol. socieiy of Pennsylvania , wirkl, Mitglied der entomol. Gesellsch. zu London . Paris und Stettin etc. Mit 6 Kupfertafeln. Berlin, Georg Reimer. 1843. Herrn EtfCoiiolfl von Bueli widmet diese Blätter, als aulriclitiges Zeichen seiuer llochaclituiig und Verehrung, der Verfasser. Vorrede, Jj^choii in der Einleitung habe icli die äussere Geschichte meiner Arbeit kurz augegeben, und brauche sie daher nicht breiter zu besprechen; dass die Behandhuig des »Stoffs bloss vom zoologischen Gesichtspunkte aufge- fasst ist, liegt eines Theils in der Natur der Sache, in sofern Verstei- nerungen des Thierreichs doch sicher eine zoologische Behandlung nicht bloss erlauben, sondern zu einer gründlichen Darstellung auch fordern j andern Theils in meiner eigenen durchaus zoologischen Richtung des Stu- diums. Zwar sind Arbeiten über Versteinerungen sicher um so gründli- cher und besser, je tiefer ihr Verfasser sowohl in die eine, als auch in die andere der beiden berührten Disciplinen eingedrungen ist, allein wer könnte sich seit Cüvier einer solchen Universalität rühmen? — icli zog es daher vor, die geognostische Seite ganz fallen zu lassen, und mich über die verschiedene Lagerungsfolge der Straten, die Trilobiten ent- halten, nicht weiter zu verbreiten. — Deshalb bitte ich meine Leser, auf die hie und da eingestreuten geognostischen Bemerkungen kein grosses Ge- wicht zu legen; sie mögen zum Theil gar auf missverstandenen An- sichten Anderer ruhen, und so gar keine Seite haben ^ die sie geniess- bar macht. Desto mehr wünsche ich dagegen, dass meine zoologische Gruppirung deren Beifall finde, und die Begründung der mancherlei schwankenden Ansichten zu einer einzigen, wahren, deren ich mich befleissigte, mü* gelungen sein möge. Dies sind die beiden Gesichts- punkte, welche ich vorzugsweise im Auge halte, denn für die Richtig- keit aller oft nur muthmasslich angezogenen Synonyme kann ich um so weniger einstehen, als es mir nicht vergönnt war^ die Originalstücke VIII vieler angeblich neuen Arten zu untersuchen. Von deutschen Schriftstel- lern habe ich zwar grosse Theilnahme erfahren, allein gerade von Dem- jenigen uicht, dessen Arten mir mit die unkenntliclisten zu sein scheinen. Ich musste daher oft dem Zufall meiner persönlichen Anschauung ihre Be- stimmung überlassen. Was in Berlin und Halle die Sammlungen ent- halten, habe ich gesehen; ausserdem erhielt ich von Hrn. Bocrsch in Schlesien, durch Hrn. Hauptmann v. Charpentieii, und von Hrn. Höninc- HAUS in Crefeld schätzbare Beiträge. Dagegen konnte ich nur wenige Amerikanische und Englische Originalstücke vergleichen. Schon aus die- sem Grunde ist meine Arbeit sichei- keine abgeschlossene; sie wird der weiteren Ausführung fähig sein, das bezweifle ich nicht, weshalb ich Zu- sendungen zum fernem Studium, besonders von Originalexemplaren mir unbekannt gebliebener Arten, gern und mit Dank, wenn auch nur zur Ansicht, entgegen nelimen würde. Wohl möchte ich mich auch mit gu- ten Abbildungen nebst ausführlichen Besclireibungen derselben begnügen, und da die ersten selten sind, so war es mein HauptbestreJ)en , den mei- iiigen die möglichste Vollenchmg zu geben. Ich habe das Glück gehal)t, in Hrn. A. Andorff zu Berlin einen Künstler zu treffen, dessen Talente und Leistungen nichts zu wünschen übrig lassen, und kann daher ohne Scheu die von ihm gearbeiteten vier mittleren Tafeln, als die genauesten Abbildungen meiner Originale, allen Zeichnern als Muster zur Nachahmung empfehlen. GeAiiss wird jeder Kenner mir zugeben, dass bessere, schö- nere und naturgetreuere Darstellungen von T'rilobiten nicht vorhanden sind. Halle, den 8. Mai 1843. H. Bnriiieister. lilteratur. (Die mit einem * bezeichneten Scbriften habe ich benutzt.) 1698. Ed. Lhwyd (Luidius) in den Philos. Transact. Vol.20. no. 244. August. pag.i79. (Erste nnd älteste Mittheilung über Trilobiten.) 1699. — — (— ) LHhophylac'ii Brltannici Idinograph'm, seu lapid. elc. Londini (auch Lipsiae.) 8. Ep. I. pag. 9ß. i- Ed. alt. Oxon. 1760. 8. 1700. Car. Leigh, n natw. hislory of Lancashire , Cheshive and the Peack in Derbmhire. Oxford 1700. Fol. 1702. J. J. ScHEUcHZKR, specvucn LUholog'me Helveliae. Turici. 8. 1708. C. N. Lange, liMoria lap'idum figiiratonim Helveliae. Venet. fol. pag. 140. 1709. — — Iraclatns de origine lapidum figtiratorum. Lucern. 4. 1711. L.D. Herrmann, Maslographia. Brigae. 4. p.2U. 7io. öO. tab.9. f. oO, 11.44, 12.31. 1718. J. J. ScHEucHZER, Orydogrupkiu , Turici. 4. pag. 21G. ad. fig. 131. *1729. M. V. Bromell, Lithograpliia suecana in den actis liier. Sneciae, Upsat. Vol. IL 4. pag. 408. .seq., andi besonders gedrnckt: Holm. Si' Lips. 1740. 8. pag. 76. -1732. Fr. E. Brückmann, centur. episl. itinerar. Wolfenb. 4. — epist. 23. tub. 2. jig. 1 — 7. (1732.) und episl. 64. lab. 3. fig. 5. (1737.) 1745. C. LiKNAEi, Oeländska och Gothländska Resa. Stockh. och Ups. 8. 1747. — — Wastgölha Resa. Slockh, 8. *1748. J. L. WoLTERSDORF, systeviu minerale, latein. und deutsch. Berlin. 4. S. 42. ■'1750. Ch. Lyttelton in Aea Philosoph. Transact. Vol. 46. no. 496. Nov. ^' Dec. pag. 598. Ch. Mortimer ebend. pag. 600. 1753. E. Mendez Da Costa ebend. Vol. 48. P. I. pag. 286. no. 42. * — C. Linke, Museum Tessinianum. Holm. Fol. pag. 123. lab. 12. ■■■ 1754. Te. J. ToRRtBiA, aparato paru la historia natural Espanola. Tom. I. Madr. Fol. p. 83. §. XIII. no. 96. tub. III. no. 4. * (Dasselbe in's Deutsche übersetzt von Ch. G. v. Murr. Halle 1773. 4. S. 91. §. 96. 105. 4. Taf. 3. Fig. 4.) '1756. J.G.Lehmann, Versuch einer Geschichte \on Flötzgebirgen. Berlin. 8. S. 73. Taf. 1. Fig. A.B. 1757. C. Linnaei, Skanska Resa, Stockh. 8. pag. 121. — Guettard, meinoir. sur les ardoises d' Angers, in den Histoir. de l'acad. des scienc. ann. 1757. nouv. ccnt. T. XV. p. 82. seq. (Ich benutzte den Nachdruck: Amsterd. 1768. 8. S. 76— 128. Taf. 7 — 9.) — Genzmar , Beschreibung einer versteinerten Muschel mit dreifachem Rücken. In den Arbeilen einer vereinigt. Gcsellsch. in der Ober- Lausitz von den Geschiclilen der Gelahrtheit. Lobau. 8. II. S. 785. III. S. 185. Fig. 17— 21. 1759. C. Linke, pelrificalet Enlomol. paradoxus etc. etc. beshr'ifcd in den act. Reg. acad. scicnt. Holmiens. S. ;jfl^. 19. tub. 1. /ig. 1 — 4. 1763. Jon. WiLH. Baumer, Naturgeschichte des Mineralreiches. '1766. D. J. G. Lehmann, de Entrochis et Asieriis, in den Nor. comm. acad. scicnt. Iiiipcr. Pcrlropolit. Tom. X. pro anno 1764. pag. 42Ü. seq. .§'. 12. Taf. 12. Fig. 8—10. 1767. Davila, calalogue systemalique et raisonne des curiosites de la nalure. Paris. 8. av. fig. Vol.l — lll. Neues Hamburger Magazin. 11. Stück. S. 410. II 1768. C. F. W(iLCKKNs), Nculiriclit von selteuen Versteinerungen, in 3 Sendschreiben etc. Stralsun- disches Magazin. I. Bd. S. 2()7. flgd. 8. (Auch hesondeis abgedruckt unter obigem Titel. Ebeiid. 1769. 8.) 1769. Zeno , Ton den Seevorsteincrungen und Fossilen bei Prag, in dessen neuen physikalischen Be- lustigungen. Prag 1769. u. flgd. 8. ■1770. J. Th. Klein, specimen descr'/pt. pelrefacl. Gedanens. Nürnb. fol. Titf.XY. Fig.Z—T- ■'1771. JoH. Ijim. Walch, Naturgeschichte der Versteinerungen, zur Erläuterung der Knorr'schen Sammlung. Nürnb. Fol. Theil II. S. 95. (1768.) u. Theil III. S. 120. flgd. (1771.) (Der von Knorr 1755 herausgegebene erste Theil enthalt keine Trilobiten.) 1773. JoH. Beckmann, de reducHone verum f'ossitium ad genera luduraüa prolotyponim. In den nov. comnient. soc. lieg, scient. Göltlng. Tom. III. p. 2. pag. 100. seq. "1775. Gr. V. K(iNSKy), Schreiben an J. Edl. t. Born, in den Abhandl. einer Privatgesellsch. in Böh- men. I. Bd. S. 243. seq. mit Abbild. 8. "1781. M. Th. Brünnich, Bcskrivelse ovcr Trilobiten. In den Nya Sämling af det Koug. Danske Widensk. Selsk. Skrifter. Kiobenh. 4. I. S. 384. flgd. '■'1785. A. Modeer, Anmerk. über Märkische Versteinerungen. In den Schrift, der Berl. Gesellschaft naturf. Freunde. 6r Bd. S. 247. flgd. Taf. 2. Fig. 1 — 12. 8. '1793. J.C. Gehler, de qiühusdam rar'ioribus agrl Lipsiensis pclrifical'is , spec. I. Lips. 4. 1807. JuL. De Tristan im Jouni. des Mines. Vol. 23. no. 133. pag. 21. "1810. Fr. Bluaienbach, Abbildungen naturhistorischer Gegenstände. I.Cent, Taf. 50. Götting. 8. — F. Fr. V. Schlotheim, über TrU. cornigerus in Leonhard's Tascheub. f. d. gesammte Mi- neralogie. 4r Bd. S. 1. Frankf. a. M. 8. '•'1811. Ja?.i. Parkinson, organic rema'ins of a former toorld. Vol.Ul. p. 263. pl. 17. f. 11 — 19. London. 4. '^'1820. E. Fr. v. Schlotheim, die Petrefaktenkunde auf ihrem jetzigen Standpunkte etc. Gotha. 8. S. 39. flgd. '1821. P. A. Latreille , affm'des des Tr'tlobUes. Mem. du rmis. d'hist. nalur. Tom. VII. />. 22. 4. und Annal. den sc'ienc. pinjs. de Bruxelles. Tom. VI. 350. seq. '■' — V. AuDouiN, vcdterches snr Ics rapporls nidurels qui exislenl enire Ics Trilobiles el les an'imaux arücules. — Annal. des sc'ienc. pliys'/q. de Bruxelles. Tom. VIII. pag.n-i. 1821.— /sLs 1822. I. 87 — 104. Taf. l. — G. Wahlekeerc, , pelrificata tellur'is suecanae. No%m aclu lieg. soc. scient. Upsal. Tom. VIII. 4. pag. 18. seq. Tab. 1 §' 2. '•'1822. A. Brogniart, Ji'/sloire nalurelle des Crustaces fo.\is nennend. Dieser Name bczeichnele damals ziemlich allj^cmeln verschiedene grössere Isopoden, welche schmarotzend an Fischen leben, und ans denen LiKNE seine Gattung Oni'sciis bildete. Likne, dessen Systematik und Reformation der Wissenschaft sich jetzt eben Bahn brach, hatte in demselben Jahre mit Mendez da Costa die Trilobiten besprochen (im Mii.s. C. Tcssini), alle Arten als verschiedene Abände- ruiigen seines Enlomolilhus parado.rus bezeichnet, und sich für ihre nahe Verwandt- schaft mit ßlonucuhts ./pus entschieden. Diese Ansicht des grossen Naturforschers, Avelche in allen Ausgaben des Syslcvm nalurac beibehalten ist, hätte die reinen Empiriker, denen doch in der Regel wenig mehr von den Dingen bekannt war, als die Bruchstücke, welche sie vor sich Jiatten, zu einer richtigen Auffassung der Afflnitüt bestimmen sollen; allein eben Aveil die Meisten den nächsten Vergleichungspunkt gar nicht kannten, mussten sie ihn auch übersehen. Bringen wir also nicht in Anrechnung, dass der mit LiMS'E und mit den Deutschen Schriftstellern ebenso unbekannte, wie er von ihnen später übersehene Französische Beobachter Guettard die Trilobiten von Angers richtig zu den Krebsen rech- nete und sie als Verwandte der Meerläuse (Onisci LiNN.) aufführte, so begegnen uns gleich wieder mehrere Stimmen, welche sich für die Muschelverwandtschaft erheben. Ich will kein grosses Gewicht darauf legen , dass in Spanien , wo die Wissenschaften schlum- merten, der Pater Jos. Toürubia die Trilobiten anfangs richtig für Krebse hielt, später sich aber durch den Anblick von Rümpfens Abbildung der Limnx marina {Cliilon acii- lenhis LiNN.) bestimmen liess, darin eine Schnecke zu sehen, — ich will vielmehr die Abhandlungen des Frohstes Genzmer zu Stargard, des Prof. D. J. G. Lejimann zu Peters- burg, des bekannten Ralhssekretärs zu Danzig J. Tu. Klein und des Prof. Zeno zu Prag hier als solche Beweise einer verkehrten Auffassung der Trilobiten -Natur bezeichnen. Ersterer nannte sie concJu'tae rvgosi tritobi, mid Lehmann*) wie Klein nahmen diese Benennung an, während gleichzeitige Schriftsteller die Namen K ä f e r m u s c h e 1 und K a k a d u m u s c h e 1 an- führen. Dies bestimmte einen anderen, aber aufgeklärteren Sammler, die LiNNE'schen Ansichten über die wahre Affinität der Trilobiten auch unter seinem Publikum zu verbreiten, und zu beweisen, »dass die Conchyliologislen eben keine Ursache mehr haben, das Petrefakt, »welches bisher unter der Benennung eines conchilae Irllobi rugosi bekannt geworden »ist, als einen Theil ihrer Wissenschaft anzusehen.« Der Verfasser dieses Aufsalzes, Cii. Fr. Wilkens, gab sich im folgenden Jahre namenkundig und liess seine Darstellung unter besonderem Titel als »Nachricht von seltenen Thierversteinerungen« erscheinen. Er bespricht darin die zahlreichen Trilobiten - Reste seiner Sammlung "") In dem Summarium dessellieii Bandes S. 56. tlieilt der Verfasser die Ansicht Liune's auch mit, lilsst aber ilu'e Richtigkeit unentschieden. 5 mit vielem Geschick, wenn auch uniiülhiger Weilscliwcifigkcit, und kommt endlich zu dem gut molivirlei) Hesulüil, diiss ihnen der Name EnlomoliUms brtinrJiiopodis caucriformis 7mirimis beizulegen sei. Allein das Erscheinen dieser Arbeit in einer unbekannten Zeit- schrift war nicht geeignet, ihr Credit nnd Anerkennung zu verschafTen, und wenn sich nicht J. Imm. Walch in seiner Naturgeschichte der Versleinerungen besonders auf dieselbe bezogen hätte, Aver weiss, ob sie bis auf die späteren Autoren gekommen wäre. Sie entschied indess, so scheint es, auch Walcus Ansicht, und da dieser ileissige Gelehrte Alles zusammentrug, was bis dahin über die Trilobiten geschrieben war, so wurde seine umfassende Arbeit der erste Stützpunkt in dem Labyrinth der Bleimmgen für alle nachfol- genden Schriflsleller. Da er wohl einsah, dass die bisherigen Benennungen theils wegen ihrer Unrichtigkeit, theils wegen ihrer Länge, unpassend seien, so schlug er selbst eine neue vor, und nannte diese Gescliüpfe zuerst Trilobiten, eine Bezeichnung, die ihnen bei allen Nachfolgern, mit Ausnahme Dalmaw's geblieben ist, und deshalb auch von uns mit Recht als die älteste, keinesweges unpassende, beibehalten werden soll. — Uebrigens war Walch nicht genug praktischer Zoologe, um die WiLCKEw'sche Ansicht durch neue Gründe unterstützen zu können, er spricht überhaupt mehr von dem, was Andere dachten, als was er selbst meint, und scheint geneigter, die Onisci für die nächsten Verwandten der Trilobiten zu halten. Von jetzt an ward die Affinität der Trilobiten mit den Mollusken so ziemlich vergessen, und wenn nicht dieselbe nach fast 50 Jahren gerade von einem Zoologen, von dem man es am wenigsten, als genauem Kenner der Gliederlhiere, hätte vermuthen sollen, von Latreille nehmlich, wieder aufgefrischt worden wäre, so würde sie gewiss ganz unbekannt geblieben sein. Der nächste Schriflsleller nach AValch, Joh. Beckmakn, nennt die Trilobiten daher geradezu Oui'sci , und Graf v. Kiksky in einer Zu- schrift an Herrn v. BüUN gebraucht die LiKNE'scbe Benennung; JL Tu. BrÜnnicii dagegen Walch's Namen in einer von ihm gemachten Reduktion als Tri/obu.s; J. K. Gehler be- dient sich desselben in unveränderter Form. Neu, aber irrig, war endlich die Ansicht von A. Modeer, welcher in den Trilobiten Käfer, namentlich Cocc in eilen zu erkennen glaubte, wenigstens in Bultus und Olenus Köpfen, die er beschrieb. §. 4. Dies war der Zustand unserer Kenntnisse von den Trilobiten , als die grossen politi- schen Begebenheiten am Ende des allen wie Anfange des neuen Jahrhunderts sich ent- wickelten imd alle angestrengtere wissenschaftliche Thätigkeit unmöglich machten. Es be- gegnen uns daher in dem grossen Zeiträume von 1793 bis 1820 nur drei kurze Bemer- kungen über die Trilobiten, von welchen die erste in Blumenbacii's Abbild, naturhist. Gegenst. enthalten ist, die zweite in PARKI^'sON's organic rcmains of et fonner world, — e — die drille in Lr.ONiiARo's Taschen!), f. d. ges. Mineralogie, wo Herr Baron v. Schlotiieim eine neue Trilobilen-Art als Tr. roniigeriis beschrieb und nach Beckmann's wie BrüN- Kicn's Vorgange darauf aufmerksam machle, dass nothwendig mehrere Arten von Trilobilen unterschieden werden niiisslcn. Diese sehr richtige Ansicht führte er in seiner Petre- fakten künde 1820 weiter aus, und nahm hier fünf verschiedene Arten an, unter de- nen aber zwei verdächligen Formen angehören. Alle drei Verfasser sind übrigens der Meinung, dass die Trilobilen krebsartige Thiere seien, lassen indess ihre nähere Verwandt- schaft nut dieser oder jener Gruppe noch dahin gestellt. — §. 5. Das Jahr 1821 ist der Wendepunkt in der Literärgeschichte der Trilohiten; mit ihm beginnt eine neue Epoche, welche sich als die des gründlicheren Studiums bezeichnen lässt. Vier ausgezeichnete Beobachter: Latreille, Audouin, Wahleivberg und Brongniart verüfreutlichten in oder gleich nach ihm die Resultate ihrer Studien; die beiden erstem allein die Organisation der Thiere berücksichtigend, die beiden andern die Verschiedenheit der Arten. P. A. Latreille, der genaueste Kenner der Gliederlhiere im Ganzen wie im Einzelnen, hatte gewiss das grösste Recht, seine Stimme über die Verwandtschaft der Trilobilen zu erheben; allein er Ihat dies in einer Weise, die den Kundigen durchaus nicht befriedigen konnte. Nachdem er bereits früher sich für die Verwandtschaft der Trilobilen mit den Gliederlhiercn entschieden hatte (Cuv. rcgn. unim. ■prem. cd. Tom, IIL), widerruft er hier diese Ansicht geradezu, und sucht durcii den Mangel der Füsse zu beweisen, dass die Trilobilen am nächsten mit Cln'lon verwandt sein müssten. Er übersah also nicht bloss die durchgreifende Gliederung des Körpers, sondern auch die Augen völlig, behauptete, dass, wenn Füsse vorhanden gewesen wären, man dieselben erkennen müsstc. und zieht aus ihrem Mangel den Schluss, dass die Trilobilen Mollusken seien. V. AuDOLiix, welcher kurz zuvor seine Arbeit über das Skelet der Gliederlhiere vollendet haben mochte {annal. des scienc. natiir. pr. S. Tom. I. 182-1), war durch diese Studien auch auf die Trilobilen gefallen, und hatte alsbald ihre Arlikulaten- Natur aus den Panzerreslen erkannt. Allein er ging in der Uebertragung seiner bei den Insekten sehr leicht wahr- nehmbaren Resultate auf die übrigen Gruppen der Gliederlhiere offenbar zu weil, und suchte Analogieen, die in der That nicht vorhanden sind. Schon die Betrachtung des Ilintcrleibes der Blacruren, mit dem, wie mit dem Bruslpanzcr der Isopoden, er selbst sehr richtig den Panzer der Trilobilen vergleicht, hätte ihn überzeugen müssen, dass cpisfcrim und cpimcru, zwei durch besondere Nähte abgegrenzte Panzerslücke am Brust- kasten der Inseklen, bei den genannten Gruppen gar nicht vorhanden sind, und dass S4?lljst die Grenze zwischen Rücken- (Jergvm) und BruslplaUe {slermmi) eine künstliche ist. Dennoch sieht er die durch eine schiefe Furche bei vielen Trilobiten in eine vordere und hintere Hälfte gesonderten Scitenlappen ihres Panzers für die Analoga jener Theile an, und nennt den vordem episfermtm, den hinlern epimerum, den mittlem Theil jedes Gur- tes aber tergum; Bezeichnungen, die schon deshalb unpassend sind, weil mehrere Tri- lobiten {lU(ienxis) jene trennende Furche gar nicht besitzen, imd bei keinem einzigen die von ihm xmlerschiedenen Gegenden isolirte, durch Nähte verl)undene Stücke ausmachen. Er kommt übrigens , trotz dieser in der Natur nicht begründeten Spitzfindigkeiten , zu den richtigen, vierfachen Thatsachen, dass die Trilobiten TJ 1) sich bloss in Nebendingen von den Glicderthieren entfernen, und ohne Frage zu -Ifljy/ dieser grossen Gruppe des Tbierreiches gehören; 2) die grössten Analogieen mit den Isopoden, besonders Ci/motitoa und Ligi'a zeigen. -'-' S) dass der Mangel der Füsse hier ein nolbwendiger Charakter ihrer Skeletbildung -' zu sein scheine, Avenngleich derselbe überhaupt noch fraglich bleibe; und dass -'' 4) diese Füsse, wenn sie vorhanden waren, am wahrscheinlichsten die Bildung von Kiemen tragenden Füssen besassen. — Mit Aufstellung und Begründung dieser vier Sätze war augenscheinlich ein wichtiges Resultat gewonnen, und besonders durch Beachtung der letzten Annahme schon die ganze Richtung vorgezeichnet, welche der kombinirende Scharfsinn eingeweiheter Forscher zu nehmen hatte. Georg Wahlenberg trat genauer in die Fusstapfen von Linke als irgend einer seiner Vorgänger, und suchte, wie er dessen Namen Enlomoiilhus bloss in Eulomoslra- ckes umänderte, so auch seine Ansicht über die Affinität der Trilobiten zu bewähren; allein da er kein spezieller Zoologe war, und überhaupt damals die Gruppen der Krebse noch nicht so scharf sich definiren und ihre bestimmenden Charaktere vor allen anderen sich hervorheben Hessen, so gelang es ihm nicht, eine über allen Zweifel erhabene Evi- denz festzustellen. Er glaubt, dass die Trilobiten am nächsten mit Limulus verwandt seien, und ist geneigt, diese Aehnlichkeit auch auf den Bau der Füsse zu übertragen; doch seien die der Trilobiten kleiner gewesen, als die von Limulus, und fehlten deshalb unseren Fetrifikalen. In einzelnen Schildern und Gürteln glaubt er bloss abgeschälte Häute EU erkennen, da es keinem Zweifel unterliege, dass diese Thiere sich nach Art der Ar- ticulaten gehäutet haben müssten. — Uebrigens lässt er noch alle Arten in einer Gattung beisammen und beschreibt deren vierzehn. — Al. Brongniart's ein Jahr später erschienene hfsf. naf. des CrusUtces fossiles ist die vollständigste Arbeit von allen. Sie war es, welche auf die generellen Verschiedenhei- ten unter den Trilobiten zuerst hinwies, und fünf meistens gut unterschiedene Gattungen 8 aufslelite; sie war es ferner, welche die Arien schärfer sonderte, und die damals be- kannte Anzahl derselhen auf 17 brachte; sie erörterte endlich die Verschiedenheit der Gesteins- Schichten, in denen Trilobilen angelroil'en werden, ausführlicher, als es in die- sen von Wahlei\'BERG angeregten Untersuchungen bisher geschehen konnte. Hinsichtlich der zoologischen Berührungen herrscht bei Bküngmakt die richtige Ansicht vor, dass die Trilobilen am nächsten mit den B ranchiopo den unter den Krebsen verwandt seien, und hiermit sowohl der Mangel sichtbarer Füsse, als auch sichtbarer Fühler sich ver- einigen lasse. Doch wird die Analogie mit den Isopoden nicht so weit in Abrede ge- stellt, wie dies nöthig und möglich ist. — Die Bedeutung und der Einlluss dieser vortrefTlichen Arbeit auf die Kennlnlss der Trilobiten zeigte sich sofort nach ihrem Erscheinen durch die neue Bearbeitung, zu wel- cher Ilr. v. ScHLOTiiEiM sich im Gegensatz gegen die früheren dürftigen Resultate seiner Petrefaktenkunde gedrungen fühlte (Nachträge. II. Ablh.), und in welcher er einen Aus- zug aus Brongniart's Werk lieferte , nebst Beschreibung einiger neuen Arten. Die un- genügend beschriebnen mitgerechnet betrug nach dieser Aufzählung die Anzahl aller be- kannten 29, von welchen aber 3, als entschieden nicht hierhergehörige Formen dar- stellend, zu streichen sind. §. 6. Nachdem so weit ir.i Einzelnen und fast vollständig die äussere Geschichte der Tri- lobilen verfolgt worden ist, verlasse ich jetzt dieses Verfahren, da die Menge der Schrift- steller mit jedem Jahre zunimmt, und deshalb ihre Aufzählung nicht bloss an sich ermü- dend wird, sondern auch überflüssig, weil der Beitrag jedes Einzelnen in der gesammten Richtung des Studiums untergehl, diese also nur hervorgehoben zu werden braucht. Wir finden aber, dass von nun an die Thäligkeil der Naturforscher ganz besonders auf Fest- stellung der Arten und Bekanntmachung neuer gerichtet ist, und dass in dieser Beziehung vielfältige Irrthümer begangen werden, die grösstenlheils in der mangelhaften Kennlniss des Körperbaus der Trilobilen, und den dürftigen Bruchslücken, die solchen neuen Arten zu Grunde gelegt wurden, ihre Ursachen haben. Es häuft sich daher zwar eine grosse Menge von neuen Namen und Besliunnungcn an, aber keincsweges in demselben Maasse die Menge wirklich neuer Thalsachen ; denn selbst Monographen einzelner Gebiete , in denen Trilobilenreste gefunden werden, haben sich der Verwechselungen schon bekannter Arten mit angel)lich neuen nicht erwehren können. Auf die nähere Nachweisung solcher Irrthümer schon jetzt einzugehen, würde mich in eine Unlersucluuig der Artunterschiede führen und dadurch zu Wiederholungen iiöthigen; ich beschränke mich daher auf eine kurze Angabe solcher Arbeilen . die Epoche machen und desiialb auch eine besondere Erwähnunff verdienen. 9 OITenbar ist Dalman's Abhandlung (1826) nach Brongniart's Monographie die be- deutendste Arbeit über die Trilobiten; allein wie sie im allgemeinen Theile keine entschie- den neuen Thatsachen hinzufügt, auch die zoologische Verwandtschaft der Trilobiten kei- nesweges zur Entscheidung bringt, so ist sie im Einzelnen bei Feststellung der Arten nur in Bezug auf Schweden reicher und vollständiger als jene frühere. Des Verfassers Vor- sciilag, statt des Familiennamens Trilobiten die Benennung Paläaden in Anwendung zu bringen, hat keinen Beifall gefunden, und verdient ihn auch nicht, da mit derselben nicht mehr gesagt wird, als mit dem altern, wenigstens einen Theil des Familiencharakters richtig bezeichnenden Namen. Fast gleichzeitig mit Dalman wurden übrigens die Trilobiten an sehr verschiedenen Orten in Betracht gezogen, und dadurch manche neue Formen und Ansichten näher erör- tert. DiKAY beschrieb zuerst (1824) die Nord -Amerikanischen Trilobiten in mehreren Aufsätzen, fand aber erst später Eingang bei den Gelehrten Europas mit seinen Resultaten. Graf Sternberg erörterte (1825) mit gewohnter Gründlichkeit die Trilobiten Böhmens, und hatte an Boeck (1827) einen ebenso sorgfälligen wie umsichtigen Nachfolger. Von ihm ging besonders eine richtige Würdigung der das Kopfschild durchziehenden Gesichts- linie oder Naht aus. In England bearbeitete Fayton zur selben Zeit (1827) die Trilo- biten; mit welchem Erfolge, vermag ich nicht zu sagen, da seine Schrift mir nie zu Ge- sicht gekommen ist. Russland beschäftigte über diese Materie in kurzer Zeit vier Schrift- steller hinler einander, und lieferte durch ihre Bemühungen manche schätzbaren Beiträge. EiCHWALD, der älteste von ihnen (1825), gab eine vollständige Monographie der Esthlän- dischen Trilobiten und verbreitete sich auch über ihre zoologischen Verwandtschaften. Indess war sein Bestreben, die Analogie der Trilobiten mit den Isopoden nachzu- weisen, ebenso erfolglos, wie ungenau die Bestimmung der dreizehn verschiedenen Arten, welche er annahm, da in ihnen eine sorgfällige Kritik nur vier wirklich ver- schiedene erkennen kann. Razou.mowsky's Bemerkungen (1826) sind aphoristisch, und verbreiten sich nur über einige Formen aus den Umgebungen des Ladoga-See's, die sämmtlich bereits bekannt waren. Stsciiegloff's in Russischer Sprache geschriebene (1827) Abhandlung über die Petersburger Trilobiten kenne ich nur aus Pander's Werk. Dieser sorgfällige Beobachter behandelte (1830) denselben Gegenstand mit grosser Ausführlichkeit, allein doch ohne bedeutende Resultate. Zwar gelang es ihm , die EiCHWALo'schen Arten theilweis richtig zu reduciren; aber er selbst verkannte nicht minder seine eigenen, als er sie für neu hielt, was bei keiner einzigen wirklich der Fall ist. Der allgemeine Theil zeigt zwar von der grösslen Emsigkeit in der Betrachtung und Unlersuchung, aber auch von einer vollständigen Ünbekannlschaft mit lebenden Cruslaceen, Aveshalb es dem Verfasser unmöglich W£ir, neue und sichere Aufschlüsse über den Bau der Trilobiten zu ertheilen. 2 10 Uebrigcns fanden Eichwäld, Razoumowsky und Pander die ei'genthümliche Anschwellung an der unleren Seile des Kopfschildes wieder, welche vor dem Munde liegt, zuerst von Stores gesehen war und dem chjpcns der Cruslaceen und Insekten entspricht. Ueber die Füsse der Trllobilen, welche bis dahin allen Beobachtern entgangen wa- ren, suchte inzwischen Goldfuss (1828) Auskunft zu geben, und wenn er gleich ihren Bau theoretisch richtig erschloss, so sind doch seine Abbildungen nicht geeignet, für das zu gellen, was sie darstellen sollen. Die Bemühungen, diese Organe noch an unseren fossilen Resten ausfindig zu machen, mussten stets erfolglos bleiben, da Theile von sol- cher Zartheit, wie sie nach lebenden Verwandten hier angenommen werden müssen, keine Spur ihres Daseins hinterlassen konnten. — Eben ihr völliger Mangel zeugt aufs Be- stimmteste für ihren vormaligen wirklichen Bau. — Zunächst nach Pander's Werk erschien (1832) Green's Monographie der Amerika- nischen Trilobiten, eine Arbeit reich an Namen und Worten, aber ebenso arm an brauch- baren Tbalsachen. Hätte nicht der Verfasser zugleich Gypsmodelle von seinen besten Handstücken anfertigen lassen, es würde unmöglich gewesen sein, auch nur die Hälfte der wirklichen neuen Arten in seinen Beschreibungen und Abbildungen zu erkennen. Ueberhaupl fallen in diese Zeit eine Anzahl von Schriften, deren Erscheinen für die wei- tere Förderung unserer Kenntnisse von keinem grossen Belang war, imd deren Werth L. V. Buch sehr richtig anschlägt, wenn er sie für unbedeutender hält «als zwei wichtige »Bemerkungen von Quenstedt in Wiegmatv'n's Archiv,« auf welche ich bald näher ein- gehen werde. — Zu diesen Schriftstellern gehörte übrigens Zenker, der neuere (1833) Bearbeiter Böhmischer Triloluten, dessen Resultate Graf Sterkberg bereits in demselben Jahre mit Erfolg beleuchtete. Auch Klödek's Angaben über den Bau imd die Lebens- weise der Trilobiten, bei Gelegenheit solcher Reste, die in der Mark Brandenburg vor- kommen (1834), enthalten nur irrige, auf Missverständnissen beruhende Tbalsachen. Dies ist zwar von Sars {Tsis. 1835) Blillheilungen nicht zu behaupten, aber neu sind wenigstens die Arten alle nicht, welche er hier als solche beschreibt. Leider lässt sich dasselbe von Mürchison's Schilderung der Englischen Trilo])ilen sagen, welche in seinem grossen und vorlrelflichen Werke über das Silurische System der Britischen Inseln (Lond. 1837) niedergelegt ist. Der Verfasser, bloss Geognost, hat es vorgezogen, über die zoologische Affinität dieser Geschöpfe W. E. Mac Leay reden zu lassen; allein die eigen- Ihümlichen Ideen desselben passen nicht zur gründlichen Erörterung solcher Fragen. Eine Einthcilung der Cruslaceen, in welcher die Amphipoden (mit den Isopoden), Trilobiten und Entomostraca als drei gleicbwerthige Unterabiheilungen einer für natürlich gehaltenen grossen Ilauptgruppe aufgeführt werden, kann zu den systema- tischen Talenten ihres Verfassers kein grosses Vertrauen erwecken. Auch hier verwcch- — 11 — seit Mac Leay, wie so oft, die BegrllTe von Analogie und Affinität, welche in England zuerst unterschieden zu haben, mit Recht für sein grössles, dort allgemein anerkanntes Ver- dienst gehalten wird. Kurz vorher (1836) halte übrigens schon ein anderer Englischer Schriflslcller, W. Bucklani), denselben Gegenstand mit bekannter Genialität und Lebendig- keit erörtert. Er meint, dass Seroh's, Litiinhis und Branchijyus die drei Gattungen der lebenden Krebse seien, an welche die Trilobiten am meisten sich anschlössen, und lässt sie mit der ersten die Gesammlform, mit der zweiten die Bildung des Kopfschil- des, mit der dritten den Fussbau und die Beschaffenheit der Augen theilen. In wie weit diese Annahmen begründet sind, werden wir später untersuchen. — Indem ich die einzelnen Notizen gleichzeitiger Schriftsteller, wie solche von HönIg- HAUs, H. V. Meyer, Buoivn, Hükefeld, Thompson, Sowerby, Jukes, Esmark, Green und Harlan gemacht wurden, hier nicht weiter berühre, meine Leser auf die vollständige Uebersiclit der Literatur verweisend, wende ich mich zu einigen neueren, mehr umfassen- den, wichtigeren Leistungen, welche den Schluss der bisherigen Forschungen machen. Hisinger's Uehersicht der Schwedischen Trilobllen, der Zeit nach die erste unter diesen Schriften (1837), schliesst sich genau an Dalman und giebt wenig neues. Desto mehr verdient Quenstedt's Aufsatz in Wiegmann's Archiv (1837. 1.) Erwähnung*), besonders wegen des Gewichtes, welches hier zuerst auf die Zahlenverhältnisse in den verschiedenen Körperabschnitten, zumal im Rumpfe, gelegt wird. Die Darstellung der Augen, worin Verfasser zAvei Typen annimmt, muss ich als richtig bestreiten und ebenso die Behauptung, dass eine Eintheilung der Gruppe in Gattungen noch nicht nöthig sei. Denn die Aufgabe der beschreibenden Naturwissenschaften besteht keinesweges im Entwerfen schemalischer Register der Naturkörper, sondern im Aufdecken derjenigen einander untergeordneten Dif- ferenzen, durch welche es der Natur möglich geworden ist, die ursprüngliche Einfach- heit des Typus in so viele mannigfache Gestalten zu verändern. Ilaben wir solche ein- zelnen Modificalionsslufen richtig erkannt, ihre Modilicalionscharaktere scharf aufgefasst, so nehmen wir sie für Gattungen oder überhaupt für Abiheilungen, denen wir Namen geben, um bei Nennung derselben an die Eigenlhünilichkeit in der Modification des Grundlypus zu erinnern. Aus diesem und keinem anderen Grunde benennt man die Gruppen, wohl wissend, dass der Name im wissenschaftlichen Verkehr nichts anderes bezwecke, als die •"■) Zu deinsellien glanhe ich die Veranlassung geworden zn sein, indem ich dem Herrn Verfasser, da- mals Gehülfe am Mineralo£^ischen Mnsenm zu 13erlin, meine Ansichten über die Trilohiten, ilireo Bau und ihre Verwaudlschaften bei einem Besnche jenes Kabinets anseinandersetzte, und darin •namentlich auch die Wichtigkeit der Zahlenverhaltnisse hervorhob. Einige Monate nach diesem Gespi'iich erschien genannter ,4ufsatz. 2* 13 Münze im Handel; eine Erleichterung für den Austausch und Umsatz der Ideen und Erfahrungen zu bewirken. — Dies haben denn auch Quenstedt's Vorgänger ebenso gut gewusst, wie seine Nach- folger erkannt, und sich die Feststellung guter Gattungen angelegen sein lassen. Boeck versuchte es nur, sel])ige anzudeuten (in Keiliiau's Gaea norwegica. 1838), die aus- führliche Darstellung für eine längst angekündigte, aber bisher immer noch nicht erschie- nene Monographie der Trilobiten sich vorbehaltend. Mit einer solchen kam ilim Emmrich zuvor, indem er als Gehülfe am Mineralienkabinet zu Berlin nach Quenstedt's Abgange auch ganz in dessen Fusslapfen trat, und die Trilobiten zum besondern Gegenstande sei- ner Studien wählte. In der fleissig ausgeführten Arbeit (diss. inaug. Berol. 1839.) ist zwar der allgemeine Theil nicht durch neue Thatsachen oder Ansichten bereichert, der specielle dagegen mit sorgfälliger Prüfung der vielfachen Synonyme abgefasst, und auf Quenstedt's in dieser Hinsicht grösstentheils richtiger Basis aufgeführt. Die von letzterem zuerst erkannte Gruppe der eilfgliedrigen grossäugigen Arten erhielt von Emjirich den Namen Phacops, und erscheint als Galtung neben acht anderen, von denen eine zweite {OdontopIeHr(i) auch neu und wohlbegründet ist, allein aus der sehr unklaren Abbildung nicht genügend sich erkennen lässt. Auch darin ist übrigens Ejlmricii seinem Vorgänger gefolgt, dass er die zuerst durch Murchison ausgesprochene Identität von Homulonolus und Trimerus , zu denen später (1840) Brokn auch Dipleura als Genossen richtig hin- zufügte, noch auf Cahjmenc ausdehnen und die Gruppe bloss als Unterabtheilung dersel- ben gelten lassen will; worin er jedoch ohne Frage zu weit geht, besonders wenn er Dipleura davon trennt, welche am meisten von allen 3 Formen an Calymene sich an- schliesst. — Dieser Arbeit zunächst folgte eine kurze Charakteristik der Russischen Trilobiten von L. v. Buch (1840) ; bündig und gehaltvoll, wie alle Leistungen des grossen Geognostcn, und mit richtiger Erkenntniss dessen, was hier Noth thut ; nehmlich ein vergleichendes Studium der Abhängigkeitsverhältnisse, in welchen Kopf, Rumpf und Schwanz zu einander und die einzelnen Theile derselben zum Ganzen stehen: 55 Dann erst«, behauptet er mit Recht, »können wir wirklich naturhistorische Classificationen erwarten, welche sich über den » einseitigen Zweck erheben, den Sammlungen und Verzeichnissen zur bequemen Einschach- »telung zu dienen.« Ueber diesen Zweck gehen leider die gleichzeitigen Arbeiten des Grafen v. Münster (1840 und 1842) nicht hinaus; denn sie liefern kaum eine einzige vollständige Schilde- rung der vielen darin aufgestellten neuen Arten, und verrathen nur dem Kenner in ihren höchst manierirlen Abbildungen ziemlich mangelhaft die wirklichen Formen, denen sie etwa angehören könnten. — f» — Durch Vollendung in Darstellung und Beschreibung bilden hierzu die paradoxen Ge- stalten, welche Güldkuss bekannt gemacht hat (1841), ein glänzendes Gcgcnslück, und können Denen, die fortan über Trilobiten nach Bruchstücken sich verbreiten wollen, nicht genug als Muster empfohlen werden. — ■ Dagegen ist die jüngste. Alles umfassende Arbeit, welche Milne Edwards kürzlich geliefert hat (^Ilist. mtliir. des Crusfnces. |Tom. III. 1841), keinesvvcges des Namens würdig, den dieser ausgezeichnete Französische Naturforscher durch so viel treffliche Lei- stungen sich erworben hat. — Die Einordnung der Trilobiten zwischen Isopoden und Phyllopoden, welche Verfasser befolgt, huldigt allen bisher vorgetragenen Ansichten zugleich, und bringt dadurch die Sache nicht zur Entscheidung; denn die Wahrheit liegt hier keinesweges , wie oftmals , in der Mitte. Von den angenommenen 12 Gattungen sind mehrere, wie Plcunicanllms , Pellura und Olari'on, auf falschverstandenen Bnich- stücken gegründet und ermangeln aller Realität; und dasselbe gilt von vielen Arten, welche Verfasser ohne weiteres seinen Vorgängern nachschreibt. Es ist zu bedauern, dass ein so vielseitig gebildeter Zoologe, der mit Recht bei allen Nichtkennern für eine ausgezeich- nete Autorität angesehen werden kann, auf diesen Theil seines sonst so verdienstlichen Werkes keine grössere Sorgfalt verwendet und eine Arbeit geliefert hat, die höchstens als reine Compilation auf Werth durch ihre Vollständigkeit Ansprüche machen kann. In der Kenntniss des Baues dieser Geschöpfe hat sie uns freilich um keinen Schritt weiter gebracht. — Erstes Kapitel. Sichtbarer Körperbau der Trilobiten. §. 1. J-^er Leib aller Trilobiten besieht aus drei verschiedenartigen Abschnitten, welche die Benennungen Kopf (capui^, Brustkasten (Jihornx) und Hinter leih {ctbdomcti) er- halten haben. Schon daran sind sie als Gliederthiere kenntlich. Die beiden ersten Abschnitte pflegen sich bei manchen Gruppengenossen zu einem einzigen Kürpertheile, dem Cephalothorax, zu vereinigen; bei den Trilobiten bleiben sie indess gelrennt, imd dieser Umstand erleichtert eines Tbcils die specielle Betrachtung ihres Körpers gar sehr, andern Tbcils giebt er über die Affinität dieser Thiere zu noch lebenden bündige Aufschlüsse. Die Untersuchung derselben bis auf das folgende Kapitel verschiebend, be- trachten wir zunächst die von den Trilobiten noch vorhandenen Ueberreste, so wie sie mis vorliegen. — 'O^ §. 1. Sänimlliche Ueberbleibsel der Trilobiten sind auf ihre Schaale und deren Abdrücke beschränkt, kein weicher Theil ihres Körpers hat sich erhalten und konnte sich füglich erhalten. Hiernach sclieint es mir gewiss zu sein, dass alle Tlieile, welche die Härte der Schaale besassen, oder wenigstens von einer ebenso harten Schaale bekleidet waren, in den Abdrücken der Trilobiten vorkommen müssen; alle wahrscheinlich vorhanden ge- wesene Theile also, welche wir in denselben Abdrücken vermissen, nicht die Consistenz der Schaale hallen, und eben deshalb fehlen. Wenn wir daher, wie sich später zeigen wird, die ganze Bauchfläche des Trilobitenkörpers mit allen daran hängenden Organen in unseren Abdrücken nicht mehr wahrnehmen, so folgt daraus, dass sie eine ungleich weichere haularlige Hülle und BescbafTenheit haben musste , keinesweges aber , dass diese Theile gar nicht vorhanden waren. Eine solclie Annulinie wird um so walirscheinlicbcr, wenn wir bei noch lebenden, ohnehin den Trilobiten ähnlichen Organismen, dieselbe Be- schairenheit der Bauchfläche und ihrer Organe wahrnehmen ; ja wir steigern dieselbe durch 15 — nähere Vergleichung- der vorhandenen Trilobiten- Reste mit den Schaalen dieser Thiere zur positiven Gewissheit, wenn wir auch in diesen die allergrösste Uehereinslimmung er- kennen. Demnach ist die genaue Kennlniss der Trilobitenschaalo für den Beobachter erstes und wichtigstes Erforderniss. §. 3. Den Bemerkungen über diesen Gegenstand muss ich die Erklärung vorausschicken, dass sich die eigentliche Schaale keinesweges bei allen Trilobiten erhalten hat; sondern dass ein grosser Theil ihrer Reste bloss aus Abdrücken von der Schaale bestellt. So ist es bei allen Trilobiten der Grauwacke und des Thonschiefers , also besonders bei den Oleniden; erst bei Exemplaren aus dem Alaunschiefer zeigen sich unverkennbare Spu- ren der Schaale selbst, und bei den meisten in Uehergangskalk eingeschlossenen Indivi- duen ist dieselbe mehr oder weniger vollständig erhalten. An Individuen aus diesem Ge- stein, besonders an solchen, die als Geschiebe an vielen Stellen der norddeutschen Ebene gefunden werden und bereits völlig von dem sie vormals einhüllenden Kalksteine befreit sind, erkennt man aufs deutlichste, dass die Schaale wieder aus zwei Schicliten bestand, von welchen die äussere als ein sehr dünner, allermeistens heller gefärbter Ueberzug sich über die untere dickere, dunklere Schicht verbreitete. Dieser feine Ueberzug ist auf sei- ner ganzen äussern Oberfläche dicht mit kleinen ungleichen Ilöckerchen besetzt oder gra- nulirt, und hat also ganz das Ansehn, wie der Panzer unsrer Flusskrebse an einzelnen Stellen, besonders an den Scheeren. An den meisten Körpertheilen waren diese Granu- lationen so schwach, dass sie auf der zweiten unteren Schicht des Panzers gar keine Spuren zurückliessen ; an den erhabensten Stellen aber, z. B. am gewül])ten Vordertheile des Kopfes, auf den Körperringen, verrälh sich ihre Anwesenheit selbst beim Mangel der Oberhaut durch leichte aber grössere Hocker, welche diese Stellen bedecken. Sie er- reichen ihre grösste Enlwickelung bei der darnach benannten Cuhjmene variohiris, feh- len aber auch dem Dudley- Trilobiten nicht. Kur an diesem und zwar an den kleinern Exemplaren (var. yulchclhi) habe ich die äussere Schicht mit ihren Körnchen bisher wohl erhalten beobachten können; bei den granulirten Phacops-Arten fehlt die obere Lage fast beständig, mithin kann die allgemeine Granulation nur aus der Anwesenheit jener grössern Höcker der untern Panzerschicht erschlossen werden. In beiden Gattungen, Calymene und Phacops, scheint jedoch die granulirle Oberfläche eine allgemeine Gruppeneigen- scbaft gewesen zu sein und sämmtlichen Arten derselben zuzukommen. Für Phacops bestätigen diese Meinung die allermeisten und besten Abbildungen, bei Calymene ist die Granulation in der Regel übersehen worden, weil sie hier viel feiner und schwächer ist, auch gewöhnlich bloss an der Oberhaut selbst erkannt wird. Ist übrigens auch die 16 zweite Schicht des Panzers ahflrestossen, und von dem Trilohilen bloss noch der Abdruck seiner inneren Schaalenseite vorhanden, so fehlen begreiflicher Weise auch jene undeut- lichen gröberen Spuren der Granulation, und die Oberfläche erscheint glatt. Dies ist nicht bloss sehr oft bei Cnlymene Blumenbachü der Fall, sondern auch häufig genug bei Pha- cops macrophl/uilmus , und hat hier zur Aufitellung mehrerer Arten Veranlassung gege- ben (C«/. lafifi-ons und C- Srhlolhehnü Broxx.). Phac. proluberans und alle als glatt beschriebenen Arten dieser Galtung scheinen mir auf ßolcheu abgeschälten Individuen zu beruiien. — §. 4. Die so eben gescliildcrle Obcrliaut scheint nur eine Eigenlhümlichkeit der erwälm- ten Galtungen und einiger anderen {Ihtrpes, Odonlopicurn, Ilomalonolus) zu sein, den meisten Trilobiten aber zu fehlen. Nie zeigt sich auch die geringste Spur einer zar- teren, für sich ablösl)aren Schicht auf der Oberfläche des Panzers bei übrigens ganz wohl erhaltenen Resten der Galhmgcn Jsaphiis und Illaenus, so dass ich mich von einer ab- weichenden Beschaffenheit der Horndecke dieser Gattungen überzeugt halten muss. Hier nehme ich \ielnielir ])ei Individuen, deren äusserste Oberfläche stellenweis noch gar nicht beschädigt ist, feine eingerissene Linien walu-, welche ziemlich so verlaufen, wie die Fur- chen an der inucrn Seite der mensclilichen Hand, aber etwas entfernter stehen und feine eingestochene Punkte zwischen sich haben. Am deutlichsten sehe ich diese Beschaffen- heit der Oberhaut bei J.snphiis cxpansiis oder cornigcrus auf dem gewölbten Vorder- theile des Kopfes, und den erhabensten Stellen der Körperringe, oft genau da, wo auch bei Cahjmene und Phacops die Granulation am vollständigsten ist; dagegen bemerke ich auf den Seitenlheilen des Kopfschildes, den Seitenlappen der Körperringe und auf dem Schwanzschilde die feinen Punkte in grösserer Zahl und dichterer Stellung, aber nur ein- zelne, grobe, etwas erhabene Querrisse, welche indess ziemlich symmetrisch vertheilt sind. Auch diese Bildung hat bei lebenden Krebsen ihr Analogon, und findet sich, na- mentlich die Puidvtirung, am Brusipanzer des Hummers. — Diese Granulationen und Punklirungen gelten übrigens nur von derjenigen Fläche des Panzers, welche sicli auf der oberen Seite des Thieres befindet, oder nicht von benach- barten Panzertheilen bedeckt wird; denn die luitere Seite, so weit sich dieselbe erhalten hat, halte einen anderen Bau. Sie war ebenfalls eine eigenlhiiniliche aber stets dümicre Ilornlamelle , die jemehr nach der Mitte zu, um desto zarter wurde, von der oberen Seile des Scliildes überall durch eine Schicht der Körpersubstanz getrennt blieb und selbst aus einem zarteren Stoffe bestand. Diese Angaben lassen sich durch bestimmte Thatsachen erweisen. Denn eines Theils findet sich immer an Trilo])itenresten , bei welchen beide Panzerlagen vorhanden sind, eine den Abstand dersel])en von einander bezeichnende Schicht — tu des Gesteines zwischen ilinen; andern Tlieils sieht man an diesen geradezu die Dicke der versteinerten öchaaie und bemerkt, dass die untere dünner ist als die obere. Ich verweise zum Verständniss dieser Verliällnisse meine Leser auf die Abijückuig des grossen y/saphus-Sdnkhs, welche ich Taf. V. Fig. 4. gegeben habe. Dasselbe ist an der linken Seite noch von seiner alten, versteinerten, mit ihrer natürlichen Oberfläche verselienen Schaalc bedeckt, und zeigt daher eine ziendich starke parallele Streifung nur an demjeni- gen Theilc des Vorderrandes, welcher von dem Seitenlappen des letzten Bruslkastenringcs überragt wurde. Ein scharfer Bruchrand, welcher anfangs der Länge nach über die Mitte des Hinterleibes verläuft und sich dann nach liidvs wendet, giebt die Grenze der zerbro- chenen Schaale an. Was nach rechts daneben sichtbar wird, ist bloss der Abdruck von ihr auf die Gesteinmasse, welche in das Hinterleibsschild hineindoss. Von dieser Masse ist aber am Hiiiterrande ein beträchtliches Stück abgebrochen und neben dem Bruchrande nicht bloss ein Thcil der unteren Schaale sichtbar, sondern auch ihr Abdruck in das un- ter ihr befindliche Gestein an den Stellen, wo sie fehlt. Diese zufällige Beschaffenheit des fraglichen Schildes ergiebt ganz deutlich, dass die untere Schaalcnflache auf älmliche Weise, wie der bedeckte Theil der obern am Vorderrande, mit feinen parallelen Linien ver- sehen ist, dass sie aus einer dünneren Hornlamelle besteht als letztere, mid dass der Ab- stand beider Lamellen von einander in einer dem Umfange concentrischen Kante der un- teren Lage viel stärker war, als an den übrigen Stellen des ganzen Schildes, selbst stärker als am Ende des eigentlichen Hinterleibes, dessen lanzetlfürmige Spitze wenigstens in die- sem Falle flach gewesen zu sein scheint. Denn anzunehmen, dass dieselbe durch äussere Gewalten eingedrückt sei, und ursprünglich nach unten gewölbt war, scheint mir nicht räthlich zu sein, da die dem Umfange parallele Kante der Unterseite sich erhalten hat und nicht eingedrückt ist, was doch wohl der Fall sein wirde , wenn das ganze Schild einen starken Druck erhalten hätte. — So wie dieses Hinterleibsschild gebildet ist, so sind es auch die Scitenlappen der Rumpfglieder und das ganze Kopfschild. Man kann sich nehmlich an manchen zweck- mässig zerbrochenen Exemplaren auf's Bestimmteste davon überzeugen, dass die ganze untere Fläche des Kopfpanzers in der Umgebung des Vorderrandes mit eben solchen ein- gerissenen Parallellinien bedeckt war, und dass jene Fläche dadurch das Ansehn einer regelmässigen Streifiuig erhält, deren Furchen dem Umfange gleichlaufen. Ziemlich ähn- lich, wenn auch etwas verschieden, ist die innere wie äussere Fläche der Seitenlappen gebildet, soweit letztere von den vorhergehenden Lappen bedeckt wird. An diesen Lap- pen verlaufen die Linien indess der Länge nach, sind nicht so tief, öfter gegabelt, und überhaupt nicht so regelmässig, wie am Kopf- und Schwanzschüde. — Nirgends habe ich zwischen diesen Linien der Unterfläche die Punkte wahrnehmen können, welche auf 3 18 der Oberfläche zwischen ihnen stehen, und an vielen Stellen, ganz allein, ohne die Linien vorkommen; sie fehlen hier eben so allgemein, wie die Körnchen an der Unterfläche der Cali/menae und Phacops - Arien , denen ül)rigens die beschriebene Streifung an der Un- lerfläche ganz ebenso zukommt, wie sie bei Asaplius und Illaemis gefunden wird. Man hat nur nicht so oft Gelegenheit, sie zu beobachten, da die meisten und grade immer die schönsten Exemplare dieser Gattungen zusammengerollt sind, und alle Theile der Unter- fläche dem Beobachter entziehen. ■ — Dies ist es, was ich über die Beschaffenheit des Trilobiten- Panzers mit Sicherheil ermitteln konnte. Bei den Oleniden vermuthe ich denselben Bau wie bei Asa-phitSf wenigstens habe ich mich von einer ganz ähnlichen Slreifung der Unterfläche bei ihnen überzeugen kömien. Auch hat bereits Zenker dieselbe gesehen, und in seinen Figuren angedeutet, z. B. Taf. V. Fig. C. D. §. 5. Wenden wir uns nun zu den formalen Eigenschaften der Körperabschnitte und begin- nen diese Betrachtung mit dem Kopfe, als dem ersten, so bemerken wir bald, dass der- selbe in einem grossen parabolischen, halbkreisrunden oder mondförmigen Schilde steckt, in welchem er selbst bloss den mittleren und deshalb höher gewölbten Theil einnimmt. Dieser mittlere Theil, der eigentliche Kopf, den ich fortan Kopfbuckel, (glabella nach Dalman) nennen werde , ist durch eine ihn ringsum bezeichnende Furche von grösse- rer oder geringerer Tiefe ziemlich deutlich abgesetzt, stets etwas länger als breit, vorn in der Regel am breitcsleii und hier dicker, höher gewölbt und stärker vorgequollen. In vielen Fällen zeigen sich auf der ganzen Anschwellung Eindrücke, die von der sie um- gebenden Furche ausgehen und mehr oder weniger weit in den Buckel eindringen, bis- weilen (bei Paradoxides und Oleiius) selbst zu ganz durchgehenden Querfurchen wer- den*). Höchstens giebt es drei solcher Furchen an jeder Seite, welche theils gleiche, theils ungleiche Lappen vom Seitenraiide des Kopfes abschneiden, und in dem letzteren Falle bald hinten {Calymcne Blumenbachii) , bald vorn (^Phacops sclerops) die breitern Lappen bilden. In andern Fällen fehlen sie ganz {lUaeims), oder sind bloss als leichte Vertiefungen und Ausbuchtungen des Kopfrandes angedeutet {Asaphus). Neben dem milt- ") Wenn man diesem Charakter yieler vollständig erhaltenen Olenideu, dass die Furchen ihres Kopf- Jjuckels durchgehende Quereinschnürungen sind, trauen und für allgemeines Familienmerkmahl halten darf, so gehören mehrere bisher nur in nuTollkomraenen Exemplaren beobachtete Formen mit zu ihnen. Namentlich scheint deshalb Trilob. Sternbergü (Taf. III. Fig. 7.), welcher dem Kopfl)au nach am nächsten mit Olcnus scarabaeoidcs und Triarlhrus Bechii (yielleicht dasselbe Thier) Terwandt ist, zu den Oleniden gezählt werden zu müssen. 19 leren Kopfl)uckel breitet sich dann das Kopfschild aus, ist aber in der Regel nicht ganz flach , sondern ebenfalls leicht gewölbt, so dass es gegen den Umfang mehr oder weniger absteigt und dadurch eine Höhlung unter sich bildet. Von seinen beiden Rändern ist der vordere stets stärker gekrümmt als ' der hinlere , und jener oft eine sehr spitze Parabel oder Hyperbel (Isoldes), während der hintere bloss einen Kreisbogen darstellt. Letzte- rer wird um so tiefer, je mehr die öfters lang zugespitzten Seitenecken hervorragen. Der Saum dieses Kopfschildes ist thcils flach ausgebreitet {Asaphus , Isolelcs)^ theils ein deutlich aufgoAvorfener verdickter Rand, und in diesem Falle bald scharfkantig {Cafymene)^ bald abgerundet (^Phacops). Gewöhnlich pflegt wenigstens der mittlere Theil des Hinter- randes an der Stelle, wo er den ersten Körperring bedeckt, verdickt, aufgeworfen und selbst ringartig abgesetzt zu sein (^Jsaphits) , diese Absetzung, welche ich Gelenk- wulst isulcus verlicnlls Dalman's) nennen werde, sich aber nach beiden Seifen hin so schnell zu verlieren, dass sie kaum über die Mitte der Seitenlappen hinausreicht. In anderen zahlreicheren Fällen erstreckt sich der Gelenkwulst (lateinisch — spirri) in der Mitte des Hinterrandes gleichmässig stark, doch deutlich von dem mittleren Theile ab- gesetzt, bis zu den Seitenecken, geht um diese herum, und setzt sich am ganzen Vor- derrande hin fort, hier öfters noch viel höher, stärker und abgesetzter auftretend als am Hinterrande (Calymcney Phacops). Alle diese Unterschiede sind ziemlich konstante Gat- tungs- oder Gruppenmerkmahle , und bedürfen daher einer sorgfältigen Beobachtung; ganz besonders aber gilt dies von den Seiteneindrücken des eigentlichen Kopfes, da dieselben wahrscheinlich nicht blosse Zierden sind, sondern mit der Organisation des Mundes in Beziehung stehen dürften. Man findet nehmlich bei Gliederthieren gewöhnlich an den Stellen des Panzers Anschwellungen und Auftreibungen, wo sich inwendig starke Muskehi an ihn ansetzen, und es könnten daher leicht die zwischen den Quereindrücken befindli- chen Erhöhungen von solchen Anheftungen der Kiefermuskeln herrühren, aus ihrer Menge sich also ein Schluss auf die Anzahl der Kiefer machen lassen. Hiergegen scheint freilich der Umstand zu sprechen, dass die Organisation des Mundes innerhalb einer natürlichen Gruppe der Gliederthiere keinen grossen Veränderungen zu imterliegen pflegt, bei den Tri- lobiten aber die Eindrücke am Kopf so sehr verschieden sind ; aUein dieser Einwurf Hesse sich dadurch entkräften, dass man für die Formen mit mangelnden Eindrücken eine grössere Festigkeit und Dicke des Panzers, oder eine schwächere Entwickelung der Mus- kulatur, annähme, durch welche das Sichtbarwerden der Muskeleindrücke verwischt oder ganz verhindert worden wäre. Und in der That scheinen die Gattungen, denen solche Eindrücke fehlen {llluemis^ Asnphus und einige P/j«rop5- Arten), einen sehr kräftigen dicken Panzer zu besitzen, wahrend derselbe bei den Oleniden, welchen immer Ein- drücke zukommen, entschieden dünner war und deshalb ganz verlohren ging. Hieriij)ep 3 - — so iiuless niil jSiclicrheil zu cutscheiden, erlauben die wenigen positiven Tliatsachen nicht, welche vom Bau des Mundes der Trilobiten vorliegen; wir müssen uns vielmehr damit begnügen, auf die Mügliclikeit des einen oder des andern Organisalionsverhällnisses hin- gcAviesen zu haben. — §. 6. Bei weitem sicherer ist die Zahl, Stellung und Bildung der Augen zu ermitteln, und daher auch grösslenlheils schon erkannt. Indess finden sich in den hierüber vorhandenen Kenntnissen noch manche Lücken, was aufFallend ist, da doch die positiven Wahrnehmun- gen eine vollständige Darstellung möglich machen. — Bei allen Trilo])iten, deren Augen sich bestimmt erkennen lassen, sieht man sie un- ter der Form von mehr oder weniger erhabenen Anschwellungen neben dem Kopfe, ziem- lich auf der Mille des von ihm ausgehenden seitlichen Schildtheiles. Sie treten hier als Stücke einer Kugelfläche oder Kegelzone unter einem halbkreisförmigen Vorsprunge (dem Augendeckel) der hornigen Kopfbedeckungen hervor, welcher von der später zu be- schreibenden Schläfen- oder Stirnnalit gebildet wird, und füllen eigentlich eine Lücke aus, die an der bezeichneten Stelle zwischen den beiden gegenüber liegenden Rändern der Naht sich befindet. Ist diese Lücke beträchtlich, so ragt das Auge als ein halber, oben abgestutzter Kegel hervor; ist sie geringe, so bildet es eine schmale mondförmige An- schwellung, welche bei einigen Arten so schwach ist, dass sie sich kaum über die ne- ben ihr befindliche Fläche des Kopfes erhebt. Solche Trilobiten hat man für blind gehalten, und dies bei Oh-nus , welche Galtung die erwähnte Bildung besitzt, mit als Gattungscha- rakter angesprochen. Massig gewölbte, mondförmige Schwielen sind die Augen der Il~ laeni, als höher angeschwollene Höcker oder Ilalbkugeln erscheinen sie bei Asaplnis, Calymcne und Phacops. — Während nun bei den übrigen Gattungen die äussere Ober- fläche der Augen durchaus glatt und selbst stärker geglättet ist, als die benachbarte Ilorn- decke, £0 erscheinen bei Phacops statt ihrer auf der ganzen Oberfläche kleine halbkug- lige Erhabenheiten in regelmässiger Anordnung, deren schmale Zwischenräume sich zu WTilstartig angeschwollenen Einfassungen der llall)kugcln geslalten. Deshalb pflegt man die Augen der Trilobiten als nach zwei verschiedenen Typen gebildete darzustellen, und ersteren eine glatte, letzteren eine fazettirte Horiduuit zuzuschreiben. — Diese von allen früheren Beobachtern gehegte Ansicht muss ich entschieden für un- richtig hallen, eines Theils Aveil es keine einzige noch lebende Familie der Gliederlhiere giebl, in welclier die zusammengesetzten Augen nach zwei verschiedenen Typen gebildet wären ; andern Theils aber auch , weil die BeschafTenheil der Fazelten bei Phacops ganz verschieden ist von der bei den Gliederthieren mit fazetlirter Hornhaut herrschenden Bildunij-s- — «1 — weise. Ich bin vielmehr der Meinung, tlass alle Tnlobileu zusamraeng'esetzte Augen mit glatter Hornhaut besassen, und dass die letztere bei denjenigen Galtungoii bloss verlohren gegangen ist, bei welchen wir Fazelten in ihr wahrzunehmen glauben. Zu dieser Annahme berechtigt mich, in Ue])creinslinimung mit den beiden vorher angege- benen Gründen, die Thalsache, dass die Hornhaut der meisten Trilobitcn wirklich glalt ist, und dass der Bau des Auges derjenigen Trilobitcn , welchen man eine fazeltirte Hornhaut zuschreibt, ganz so sich verhält, wie er sein muss, wenn auch ihre Augen eine ver- lohren gegangene, einfache glatte Hornhaut besassen. Es scheint daher hier der Ort zu sein, den Bau der zusammengesetzten ilugen mit einfacher glatter Hornhaut näher zu erörtern. — §. 7. Bereits vor acht Jahren*) habe ich den T^'pus dieser Augenform, auf welche J. Müller zuerst hinwies **) , an dem grössten lebenden Repräsentanten derselben , dem Branchipus slagncdis, ausführlich beschrieben, und gezeigt, dass dessen Auge aus vier aufeinander folgenden Schichten verschiedenartiger Beslandlheile bestehe. Die äusserste Schicht ist eine glatte, homogene, durchsichtige Hornhaut. Unter ihr liegt eine fazettirte Haut, welche in einer klaren Su])slanz etwas dunklere, festere, kreisförmige, gleichgrosse Fensterchen regelmässig auf die Weise vertheilt enthält, dass um jeden Ring 6 andere in gleichem Abstände sich herumlagern. Die dritte Lage des Aug-es besteht aus den ei- förmigen , Haren , sehr festen Linsen, von denen jede hinter einem der beschriebenen Fensterchen liegt, die Wand desselben mit ihrem stumpferen Ende berührt und mit dieser gewölbten Fläche etwas in die Höhe hebt. Die vierte Lage besteht aus einem länglich kolbigen Glaskörper, welcher mit seinem obern dickern Ende das spitzere Ende der eiförmigen Linse umfasst und durch eine zarte ihn umgebende Haut eingehüllt ist. Eine Fortsetzung dieser Haut überzieht auch die Linse und setzt sich an den verdickten Rand des Fensterchens vor jeder Linse an. Hinter dem Glaskörper folgt alsdann das dunlde Pigment als die Hauptmasse des ganzen Auges, durch welches die Sehnervenfasern zu den einzelnen Aeugelchen sich begeben und an den Grund des Glaskörpers sich anleh- nen, indem ihre Scheiden in die erwähnten Scheiden der Glaskörper und der Linsen über- gehen und durch diese sich gleichfalls an die fazeltirte zweite Haut anheften **'■''). '■') J. MüLLER's Archiv für Phjs. vergl. Auatom. u. wisseuscLafÜ. Med. Jahrg. 1835. 529 u. G13. ■»■•) Meckel's Archiv etc. 1829. S. 38 flgd. *"") Vgl. die schematische Figur 4. Tai. VI. und deren Erklärung. — Ä« — Diese auf die Triloblteu mit glatter Hornhaut völlig anwendbare Darstellung*) des Auges zeigt mm, dass der Verlust der äusseren glatten Hornhaut sofort das Hervortreten einer fazettirten Hornhaut bedingt **) , und dass wir also bei Phacops bloss annehmen dürfen, ihre Hornhaut sei verletzlicher gewesen, als die der übrigen Trilobiten, um deren fazellirle BeschafTeniieit zu erklären. Auch hierzu liefern uns die Organisationsverhältnisse noch lebender Gallungen hinreichende Gründe an die Hand. Es ergiebt nehmlich das Stu- dium aller mit glatter Hornhaut begabten Krebse, denn nur bei solchen Gliederthie- ren finden sie sich, die wichtige Tiiatsache, dass die Anzahl der einzelnen Aeugelchen mit der Grösse des ganzen Auges keinesweges abnimmt, sondern dass die einzelnen Aeugelchen ebenfalls kleiner werden, ihre Menge aber ziemlich dieselbe bleibt, oder gar mit der Kleinheit des ganzen Auges wächst. Zugleich verdünnt sich die Hornhaut mit der Grösse des Auges , verdickt sich mit der Kleinheit, so dass sehr grosse Augen mit glatter Hornhaut eine dünne, sehr kleine aber eine dickere festere corne« besitzen***). Nun hat alier Phacops unter allen Trilobiten relativ die grössten Augen, mithin auch die grösslen Linsen und die zarteste Hornhaut; eine Thatsache, die entschieden fest steht, und den Mangel des glatten Ansehns der Augen dieser Gattung hinreichend erklärt. Un- terstützt wird übrigens die Wahrheit dieser Ansiclit noch dadurch, dass bei allen Krebsen und den meisten Gliederlhieren mit fazellirter Hornhaut die Fazetten unmittelbar an einan- der stossen, keine freien Zwischenräume lassen und einzeln weit weniger gewöll)t sind, als bei Phacops. Das Auge letzterer Gattung könnte, wenn es eine fazettirte Hornhaut besässe, bloss mit den Augen einiger Nachtinsekten, z. B. der Reduvien, oder einiger Parasiten, z. B. der Rhiphidopteren, verglichen werden, bei welchen grössere, stärker gewölbte und etwas entfernt von einander stehende Fazetten sich finden; oder man niüsste es für ein Aggregat einfacher Augen erklären, wogegen doch immer seine eigenthümliche, in sich selbst begrenzte Form spräche. Aggregate einfacher Augen, wie sie bei den Myriopoden und einigen Isopoden vorkommen, bestehen indess immer aus einer ge- ringeren Anzahl von Aeugelchen, während die Zahl, welche bei Phacops vorkommt, eine *) Yergl. QuENSTEDT in Wiegmann's Arcliiv f. Naturgesch. Jalir^. 1837. I. 340.; wo der Bau des Trilobiten- Auges mit glatter Hornhaut richtig erkannt und gestjiildert ist. — *■') lu Jou. MüLLER's eben erwähnter Schilderung vermisst man die fazettirte Haut und die Glas- körper. Man darf aber daraus nicht folgern , dass sie in einzelnen Augen fehlten , sie haben sich vielmehr nur liei jener ersten Untersuchung dem Beohachter entzogen , und finde« sich wohl bei allen Gliederlhieren mit der bezeichneten Angenform. ■*'•■') Man vergleiche in diesen Beziehungen z. B. die Gattungen Bratichipus und Apus , oder Polij- phemus und Daphnia mit einander. «3 sehr beträchtliche ist *). Ich glaube hiermit die Richtigkeit meiner Behauptung, dass diese Gattung ebenso gut, wie alle anderen Trilobiten, eine glatte Hornhaut besass, nachgewie- sen zu haben, und schliesse damit die Erörterung des Auges der Trilobiten, weil nach Darstellung seines Baues, wie er ist, nichts mehr zu sagen bleibt. Höchstens könnte ich noch auf das häufige wirkliche Felilen der Hornhaut und Linsen bei Calymcne Blumen- hachü hinweisen, und den Mangel der letzteren, welcher wegen der geringen Grösse eintreten musste, als Beweis für meine Ansicht hervorheben. Sie waren hier zu klein und die sie einschliessenden Hüllen zu zart, als dass sie, nach Verlust der schützen- den Hornhaut, mit petrificirt werden konnten. — §. 8. Wir kehren nun zu der bereits erwähnten Gesichtslinie oder Schläfennaht {linea facialis, sutura temporal Is) zurück , und verfolgen deren hauptsächlichste Ver- schiedenheiten. Dass sie ein Gemeingut aller Trilobiten sei, erleidet nach meinen Unter- suchungen keinen Zweifel ; auch bei Paradoxides und Olenus ist sie vorhanden. In der Regel wird sie am Vorderrande des gemeinschaftlichen Kopfschildes zuerst erkannt, und zwar in einer massigen Entfernung von dessen Mitte, so dass beide Linien etwas mehr, als der Querdurchmesser des Kopfbuckels an seiner breitesten Stelle beträgt, von einan- der entfernt bleiben. Aber bei Ogygia . Phacops , Homulouoliis und Jsaphus ziehen sich die Schläfemiähte am Vorderrande bis zur äussersten Spitze des Kopfschildes hin fort, und gehen hier unter einem Bogen oder Winkel in einander über. Bei den übrigen Gat- tungen biegen sie sich auf die untere Seite über den vordem Kopfrand bin um, und enden in dem Rande, welcher das Kopfschild von dem Munde sondert. Etwas nach hinten con- vergirend nähern sie sich nun vom Rande aus dem Kopfbuckel bis zu der Stelle, wo die Augen stehen, beschreiben hier den schon erwähnten, nach aussen gebogenen Lappen über dem Auge (operciihim ocrdPl , und ziehen sich hinter demselben wieder mehr nach aussen , um den Rand des ganzen Kopfschildes an einer zweiten Stelle zu erreichen. Der Punkt, wo dies geschieht, ist sehr verschieden gelegen, und findet sich theils am hintern Kopfrande, theils selbst am äusseren. Für jede Galtung ist dieser Punkt ein bestimmter, aber anderer, und es bezeichnet in dieser Beziehung Paradoxides das eine Ende der Formen- reihe, Phacops das andere. Bei Paradoxides liegt nehnilich der Endigungspunkt dem Arti- kulationswulst des Kopfschildes viel näher, als dem Seitenrande, und beide Endpunkte der Naht sind von einander nur ebensoweit entfernt, wie die Augen unter sich. Bei Illaenus ist zwar das letztere Verhältniss auch noch vorhandt^n , aber wegen des grossen *) An jedem Ange von Phacops arachnoidcs zäliUe ich 162 Linsenhalbkngeln. «9 4 AbslanJcs beidor Augen von einander, ist die Entfernung der Nahlcnden von der Mittel- linie viel grösser als von dem Seilenrande. Beide Gattungen haben indess in der Haupt- riclitung einander parallele hintere Nalitenden ; hei allen übrigen aber divergiren sie. Diese Divero-enz ist bei Ogi/gia. Jsnjylms, Paradoxides gibbosus und Cahjmene concinna, Ar- ten die den Gallungen nicht angehören, deren Namen sie führen, am geringsten, indess doch so gross, dass die Blilte jedes Seitenlappcns des hinteren Kopfrandes nach aussen zu überschrilten wird; steigert sich bei Calymene Bhimcnbachn mid den übrigen wirk- lichen Arten dieser Gattung bis zum unmittelbaren Auslaufen in die Ecke des Kopfschil- des selbst, inid geht bei Fhacops sogar auf den äusseren Rand des Kopfschildes über, Avie dies sclion Dalman bei Ph. scicrops, seiner Calymene sdcrops (Taf. II. Fig. 1. d.), ab- gebildet hat. In diesem Falle besc]u-eil)en die beiden Nalitenden zusammen ihrer Haupl- richtung nach so ziemlicli eine einzige, der Längendimension des Körpers rechtwinkelig enlfeo-engcsetzle gerade Linie, und sind also um 90" von der bei Paradoxides und lUaemis vorhandenen Richtung, als dem andern Extrem, entfernt. Es leuchtet ein, dass ein so konstanter und gesetzmässigcr Verlauf zu sicheren Gattungscharakteren sich ganz besonders eignen müsse. — Ausser dieser allen Trilobiten eigenen Schläfennaht habe ich noch eine zweite wirkliche Naht am Kopfpanzer walu'genonimen, die von den meisten Schrift- stellern übersehen worden ist*). Sie findet sich bloss bei den Gattungen Calymene und lllaemis gleicli unter der oberen Kante des vordem Umschlages, auf dessen nach unten gewendeler Seite, und verbindet die beiden über diesen Umschlag etwas geneigt nach in- nen verlaufenden Theile der Schläfennaht. Sie ist ülirigens nur bei sehr gut erhaltenen Exemplaren aufzufinden, hier aber ganz deutlich, und keinesvveges bei Calymene bloss in der beschriebenen granulösen Oberhaut, sondern auch in der darunter liegenden zweiten Panzerlage vorhanden. Bei allen anderen Gallungcn konnte ich von dieser zweiten oder Randnaht (^sulura inarginalis') keine Spur entdecken, und muss daher annehmen, dass sie diesen Galtungen fehle**). Icli finde überhaupt, dass in der Zusammensetzung des Kopfpanzers bei den Trilobiten drei ganz verschiedene Typen angetroffen werden, deren hauptsächlichste Unterschiede darin bestehen, dass dieser ganze Panzer, so weit wir ihn kennen, aus 2, 3 oder 4 Stücken bestehen kann. Im ersten Falle gehen die Schläfemiähte gar nicht auf die untere Seite des Kopf- schildes über, sondern laufen am Vorderrande desselben' fort, und treffen hier zusammen, *) In BucKLAND's Fig. 3. Taf. 46. und Murchison's Figur 7. Taf. 7. ist sie angegeben. **; Herr Emwrich spricht iu seiner „Dissertatio de Trilobi/is" (Berol. ISSü. 8.) pag. 8. anch von 2 füllten am Kopfscliilde , ])esclireil)t al)cr mir die Sclililfennaht genauer, die zweite (quae parietn inferiorem a snperiore separat) bezeichnet er bloss mit diesen Worten. Ich habe sie nirgand am ganzen Umfange des Kopfpauzers gesehen. «5 so diiss beide nur die verschiedenen, nach links und rechts gehenden, Richtungen einer Naht sind. Diese Bildung henierke ich hei Ogt/gia, Phacops, yisaphus e.Tpansus\YMlL. uiid allen sluinpfköpfigen Arten dieser Gattung, so weit ich sie ufttersuchen konnte. Bei y/.9. cxpansiis, A. faevi'reps und yl. (Ntteiis) annadillo erfolgt dieser Ue])ergang, wie bei Ogi/gia und Phacops, unter einem naiie am Vorderrande verlaufenden Bogen; bei As, rnnt'ceps, A. anguslij'rons und A. cxlemudus degegen unter einem scharfen, mehr oder weniger spitzen Winkel. -Nie konnte icli eine von dieser Spitze ausgehende Naht, welche die untere Panzerfläche halbirt hätte, mit Sicherheit erkennen; indess Pander hat sie gefunden und für die Trennungslinie seiner Seitenkiefer gehalten (vergl. Taf. 4. B. seiner Schrift). Es besteht demnach der ganze Kopfpanzer bei diesen spitzköpfigen Asn- phis ebenfalls aus drei Stücken, einem oberen inneren, den Kopfbuckel bedeckenden, welches ich Mittelschild (scntuvi centrale) nenne, und zweien oberen äusseren, wel- che zugleich auf die Unterseile übergehen und diese bilden, so weit wir sie kennen. Ich "neinie sie R a n d s c h i 1 d e r {scula margimdia) oderW a n g e n s c lii 1 d e r {scida temporaliu). Im zweiten Falle gehen die beiden Schläfennähte über den vordem Rand des Kopfes fort, und erreichen getrennt denjenigen untern Rand des Kopfschildes, welcher die später zu beschreibende Mundgegend unifasst und vom Kopfpanzer abschneidet. In diesem Falle geht also auch das vordere Ende des Mittelschildes auf die untere Seite über und wir haben drei Schilder am Kopfpjmzer, ein einfaches Mittelschild und zwei Rand- schilder. Zu dieser Gruppe gehören dieOleniden. Bei ilmen nimmt das Mittelschild nur den mittleren Theil beider Ränder ein, und die ganzen Seilentheile füllen die Rand- Schilder aus. Im dritten Falle verlaufen die beiden Schläfennähle ebenfalls' ^anz getrennt, errei- chen hinten genau die Ecke des Kopfpanzers, werden aber vorn unter dem aufgeworfenen Rande dieses Panzers durch eine Quernaht verbunden, wclclu3 ein hier befindliches, vor der JMundgegcnd gelegenes Stück der unlern Panzerlläche abschneidet, so dass dadurch vier Stücke entstehen, ein Mittelschild, zwei Randschilder und ein vor dem Munde ge- legenes, welches ich Schnautzenschild {seid, roslrcde) nenne, so wie die dasselbe absondernde Naht die Schnautzennaht {suturu roslralis). Eine solche Bildung ist bei Cahjmene und Illaenus anzutreffen. ^ So viel von diesen Nähten des Kopfpanzers; ich habe nur noch zu bemerken, dass sicii ähnliche Verbindungen der PanzerstUcke durch Nähte bei keinem einzigen noch le- benden Krebse, sondern bloss bei wahren Insekten der Jelztwelt, nachweisen lassen, dieselben also eine höchst merkwürdige und wichtige Eigenthümlichkeit des Trilo- bitenpanzers ausmachen. Wir werden später sehen, dass sie auch an allen anderen Panzergürleln oder Schildern der Trilobiten nicht wieder vorkommen. Ueber ihren eigent- 2& liehen ZAVeck lässl sich ohne genaue Beobachtung lebender Geschöpfe nichl_ gut elwas Befriedigendes äussern. Schwerlich ist Hrn. Pakdek's Meinung (S. 117.) begründet, dass in dieser Naht »der Zusammenhang der Theile vollkommen aufgehoben sei" und sie im lebenden Zustande des Thieres dazu gedient habe, die Seitenschilder von dem Mittelschildc zu entfernen , um einen nach Willkür des Thieres veränderlichen Abstand beider von ein- ander zu erlauben ; denn eine so grosse Beweglichkeit finden w ir heutzutage bei Glieder- Ihieren, deren Panzerstücke durch Nähte verbunden sind-, keinesweges, vielmehr ist die . Beweglichkeit der Platten gegen einander stets nur sehr gering, und eine beträchtliche Entfernung der Nahtränder von einander schon deshalb unmöglich, weil eine weiche Binde- haut vom Rande der inneren Nahtkanten ausgeht, und beide Nahtränder innig vereinigt. Daher können durch Nähte verbundene Skeletlheile der Gliederthiere höchstens etwas ge- gen einander verbogen, nie aber beträchtlich von einander entfernt werden. Wahrschein- lich erlaubte die Gesichlsnaht der Trilobiten ebenfalls eine solche leichte Biegung der Sei- tenschilder gegen das Mittelschild, und mochte dazu dienen, den Raum unter dem Kopf-' Schilde während des Zusanunenzügelns mehr zu wölben, damit für die dann unter dem Kopf- und Schwanzschilde versteckten Füsse die erforderliche Höhe gewonnen werde. Denn dass es darauf abgesehen Avfn-, beim Zusammenkugeln der Trilobiten alle unteren Theile möglichst genau unter dem Kopfpanzef zu verstecken, bezeugt die innige Einfü- gung der Seitenlappen tfer Rumpfglieder in einem ausschnitt an der hinteren Ecke des Wangenschildes. Ein solcher befindet sich nehmlich auf der unteren Seite der genann- ten Ecke, gleich hinter dem äusseren Rande besonders deutlich bei den Gattungen .-^s«- phus und Illacnus, schärft den Rand, welcher bis zu ihm dick, breit und abgerundet ist, sichtbar zu und 'verursacht dadurch eine der scharfen Kante parallellaufende Vertie- fung im Rande selbst, die zur Aufnahme des unteren Endes der letzten Seitenlappen vor dem Schwanzschilde bestimmt ist, wenn sich der Trilobit zusammenkugelt. Es befindet sich nehmlich die Achse, um welche sich das Thier kugelt, ziemlich genau an der Stelle, wo die beiden dem Seiten— und Hinterrande der Wangenschilder parallellaufenden Furchen vor der Hinterecke zusammentreffen, und ebenso weit pflegen sich auch die untersten Enden der Seitenlappen der Rumpfglieder unter dem Kopfschilde zu verstecken. Zu ihrer Aufnahme dient dann der beschriebene Ausschnitt hinter dem Rande und zeigt an, dass ein Trilobit, der ihn hat, sich zusammenkugeln könne. Umgekehrt werden wir aber nicht gut aus dem Mangel des Ausschnittes folgern dürfen, dass ein solcher Trilobit sich nicht zusam- menkugeln könne. Zwar habe ich ihn bei allen Oleniden stets vermisst, auch niemals Spuren von Zusaramenkugelungsvermögen bei eben diesen Trilobiten wahrgenommen ; allein ebenso wenig konnte ichv jenen Ausschnitt bei Phacops und Cahjmene entdecken. — 8^ §. 9. Es bleiben nun von den vorbandenen Theilen des Triloblteii- Kopfpanzers »och die- jenigen Rcsle zu untersuchen, welche man auf seiner unteren Fläche hinler dem Rande und olTonbar vor 'dem Munde wahrgenommen hat. Der erste, welcher diese Gegend dis Kopfes bei Ofenus Tessiiii Dalm. beobachtete, war Waiilenber«; er hielt sie indess für den' Abdruck der Oberseite einer anderen Art und beschrieb sie als Eulomoslracites bucephdlus. (S. 37. 10. Taf. 1. Fig. 6. seiner Schrift.) Nach ihm Avurde dieselbe Ge- gend von Stokes bei Isoldes gi'gns (seinem Asafh. plafi/cephalus^ und von Eichwald bei Asuplms erpnnsus Wahl, (seinem Cryplonymns Pandcr!) gesehen und abgebildet, allein nicht gehörig beachtet. Dasselbe gilt von Pander, dessen Darstellung zwar aus- führlicher ist, aber ohne alle richtige Würdigung dessen, was diese Theile bedeuten*). Erst Sars erkannte sie für das, was sie sind, nehmlich die untere Anschwellung des Kopfes vor dem Munde, und beschrieb sie als solche bei den Gattungen lUaenus und Asa- phus. (Isis. 1835. S. 340. Taf. 9.) Ich selbst habe diese Gegend bisher nur bei Pura- doxides vollständig gesehen, bei Asaphiis und lUuenus indess so weit aufgefunden, dass ich an ihrer Anwesenheif und der Richtigkeit jener früheren Al)bildungen nicht zweifeln kann. Auch würde dafür schon genugsam die grosse Uebereinstimmung in den Figuren der 4 nicht mit den Arbeilen ihrer Vorgängesr bekannten Schriftsteller sprechen. — Folgendes ist die beobachtete Bildung. — Gleich hinter dem verdickten Vorderrande des Kopfschildes, demselben, welchen Paeder Seitenkiefer nennt , zeigt sich eine .massig gewölbte Anschwellimg , welche in Grösse und Umfang so ziemlich dem vordersten Theile des Kopfes auf der Oberseite entspricht. Sie ist mit dem vorderen Kopfrande innig verbunden gewesen, und gewiss nicht frei beweg- lich , wie Pakder in Folge ihrer abgesonderten Lage bei einzelnen Individuen vermuthet. (Vgl. Taf. IV. B. Fig. 3. 4. seiner Schrift). Von vorn zieht sie sich mit ein Paar seitlichen, mehr oder minder deutlich vom minieren gelrennten Lappen am bezeichneten Rande nach aussen hin fort, und endet hier mit einem langen, spitzeren minder gewölbten Vorsprunge. Nach hinten findet sich hei Purndoxides ein auswärts gebogener, etwas aufgeworfener Rand und davor jederseits eine beträchtliche , schiefe Vertiefung. Bei Asaphus und IlUtemts ist dagegen dieser Rand tief ausgebuchtet und stark zweilappig. Bei allen dreien zeigen sich auf der ganzen Oberfläche dieselben eingerissenen concenlrischen Linien, welche die *) Pander sielit darin, Tvie in den umgeschlagenen Seilenrilndern des Kopfes, Kiefer wnd nennt letztere Seitenkiefer, die mittlere AnschV^'ellung hinte*- dem Vorderrande Mittel- oder Unter- kiefer nnd Termnthet in der.\nsclmelliiiig yor dem Munde Sogar Respirationsorgane. (Vgl. 8.124- u. 128. seiner' Schrift.) • - 4 * 88 Unterfläche aller Paiizerllieilc iiberzielien. S.VRS bildet solche Linien zwar nur auf den Seilenlappen ab, allein bei ParcuL bohemicus (Eni. bucephalus Wahl.) finde ich sie überall auf der ganzen Fläche, doch allerdings in der ölilte schwächer und vermuljie da- her, dass -sie Herr Saks hier übersehen habe. Auf Taf. I. habe ich in Fig. 7. diese Gegend von Parad. bohemicus abgebildet und Saus Figuren von ylsaphiis bei mei- ner Zeichnung Taf. VI. Fig. 8. benutzt. Es unterliegt nun wohl keinem Zweifel, dass diese Gegend die gewöhnliche An- schwellung vor dem Munde ist, welche man bei den Fhyllopoden wahrnimmt,- und KopfscJiild (rfi/peus) oder Untergesicht (hi/postomn) zu nennen pflegt. Gewiss zeugt • dieselbe so entschieden wie möglich für die Verwandtschaft beider Gruppen , und weist die Affinität mit Isopoden ebenso bestimmt zurück. Doch hiervon später. — §. 10. Der Brustkasten oder Rumpf der Trilobiten* zu dessen Darstellung wir nunmehr übergehen, besteht aus einer Anzalil gleichartiger Ringe, voii denen jeder einen ebenfalls hornigen Panzer besass. Letzterer hat, wie am Kopf- und Schwansschilde, seitliche frei" hervorragende Lappen an jedem Ringe, welche sich durch ihre flachere, allermeist ab- wärts gebogene Form von dem gleichmässig gewölbten, halbzylindrischen Körper sehr leicht unterscheiden. Diese Seitenlappen bestanden ganz wie die schon beschriebenen flacheren Ausbreitungen des Kopf- und Schwanzschildes, aus zwei Lagen, zwischen welchen sich eine dünne Schiciit der Kürpersubstanz befand , und waren auf der äusseren freien Oberfläche theils gbllt, theils granulirt, auf der unteren versteckten dagegen pa- rallel gestreift. DieS sieht man deutlich bei den Bruchslücken der AsapJii und llhtcni, bei welchen in der Regel beide Bedeckungen der Seitenlappen erhalten sind, und erkennt zugleich, dass die Zwischenlage an dem oberen und inneren Theile der Seilenlappen dicker war als an dem unteren und vorwärts gewendeten, woselbst jeder Lappen in eine scharfe Kante auslief, während er nacii aussen und oben einen breiteren abgerundeten Umschlag bildete. Verstehe ich diese Abdrücke richtig, so muss selbst der innere, waagrechte, noch nicht herabgebogene Theil jedes Seitenlappens mit seinen Nachbaren in -unmittelba- rer Verbindung gewesen sein, und diese ganze Gegend des Körpers am Schutze der un- ter dem gewölbten mittleren Theile befindlichen fleischigen Muskellage, welche theils zur Bewegung ,der Ringe gegen einander, theils zur Bewegung der an ihnen angebrachten Füsse diente, mit Antheil genommen haben, oder selbst mit Träger dieser Muskulatur ge- wesen sein. Denn an allen, selbst an den eingerollten Exemplaren, sind diese Gegenden der Seitenlappen nicht über einander geschoben, sondern in der gewöhnlichen Entfernung von einander; auch glaube ich an der vordersten Ecke jedes lunteren Ringes, wo sich 29 — der äussere Tlioil des Scilciiliippcns lierabbicgt, eine Arl Arlikulatiou walu'Äunchmcn. Eine solche isl besliiunit vorliaiiden an der Stelle, wo der inilllere gewölbte Tlieil jedes Ringes mit den Seilcnlappen zusammentrifft, aber niclit /Avischen diesem Thcile und sei- nen Seitenlappon, sotulern zwischen den mittleren gewölbten Kürperringen selbst. Man bemerkt an der bezeichneten Stelle gleich vor dem freien Ilinlorrande des Rinjjes ^ineu starken halbkugeligen Gelenkkopl" an seiner unteren Fläcjie, welcher in eine nach ihm ge- formte Gelenkgrube des folgenden Ringes hiueinpassti Letztere ist auch am Vorderrandc des Schwanzschildcs Aorhanden, und in Fig. 4. der V. Taf. 'deutlich dargestellt. Das erste Paar der Gelenkköpfe findet sich dagegen am Hinterrande des Kopfschildcs. So hat also i jeder Körperring auf seiner oberen Seite am vordersten , in der Verbindung aller Ringe " vom vorhergehenden bedeckten Rande ein Paar Gelenkgrubeu, auf seiner unlercu, den folgenden Ring zum Theil überragenden freieren Seite des Hinterrandes dagegen ein Paar halbkugelige Gelenkköpfe. Rcsondcrs deutlich lassen sich diese Gelenkköpfe und Gelenk- gruben an grösseren Exemplaren der Phacops- Arien, deren hornige Hülle verlohrcn ge- gangen ist, erkennen ; in der Regel stecken alsdann die abgebrochenen Gelenkköpfe noch in den Gruben der unter ihnen befindlichen Gelenkpfannen. Dass endlich' ausserdem noch eine weiche Gelenkhaut die einander gegenüberstehenden Ränder der Ringe verband, er- leidet nach der Analogie lebender Giederthiere keinen Zweifel. — Uebrigens war jeder einzelne Ring ein ungelheiltes Ganze , dessen Seitenlappen unmittelbare Fortsetzungen von dem mittleren gewölbten Haupttheile sind und nirgends mit ihm durch Nähte zusammen- hängen. Zwar findet man bei gut erhaltenen Exemplaren von Ogi/gi(t Biichii und Cono- ccphalus Stilzeri tiefe Eindrücke an den Seiten des Rumpfes, welche die Seitenlappea jedes einzelnen Ringes von seiner Achse trennen, allein für JNähte, wofür Emmricu diese Furchen erklärt, möchte ich sie nicht halten, weil bei den übrigen Trilobilcnresten nichts der Art wieder vorkommt, auch es unbegreiflich ist, wie diese Lappen bewegt werden sollten, worauf ihre bewegliche Einfügung doch hinwiese; insofern nciunlich bei der Dünne der Seitenlappen nur eine höchst schwache Muskellage sich zu ihnen begeben könnte. Ich glaube daher, dass die bezeichnete nahtartige Furche nicht eine Naht anzeige, son- dern vielmehr von einer scharfen Kante herrühj-e, welche hier auf der inneren Panzer- fläche zwischen Achse und Seitenlappen hervorragte; denn dass wir in den Abdrücken beider Arten den Abdruck der inneren Schaalenlläche vor uns haben, erleidet bei dem völligen Mangel von Panzerresten selbst keine Frage. — Ebenso wenig lässl es sich recht- fertigen^ wenn Herr Emmrich die Ansicht Audolin's annimmt, dass die Seitenlappen ei- gentlich aus 2 Stücken beständen, welche dem epislernon und epimcron am Brustkasten der Insekten entsprächen; für eine solche Annahme ist nicht bloss gar kein Grund vor- handen, sondern sogar ein bestimmter Gegengrund in dem Unistande gegeben, dass die 30 «renannten Platlcn bei den Insekten slels Stücke des die Achse selbst einhüllenden Pan- zers sind, hier aber als seitliclie Ausstrahlungen desselben auftreten würden, ohne "'An- theil an der Bedeckung der Achse zu nehmen. Wo es aber keine besonderen Skelettheile an jedem einzelnen Ringe giebt, wie liier bei den Trilol)iten, da kann man auch nicht Benennungen in Anwendung bringen, die bloss für solche abgesonderten Skelettheile ge- macht sind , ja man darf diese Benennungen auch nicht einmal beispielweise benutzen, wenn sie für ganz anders gelagerte Tlieile erfunden wurden, ohne die allergrössten Ver- wirrungen zu veranlassen*); *ich niuss vielmehr wiederholen, dass die Seitenlappen nichts weiter sind als seitliche Ausläufer des die Körperringe bedeckenden Panzers, ohne selbsl- ständige Beweglichkeit und ohne alle andere Bedeutung, als die des Schutzes für die dar- unter befindlichen, zart gebauten Füsse. Hierüber kann ich indess erst im folgenden Ka- pitel sprechen, wo ich die fehlenden Organe der Trilobiten aus der Analogie lebender Krebsformen ergänzen werde. — Von dem mittleren Tlieile des Rumpfes, den eigentli- chen Körperringen, ist übrigens noch zu erwähnen, dass jeder in der Regel aus zwei hin- ter einander liegenden halbrunden Wülsten besteht, von denen der vordece kleinere in gestreckter Stellung des Köipers unter dem übergreifenden Rande des vorhergehenden Rino-es steckt, aber sehr deutlich gesehen wird, wenn der Körper sich gebogen oder ein- oeroUt hat. Anl Ende der Furche, welche beide Wülste abschneidet, ist jederseits die Gelenkpfanne; eine bei den Phacops- und Cali/mene - Ar[en mehr runde, bei den ^5«- phh und Illaenh etwas in die Quere gezogene Vcrtiefuitg, über deren Bedeutung bereits das Nötbige bemerkt wurde. Bei allen Arten und Stücken, denen die hornige Schaale fehlt , vermisst man sie ganz , indem beide Theile , d. h. der Gelenkkopf und die ihm ge- genüberstehende Gelenkpfanne, bloss den hornigen Bedeckungen angehören. Die Querfurche *) Au'douix nennt in seiner lieltannten Arl)eit üher die Sltelettlieilc der Inseliten (aual, des sciens. nalnr. priim. sei: Tom. I. 1824.) dasjenige Skeletstück epitneron, welches zwischen der frei beweglichen Hüfte und der Riickenplatte liegt, cpisiernon dagegen das vor dem epitneron hefiiid- liche Skeletstück zwischen der Brnstplatte selbst und der Rückeiiplalte. Bei den Trilobiten ist von diesen Sonderungen des Hautskelets in getrennte Stücke bloss am Kopfe ein Beispiel vorhan- den, an allen übrigen Körpertheilen durchaus gar nicht. Dies Verhivltniss ist ein höchst merkwür- diges, luid ohne alle Analogie bei lebenden Krebsen, deren Panzer an den einzelnen Ringen im- mer ein Continuum bildet und nie aus gesonderten, durch Nähte verbundenen Stücken besteht, selbst dann nicht, wenn er entschieden mehrere Ringe bedeckt. Dalman hat diese Ausnahme von der allgemeinen Regel, dass die Skelettheile lebender Crustaceen nie Nähte haben, schon erkannt und ausgesprochen {Palaead. S. 13.) und ich muss sie, als einen höchst singulilren 'Charakter der Trilobiten hier noch einmal ganz besonders hcrvorheßen; zugleich aber davor warnen, die Eigen- thümlichkeit, welche den Kopfpauzer dieser Thiere auszeichnet, auf die übrigen Panzerringe über- tragen zu wollen. 31 des Äliltolkörpers , Avodurch der vordere Wulst jedes Ringes von dem hinteren geschieden Avird, gehl übrijjens in den meisten Fällen mit auf die Seitenlappen über, imd verschwin- det erst an der Stelle, wo diese sicli a])wärts biegen, indem sie sich dem Hinterrande des Lappens nähert und in die vordere Kante der gewölbten Uandseitc des Lappens über- geht. Dass die Anwesenheit dieser Furche auf den Seitenlappen für die Organisation der Trilobilen, denen sie zukommt, von irgend einer wesentlichen Bedeutung sei, bezweifele ich gar sehr, denn in diesem Falle würde sie nicht einzelnen Gattungen, z.B. den Illae- nis, ganz fehlen köimeu; ich halte sie vielmehr für eine Nebensache, die, so scheint CS , durch die Anweseidieit der Querfurchc auf den mittleren Ringen sell)Sl bedingt ist und sich als solche auf die Seiteidappen hin fortsetzt. Diese Ansiclit lässt sich durch den Bau der Illacnt unterstützen, denen die Querfurche auf dem mittleren Hauptringe ehenso gut fehlt, wie auf den Seitenlappcn, und die daher einen viel flachöTen, gleichmässiger gewölbten Rüc4ten haben als alle andern Galtungen, deren Rumpfringe immer einzeln sehr stark gewölbt sind. Die Organisation des Hinterleibes der Macruren liefert unter den lebenden Krebsen ein genaues Seitenstück zu der gewöhnlichen Trilobitenbildung mit ge- furchten Ringen, die der Amphipoden- und 1 s o p o d e.n rümpfe repräsentirt dagegen die bei Illaemts vorhaudene Form. Beide Bildungsweisen schliessen übrigens das Vermögen des Einrollens in sich, wie es sowohl die Trilobiten, als auch die genannten lebendeu Organismen bestätigen. §. 11. Ein Verhältniss yow grosser Wichtigkeit ist endlich noch die Anzahl der Ringe, aus welchen der Brustkasten besteht. Bei den Gattungen mit grossem Schwanzschilde lässt sich dieselbe leicht bestimmen, schwieriger dagegen hei denen, wo der Körper mit einem sehr kleinen Schilde endet, in welchem nur wenige Ringe stecken. Hjer entsteht nehm- lich die Frage, oh man den Brustkasten wirklich bis zu diesem Schilde nehmen dürfe, oder ob man nicht nach der Analogie lebender Formen die Vermuthung aufstellen solle, dass ein Theil der Ringe vor dem Endschilde mit zum Hinterleibe gehöre, und dessen w^ahre Grenze durch die Lage der Geschlechtsöffnungen bestimmt werde, wie bei Jpus. Hierüber lässt sich natürlich bei dem Mangel aller weichen Tlieile nicht entscheiden, und es bleibt daher nichts anderes übrig als den Brustkasten bei den Trilobiten bis zum ein- fachen Endschilde zu rechnen und die in letzterem steckenden Ringe für den Hinlerleib zu nehmen. * Diese Ansicht, sei sie nun richtig oder falsch, fest hallend, finden wir in der An- zahl der Brustkastenrijige eine sehr grosse Verschiedenheit. Die kleinste Zahl scheint 33 . fünf zu sein, wenigstens beliauplet Sars *) niclit nielir bei Ampyx rostraliis gesehen zu haben, nach Dalman dagegen besitzt Amptjx nasulus sephs Ringe, und da ich kei- nen beglaubigten Fall kenne , dass in einer und derselben Gattung verschiedene Zahlen- verlüiltnisse der Ringe sich fanden , so nuiss ich annehmen , dass die erstere Zahl unrich- tig sei. Die letztere Anzalil findet sich übrigens auch bei Cri/ptotithus Green {Tri- nucleus MüRCii.)- Sieben Ringe habe icli bisher noch nicht mit Sicherlicit wahrgenom- «icn , und wenn gleicli diese Zahl bei Ogijgia von einigen Schriflstellern angegeben wird, so streitet doch die Zahl acht bei anderen Individuen gegen die Richtigkeit dieser Zäh- lung. Acht Glieder besitzen ferner alle Arten der Gattung Asaphus in ihrem richtigen Umfange, dann Bronles, Arges und Odonfoptenra. Neun Ringe giebt Dauian bei IlUieinis cenfroliis an, doch könnte wohl ein Ring dem Beobachter entgangen^ sein, da dieselben bei dieser Art so aufTallend kurz sind. Mit Sicherheit finde ich diese Zahl bloss bei Archegonus. Die wahren lllaeni und Brontes haben zehn Ringe. Eben so viele besitzt DalAaa's Cahjmene concinna, und kann schon deshalb nicht zu C«/y»nene gehören ; aber auch nicht zu Illae- mts, wohin Emmrich sie bringt, da die Ringe gewölbt und gefurcht sind und das Ivopf- schild einen aufgeworfenen Rand 4iat; Charaktere, die den Illaenis nicht zukommen. Eilf Ringe haben alle Phacops- Arien, zwölf EUlpsoccphahis , dreizehn die Cnhjmenae; vierzehn Ringe Oleiius gihbosus und Conoccphahis , sechs zehn Olemis spi- nulosus und zwanzig Paradoxides bohemicus. Mehr Ringe scheinen nicht vorzu- kommen. — . » §. 12. Das Hinlerleibs- oder Schwanzschild, dessen Darstellung noch übrig bleibt, wurde als eine dem Kopfschilde analoge Erweiterung der Bedeckungen des eigentli- chen Hinterleibes schon oben besprochen, und daselbst gezeigt, dass es aus 2 La- gen bestehe, dass die obere dieselbe Beschaffenheit besitze, wie die übrige obere Pan- zerlläche und die untere zartere auf ähnliche Weise an ihrer freien Fläche liniirt sei; zwisclien beiden aber eine neben dem Umfange dickere Schicht der Körpermasse sich be- funden haben müsse. Hier bleibt also nur noch die in dem Schilde ste(;liende Achse, der eigentliche Hinterleib , zu erörtern. — Auch an ihm bemerkt man zwar in der Rogel eine Gliederung, aber nie sind die Ringe so deutlich und bestimmt abgesetzt, wie am Brustkasten. Es giebt hinsichtlich ilirer Deutlichkeit drei Stufen, Avelche sich als ditf Stufe . der völligen Deutlichkeit, der Andeutung und des Mangels von Ringen unterscheiden las- sen. Völlig deutliche Ringe zeigen die Gattungen Trinucicus, Ogygia , Cahyti^ene, '■0 Isis 1835. 335. 33 Phacops und Cahjmenc concinna Dalm. Auch bei Olenus gihbosus sind rechl deut- liche Ringe zu benierlien. In diesem Falle setzt sich die Wölbung des Rinkes selbst auf die Scitenlheile des Schwanzschildos hin fort, doch pflegt hier die Anzahl der Rippen um 1 oder 2 geringer zu sein, als die Anzahl der Ringe in der Achse. Ich zählte wenig- stens bei Phncops macrophiluilmus stets nur 7 Rippen und doch 8, fast 9 Rin^e im Schwänze, von denen freilich die beiden letzten sehr klein und mit einander verschmol- zen sind. Cft/i/menc Jihmienfjachii hat jcderseits 5 Rippen auf dem Schwanzschilde, a])er recht deutlich 7 Glieder im Schwänze selbst. Bei Ogijgia Buchü zähle ich 11 Rippen auf jeder Seite des Schwanzschildes, aber ziemlich deutlich 12 Ringe am Schwänze selbst, von denen der letzte eine länglich eiförmige Gestalt hat und aller Wahrschein- lichkeit nach nocli aus mehreren Gliedern besteht. Phacops vnicronntus hat jederseits 1«3 Rippen und 14 deutliche Glieder, nebst einem eiförmigen Endgliede, was als ein Ver- ein mehrerer Glieder betrachtet werden kann; Phacops Haiismanni endlich die meisten von allen, nehmlich 19 in der Achse und 15 Rippen auf jeder Seite. Aehnlich ist das Endglied bei allen Trilobiten beschaffen und daher wahrscheinlich bloss oberhall) nicht ge- gliedert, weil der dicke Panzer das Deutlichwerden der Ringe verhinderte. Bei Cahj- mene concinna Dalm. zähle ich 7 sehr deutliche Glieder in der Achse, nehme aber doch keine Rippen auf den Seiten des Schwanzschildes wahr; bei Olenus gibbosus sind da- gegen 6 Ringe in der Achse und 5 Rippen auf dem Schilde nicht zu verkennen. — Zu der Form mit undeutlichen Ringen in der Achse des Schwanzschildes, aber ohne Rippen auf den Seiten gehört Asaphns expansits s. coi-nigerus , ich zähle hier 6 kurze Glieder und ein langes eiförmiges Endglied ; bei As. dHalalus glaube ich 9 Ringe und ein kürzeres, fast kreisrundes Endglied zu sehen; bei einer dritten sehr grossen Art, von welcher ich bloss das abgebildete (Taf. V. Fig. 4.), bereits besprochene Schwanzschild kenne, sind 9 GUeder nebst einem sehr langgestreckten Endgliede vorhanden, üeberhaupt scheint eine gegliederte Achse ohne Seitenrippen des Schildes bei den meisten Asaphtis-Av- ten vorzukommen, denn auch die zur Gruppe Isoldes gerechneten Arten dürften hierher gehö- ren, und deren Gliederung nur sehr schwach sein. Ich habe keine Asaphns- Av\ ohne Gliederung an der Achse gesehen. Dagegen vermisst man die Gliederung vollständig bei lUaemis und Ampyx ; bei letzterer nur zum Theil. Beide Gattungen repräsentirten also die dritte Form des Schwanzschildes. — Seiner Grösse und Form nach harmonirt das Schwanzschild mit dem Kopfscbilde fast völlig bei den Gattungen Asaphns, Ilfaemts, Ampi/x und Trinucleus s. Crtjptoli- thns; bei allen anderen Gattungen ist es kleiner, weil einige der für dasselbe bei jenen Gattungen verwendeten Körperringe hier isolirte selbstständige Ringe geworden sind. Daher nimmt seine Grösse mit der Zahl der Ringe ab, und wird bei den Gattungen Pha- 5 34 — cops, Calj/menc, Paradoxides, Conocephuhis , EllipsoccpJudus und Olcntis zusehends kleiner, bis es bei letzteren aus 1 oder 2 Rlng-en besteht. Calymenc concinna Dalm. , eine schon mehrmals als Typus einer eigenen Galtung erwähnte Art , eröfTnet diese Reihe. Hiernach scheint in der Anzahl der gcsammten Kürperringe eine bestimmte Grenze befolgt zu sein, und die des Hinterleibes zu wachsen, wenn die des Brustkastens abnimmt; auch hat Herr Emmricii bereits ein solches Vcrhältniss als ein gesetzmässiges betrachtet. Allein die nähere Untersuchung bestätigt dasselbe nicht; schon die blosse Vergleichung der P/i«- cop«- Arten unter einander zeigt die Irrigkeit einer solchen Annahme, in sofern dieselben nie mehr als eilf Bruslkastenringe besitzen, und doch in der Anzalil ihrer Hinterleibsringe zwischen 9 — 19 schwanken. Auch bei Cuhjmcne zeigt sich derselbe Fall, die Grenzen der Reihe liegen hier nur nicht so fern, sondern bleiben zwischen 7 und 11 {Cal. po- Ji/toma nach Daljian). Hiernach scheint zwar die Zahl 30 von den vereinigten Ringen des Brustkastens und Hinlerleibes in der Regel nicht überschritten zu werden, bei vielen Trilobllen aber die Summe beider Körperabschuitte nicht so viel zu ergeben. Wo endlich Gliederung am Hinterleibe nicht erkannt wird, ist die Gesammtmengc aller Ringe ganz ungewiss. Uebrigens muss ich hier noch bemerken, dass die Einschnitte an der Kopf- achse der Trilobiten ebenfalls nichts anderes als Andeutungen von Ringen sind, und doch sehr wohl mit meiner früher vorgetragenen Ansicht, sie als Auflreibung von den unter ihnen liegenden Kiefermuskeln zu betrachten, im Einklänge stehen; da bei allen Krebsen so viel Kürperringe vermisst werden, als wie viele accessorische Kieferpaare am Kopfe sich befinden ; woraus denn ersichtlich ist, dass jedes Kieforpaar an einem besonderen Ringe haftet, dieser aber durch sein inniges Anschlicssen an den Kopf seine Selbstständigkeit verliert. Da die Anzahl der seitlichen Kopffurclien nie grösser ist als drei, dadurch aber höchstens 4 Wülste gebildet werden, so würden wir eben so viele Kiefer bei den Trilo- biten annehmen dürfen und uns vorstellen können, dass in allen Fällen, wo diese Wülste fehlen und dann der vorderste Lappen alle anderen in sich enthält, ein (der Analogie nach das erste) Kieferpaar sehr gross geworden ist, dagegen die übrigen schwan- den, wenn auch nicht vollkommen verlohren gingen. Doch diese Betrachtung gehört ei- gentlich schon dem folgenden Kapitel an, da ich hier bloss den unmittelbar erkennbaren Körperbau schildern wollte, denselben aber so vollständig und allgemein, wie möglicli, nunmehr geschildert zu haben glaube *). — '■*) Man konnte ilalier die Lappen des Kopfl)uckels, auch wenn sie niclit durchgehende Al)schnitte sind, geradezu Ringe nennen, und zwar den vordersten Stirn- oder Fülilerring, den zweiten Au- ge nring, den dritten Kieferring, den yiertcn Unterlippenring; an ihm hafteten dann die acccssorischen Mundtheile. Der stets \orhandeiie Querwulst am Hinterrande ist schon als Gelenk- wulst erwähnt worden, könnte aher ebenfalls (ieleukring genannt werden. — Zweitem Kapitel. Beziehung der Trilobiten zu den jetzt lebenden Gliederlhieren. §. 13. Die bereits allgemeine Annahme, dass die Trilobiten Gliederthiere sind, über- hebt mich der Mühe, von ihrer Beziehung zu den Muscheln oder Mollusken über- haupt zu reden ; auch ist eine solche Untersuchung hier um so überflüssiger, als der Ver- lauf meiner Mittheilungen schon hinreichend gezeigt hat, dass jene ältere Ansicht den erkennbaren Bildungsweisen der Trilobiten widerstreitet. Denn Thiere mit Augen kömien keine Muscheln sein*), wenigstens dann gewiss nicht, wenn sie mit zwei symmetri- schen zusammengesetzten Augen versehen sind, und eben dieser Charakter ent- fernt sie auch aus den übrigen Orchiungen der Mollusken, wie er sie entschieden den Glie- derlhieren beigesellt. Unter den 4 Klassen der Gliederthiere haben aber die Insekten und Arachnoiden, sowohl die heteronomen {Arachiudae) , als auch die homonomen (Mi/riopod(t) einen so konstanten Typus, dass es unmöglich ist, die Trilobiten zu ihnen zu rechnen; selbst die scheinbar ahnlichen Glomeriden sind sogleich an dem konstanten Zahlcnverhältniss ihrer Körperringe, dem nicht schihlfünnigcn Kopfe, dem Mangel eines Hinterleibes oder Schwanzes, den Aggregaten einfacher Augen, den hornigen gegliederten zahlreichen Füssen, und vielen anderen Eigenschaften von den Trilobiten zu unterscheiden. Würmer (/^Yas Siclicres entnehmen Hesse. EiCHWALD's Beschreibung erwiihnt zwar die Zahl der Glieder (fünf) und die Grösse des Fusses (4 Lin.) genauer, allein so wie sie a. a. 0. lautet, ist sie doch immer noch ganz ungenügend und unklar. 49 war, wer wird es leugnen wollen, wenn ihr beständiger Mangel neben einer barlen hor- nigen, vielleicht selbst kalkigen Rückenfläche entschieden ist. Hatte sich diese erhalten, warum nicht auch die ebenso harte Bauchfläche, die wir stets vermissen, und darum mit Recht schliessen, dass sie weiclier und des Widerstandes unfähig war, welchen die härtere Rückcnnäche den zerstörenden Gewall en einer Erdumwälzung entgegensetzte. Ich bitte nicinc Leser nur einen genauen Blick auf die Ringe des Krebsschwanzcs zu werfen, welche in manchen Beziehungen den Panzerringen der Trilobitcn analog geformt sind, um zu der Ueberzeugimg zu gelangen, dass wenn am Bauche harte Bedeckungen vorkamen, diese ohne Zweifel, wie bei den heutigen Krebsen, unmittelbare Fortsetzungen des Rückenpan- zers bildeten, um mit ihm zusammen eine hinreichend feste Basis für die Bewegungsor- gane zu schaffen. Wie sollten aber diese soliden, wenn auch imr, wie bei unseren Kreb- sen, schmalen Bauchgürtel alle so regelmässig liaben abbrechen können, dass auch niclit die geringste Spur von ihnen ül)rig bliel)? wäre dies nicht eine Erscheinung, die an's Wunderbare gränztc? Und docli müssen wir diese Annahme machen, wenn wir behaup- ten, die Bauchseite der Trilobiten habe einen ebenso festen Panzer gehabt, wie der Rücken. Diese Annahme müssen wir aber machen, wenn wir die Anwesenheit horniger solider Füsse behaupten, da ohne eine solide Brust auch kein solides Bein bei Gliederthieren sich iindet. Nehmen wir nun mit in Berücksichtigung, dass die Spuren borniger wie aller an- deren Füsse völlig fehlen, so ist wohl der Schluss erlau])t, dass diese Füsse zu weich und zart waren, um auch nur in Abdrücken sich erhalten zu können. Und gerade so musslen sie sein, wenn die von mir behauptete Affinität der Trilobiten zu den Phyl- lopoden richtig ist. Sollten diese Betrachtungen und Schlussfolgen nicht schon Beweis- kraft genug ])esitzen? Doch wir können noch weiter gehen, und die Affinität noch näher, noch bestimmter darthun. indem wir bei der bekannten Fähigkeit des Einrollens verweilen, auf welche frü- her schon beiläufig hingewiesen wurde. Die allermeisten Trilobiten ])esassen diese Fähig- keit und viele von ihnen finden sich häufiger im eingerollten als im gestreckten Zustande aufbewahrt. Die Thiere wölbten da])ei den Rücken, klappten das Schwanzschild gegen den Kopf und versteckten so alle unteren Theile unter den harten hornigen Panzerstücken der Oberseite. Was hat dieses Vermögen für einen Zweck, wenn wir annehmen, dass die Organe der Bauchseite ebenso kräftig gebaut waren, wie die des Rückens? — gar keinen! es wäre eine Kunstfertigkeit ohne Absicht, und eine solche giebt es nicht in der Natur. Wohl aber ist sie uns begreiflich, wenn wir für alle Organe der Unterfläche eine zartere Beschaffenheit annehmen, denn dann erldärt sie sich sogleich aus dem Bestreben der Natur, diese weichen und daher mehr verletzlichen Tlieile gegen äussere Gewalten zu schützen. Man wird mir vielleicht einwerfen, dass die Odontopleuriden, Ogygien, 7 50 Oleniden u.a.m. diese Fähigkeit nicht besassen, und dass daher aus ihr kein allgemein gültiger Schluss abgeleitet werden könne; allein dieser Einwurf wäre ein unpassender. Es ist nehmlich aus dem gewöhnlichen Mangel aller Schaalenreste bei den Ogygien und Oleniden ziemlich sicher zu entnehmen, dass deren Panzer weicher und zarter beschaf- fen war als der Panzer aller übrigen Trilobiten; auch glaul)e ich dies geradezu aus den Spuren desselben folgern zu dürfen, welche ich bei Exemplaren von Olenus gibbosus im Alaunscliiefer von Andrarum vor mir habe. War also hier der Panzer überhaupt dünn, etwa dem von Jpus gleich, wozu noch das Einrollungsvermögen, es schützte ja nur weiche Theile durch weniger weiche ; auch sind die Seitenlappen dieser Tbiere so gebaut, dass sie sich beim Einrollen nicht unter einander schieben konnten, mithin überall Lücken Hessen , durch welche die weichen Organe ebenso gut verletzlich waren , als wenn sie unbedeckt blieben. Es widerstreitet also der Mangel des EinroUungsvermögens der An- nahme nicht, dass auch da, wo es fehlte, die Füsse ihre gewöhnliche weiche Beschaffen- heit hatten. Gewiss würden wir härtere Füsse von der Consistenz der Schaale neben den Abdrücken der Oleniden finden, wenn etwa bloss bei ihnen härtere Gliedmassen vorhan- den gewesen wären. — Betrachten wir nun, um in dieser Vergleichung weiter zu kommen, die Füsse der lebenden Pbyllopoden, so finden wir bei ihnen einen einzigen, bereits erörterten Grund- typus, der je nachdem der Körper ganz nackt oder von einer Schaale bedeckt ist, eine Modifikation in der Lage der Kiemen erleidet. — Bei den Trilobiten, deren Leib von oben bedeckt und sogar mit schützenden Seitenlappen [versehen war, werden wir zwar diejenige Modifikation eher vermulhen, welche den bedeckten Phyllopoden zukonnnt, allein im Ganzen auf keine völlig genaue Uebereinslimmung rechnen dürfen, da verechiedenar- tige, wenn auch nah verwandte Thierfamilien immer ihre eigenthümlichen Formen nicht bloss auf das eine oder das andere Organ, sondern auf alle gleichmässig übertragen und daher in jedem einzelnen Körperlheile ihre Difl"erenz behaupten. Die Anwendbarkeit die- ses Gesetzes erhellt aus den sichtbaren Körperresten der Trilobiten zu bestimmt, als dass wir an seiner Allgemeinheit zweifeln dürften, und wenn ich daher in meinen Figuren 7 und S. (Taf. VI.) den Füssen eine bestimmte Form gegeben habe, so geschah dies bloss, um sie verzcicimen zu können, nicht in der Al)sicht, um die gewühlte Form als die wirk- liche darzustellen. Ich behaupte daher von den Füssen der Trilobiten weiter nichts, als dass sie weiche häutige gefranzte Schwimmblätter waren, die an der Bauchseite des Rumpfes sassen und seitwärts ausgestreckt unter den Seitenlappcn der Rumpfringe lagen, wie dies der ideale Durchschnitt in Fig. 7. andeutet. An der freien unteren Seite waren diese Füsse durch Einschnitte in mehrere Lappen getheilt, und jeder Lappen für sich am . Rande mit Flossenborsteu besetzt. Der letzte äusserste Lappen (c.) mochte läng-er, schmä- 51 ler und bewegliclier sein, bis ans Ende des schützenden Panzerlappcns (a.) reichen, und neben sich nach innen zu eine blasenförniige Kieme (b.) tragen. Die Schutzlappen der Phyllopodenfiisse fehlten den Trilobitenfüssen wohl ganz, weil der harte Panzer hinreichen- den Schutz gewährte und der Raum unter seinen Seitcnlappen eben nicht sehr gross ist. Wie weit die Füsse am Rumpfe liinal) vorkamen, muss ich ebenfalls unentschieden las- sen; ich bin jedoch geneigter, auch am Ilinterleibe noch Füsse, wie bei Apus, zu ver- muthen, da das Schwanzschild oft dieselben Eindrücke, wie die Seilenlappen des Brust- kastens, zu besitzen pflegt und diese Eindrücke ohne Zweifel zu der Anwesenheit der Füsse in Beziehung stehen. Vielleicht deutet die schiefe Querfurche auf jedem Seitenlap- pen an , dass hinter ihr in dem breileren , vom Achsenringe ausgelienden Tlieile der Fuss lag oder selbst auch an Ihm mit haftete, während der schmälere vordere Theil jedes Lappens zur Arlikulation mit dem vorhergehenden beslimmt war, wenigstens bei den Gat- tungen mil EinroUungsvermögen. Bei ihnen scheint sich nehmlich eine um so innigere Einfü- gung an der Stelle, wo der Seitenlappen sich abwärts biegt, zu befinden, je entwickelter das EinroUungsvermögen ist, und da zugleich die vordere schiefe Fläche der Seitenlap- pen, welche beim Einrollen untergeschoben wird, nie weiter als bis zu diesem schein- baren Artikulationspunkte reicht, so dürfte dieser Umstand noch mehr für eine innigere Verbindung der Seitenlappen unter einander von der Achse bis zu dieser Stelle sprechen. Zuletzt könnte noch die Frage aufgeworfen werden, ob die Füsse der Trilobiten alle einander in Gestalt und Grösse genau glichen, wie bei BvnncJn'piis , oder ob die vor- dersten in der Bildung abwichen, und die hintersten nach und nach kleiner wurden, wie bei Apus. In der That ist es schwer, diese Fragen positiv zu beantworten, indess bie- ten gewisse Umstände doch Mittel an die Hand, auch darüber mit einiger Wahrscheinlich- keit zu entscheiden. Zunächst glaube ich nicht, dass irgend ein Trllobit mit vollständigem EinroUungsvermögen die zu langen Fäden verwandelten Schwimmblättcr am ersten Fuss- paar besitzen konnte, welche wir bei Apus wahrnehmen, weil ihm dieselben beim Ein- rollen hinderlich sein mussten. Wie wollte er schnell und sicher so lange Anhänge, die weit über den Umfang seiner Bedeckungen hervorragten, unter denselben im Moment der Kugelung verbergen? — bedurfte er dazu nicht besonderer Anziehungsorgane? Auch konnten sie selbst in diesem Falle kaum so lang wie bei Apus sein, da sie dann sclnver- lich unter den eingekrümmten Panzerringen Platz gefunden hätten. Ich vermuthe daher, dass bei den Trilobiten mit EinroUungsvermögen das erste entwickelte Fusspaar dem folgenden völlig ähnlich war und auch in dieser Beziehung die Trilobiten sich mehr an Branchipus als an Apus anschlössen. Diese grössere Aehnlichkeit scheint mir ferner aus der Gleichheit aller Bruslkastenringe unter einander, sowohl bei Branchipus. als auch bei vielen Trilobiten mit Kugelungsvcrmögen. zu erhellen, und für letztere zugleich die An- 5« nähme zu geslallcii, dass die Fiisse, welche an diesen gleichen Bruslkastenringen hafte- ten, ebenfalls eine gleiche Grösse besassen. Da nun Branchipus am Hinterleibe keine Füsse trägt, so würde man, die Analogie weiter ausdehnend, auch bei den genannten Trilobitcn einen solchen Mangel erwarten dürfen; eine Ansicht, welche mir in der That für die Gattungen mit kurzer Achse und ohne Seitenrippen des Schwanzschildes QAsaphus, Illaemis, Nileus, Ampi/x) die wahrscheinlichere zu sein scheint. Von den übrigen Gat- tungen mit Kugclungsvermögen {CnJymene, Iloinalonoliis und Phacops), und denjeni- gen, nicht der Kugelung fähigen Gruppen, deren Brustkastenringe gleich gross sind (den g y g i i d c n und d o n t o p 1 e u r i d e n) , vermuthc ich aus demselben Grunde eine gleiche Bildung der Füsse des Brustkastens, und glaube aus den Seitenfurchen des Schwanzschil- des vielleicht auf Hinterleibsfüsse sclilicssen zu dürfen. Die Grössenabnahme der Brust- kastenringe von vorn nach hinten, welche öfters mit dem Mangel der Rollfähigkeit ver- bunden ist, macht es mir dagegen wahrscheinlich, dass die Oleniden und Campylopleurl keine überall gleichen Füsse besassen; viehnelir die letzteren mit den Dimensionen der Körperringe nach hinten abnahmen , und die Brustkaslenringe in die Hinlcrleibsringe ebenso allmählig wie die Brustfüsse in die Hinterleibsfüsse übergingen. Dasselbe ist der Fall bei ^2'"'^ "i'fl Limnmlia, ihre Rumpfringe wachsen anfangs zwar etwas, nehmen aber von der Mille des Brustkastens an wieder ab, mid geben langsam kleiner werdend in die des Hinterleibes ü])er. Bei einer solchen Analogie würden sich daher auch Fäden statt der Flossen an den ersten Bruslfüssen der Oleniden und Campylopleuri erwarten lassen, oder wenigstens grössere Fühler am Kopfe, wie Lhnnaclia solche besitzt; denn bei den übrigen Trilobiten- Gattungen uuissten die Fühler aus demselben Grunde, welcher die Entmckelinig der Lappen des ersten Fusspaares zu Fäden verbot, kurz und klein blei- ben, und durften nicht über die Ränder des Kopfscliildes hervorragen. — §. 21. In der Ueberzeugung , dass die angeslellten Betrachlungen für jeden unbefangenen Leser hinreichende Beweiskraft haben müssen, leite ich aus ihnen nachstehende Folge- rung ab : Die Trilobiten bilden eine eigenlhümliche , den heutigen Phyllopoden am meisten verwandte Krebsfamihe, welche sich zunächst an die Gattung Branchipus anschliesst und in gewisser Beziehung die Lücke ausfüllen dürfte, welche in der heutigen Formen- reihe der Krebse zwischen den Phyllopoden und Poecilopoden angetroffen wird. Zur näheren Würdigung dieser Verwandtschaft der Trilobiten und Pliyllopoden darf es jedoch nicht ausser Acht gelassen werden, dass: 53 — die Tr nobile 11 durch das sclnvaiikcndo Zahlen vcrLallniss ihrer Brustkastenringo nicht bloss von den hcuUgen Phyllopoden, sondern auch von allen übrigen lebenden Krebsfamilien, wesentlich verschieden sind und in dem genannten Charakter eine Ei- genschaft besitzen, welche in gegenwärtiger Zeit weder bei den Kre])sen, noch bei den gesammlen heteronomen Gliederthieren innerhalb einer natürlichen Familie als Dif- ferenzirungsprinzip auflritt; sondern lediglich und allein in der zweiten Ordnung der Crnslaccu (den Aspidoslracis) als Familien unterscheidender Charakter, doch in veränderter Weise, angetrolfen wird. Immer ist aucli in diesem Fall die vorhandene Verschiedenheit der Zahlenverhällnisse auf eine Grundzahl, die in mehreren Produkten auftritt, reduzirbar; bei den Trilobiten dagegen scheint auch dieses Gesetz keine An- wendung zu finden. — Hiernach stellt sich für die Trilobiten mein- ein Verhältniss der Analogie zu leben- den Krebsen, als eine innige Affinität zu ihnen heraus, und ihre ganze Gruppe könnte füglicher für eine den gesanimten heutigen Aspidoslracis in ihrer formellen Blannigfallig- keit entsprechende Abtheilung gehalten werden, als eine an diese oder jene Zunft von ihnen zunächst sich anschliessende, ilmen gleichwerthige Gruppe. (Vergl. §. 17.) — Die Ana- logie dürfte aber, mit Ausschluss des bei den Trilobiten, so scheint es, keine Anwen- dung findenden, auf konstante Grundzahlen reduzirbaren Numerus, eine sehr innige und allgemeine gewesen sein, da alle anderen Organisalionsverhältnisse , so weit sie sich ver- folgen lassen, übereinstimmen. Nur die harten hornigen gegliederten Füsse, welche einer Unterabtheilung der heutigen Aspidoslrnca zukommen, dürften den Trilobiten völlig ge- fehlt haben; im Uebrigcn aber alle typischen Gruppencharaklere in entsprechenden Modi- fikationen sich nachweisen lassen. Eine Betrachtung, die darüber noch einiges Licht ver- breiten könnte, scheint mir deshalb hier am richtigen Orte zu sein. §. 22. Zunächst versteht es sich von selbst, dass die Trilobiten, als Gliederthiere, einem periodischen Wachsen durch Häutung untervrorfen waren und ihre alten Schaalen daher öfters mit neuen vertauschten. Wahle^berg hat diese Ansicht schon ausgesprochen, und hinzugefügt, dass manche Fetrifikate auf solchen leeren Schaalen beruhen möchten. Ich bin jedoch nicht geneigt, dieser Annahme beizupflichten und halte es zur näheren Begrün- dung meiner Meinung für angemessen, die Iläutuiigs- und Entwickelungsverhältnisse der Phyllopoden hier kurz zu erörtern. — §. 23. Alle Phyllopoden sind einer wahren Verwandlung unterworfen, und zwar einer fort- schreitenden. Sie verlassen das Ei als ein ungegliedertes Thierchen von birnförmiger 54 Gestalt, an dessen vorderem dickerem Ende ein einfaches Auge, 2 Paar ungleiche Ruderfiisse, die späteren Fühler, und ein drittes Bewegungsorgan, das sich später in den eigentlichen Kiefer verwandelt, hemerkt werden*). Immer sind diese Jungen ganz nackt, schaalenlos, die Alten mögen Schaalen hesitzen oder nicht. Ist das Letzlere der Fall, so erhält das Junge niemals eine schützende Hülle; hahen aber die Aeltern Schaa- len. so treten die ersten Spuren derselben in der Form einer vom Nacken ausgehenden Haulfalte, die schon die Hälfte des Rumpfes hedeckt, unmittelbar nach der ersten Häutung au!'. Das Junge ist nach dieser Periode beträchtlich grösser geworden, sein Leib hat sich verdickt, und zeigt seitliche Einkerhungen hinter dem dritten Bewegungsorgane, aus de- nen sich nach und nach die späteren Füsse entwickeln. So lange dieselben noch imvoU- kommen sind, behält das junge Thier seine drei ersten Paare von Bewegungsorganen ohne Aenderuno- ihrer Form bei; wenn aher die seitlich aus dem Rumpfe hervorwachsenden Füsse ihre relative, den Dimensionen des Thierchens adäquate Ausbildung erlangt haben, fanden die früheren Bevvcgungsorgane an sich zu verkleinern und ailmälig rückschreitend zu der späteren, oft höchst rudimentären Form sich umzubilden. Man sieht dann deutlich, dass sie die wahren Fühler des ausgebildeten Krebses sind, und je nach ihrer Grösse in diesen späteren Lehenssladien mehr oder weniger sich verkleinern und verändern. Wil dieser Umbildung hält die Gestaltung des Auges gleichen Schritt. Anfangs ein einfaches Pünktchen, erscheinen um die Zeit, wo etwa die vordere Hälfte der Brustkastenfüsse als isolirle Organe sich gestaltet haben, ein Paar andere dunkle Flecken nehen demselben im Kopfe , und diese bilden sich gleichmässig mit den übrigen Organen nach und nach zu den zusammengesetzten Augen aus. Geraume Zeil übrigens ist zu der formellen Entwickelung aller Theilc nicht erforderlich, denn schon sind die späteren Gebilde räumlich isoliri und vollständig abgeformt, wenn das junge Thierchen kaum den hundertsten Tlieil seiner spä- teren Dimensionen erlangt hat. Von dieser Zeit wächst es daher mit beibehaltener Form gleichmässig fort, und häutet sich dabei fortwährend, in hald kürzeren, bald längeren Pe- rioden, wie CS die Schnelligkeit seines Fortschritts in der Grösse fordert. Eine solche ab- gestreifte Haut ist der Länge nach am Rücken gespalten, und aus dieser Spalte zieht der Krehs nach und nach alle Theile so hervor, dass jedes Härchen, auch das kleinste, an der allen Haut haften Lleibt und an der neuen neu sich bildet, üebrigens besteht die ab- gestreifte Haut bloss aus der Epilheliallage, nie aus der wirklichen Cutis, und hat daher eine sehr dünne, zarte Bcschaifonheit. Demnach könnten die Trilobiten- Reste, welche --) Auf Tal. VI. stellt Fig. 14. das Junge eines Branchipus gteicli nach dem Ausscliliiiifen aus dem Ei dar, Fig. 13. das Junge von ^piis nach der erslen Hiiulung; a. bezeichnet die kleinen Fühler, 1). die grossen, c. den Kielerfuss, d. die Rudimente der spateren Fiissc, 55 aus solchen abgestreiften Häuten entstanden sein sollten, blosse Abdrücke sein, nie Reste der Schaale selbst an sich trag-en; auch müsste sich die Spur der Ilüulung durch einen Längsriss in der Mitte des Rückens erhalten haben, und da ein solcher Riss bisher bei keinem Trilobiten beobachtet worden ist, so halte ich die von Wahlenberg ausgesprochene Ansicht, als hätten wir in manchen Trilobitenschaalen bloss die abgestreiften Hüllen vor uns, für unrichtig. — §. 24. Dagegen entsteht eine andere sehr natürliche Vermuthung aus der vorgetragenen Metamorphose der Phyllopoden; die nehmlich, dass auch die Trilobiten eine solche Metamorphose bestanden. Ich zweifle keinen Augenblick an der völligen Richtigkeit die- ser Vermuthung und bin sehr geneigt, in den rälhselhaften Schildern, aus denen man die Gattung yfgnoslus oder Baftiis gebildet hat, die Spuren solcher jungen Zustände ver- schiedener Trilobiten, anzuerkennen. Untersucht man die Abdrücke der Agnostus - Arien genauer, so findet man nicht bloss eine ganz auffallende Schwankung in der Grösse, denn sie wechseln von dem Umfange eines Senfkornes bis zur Grösse einer Erbse ; sondern auch eine sehr merkliche Verschiedenheit in der Form ihrer einzelnen Bestandlheile. In dieser Beziehung glaube ich 4 Differenzen, die sich unter 2 Hauptgi-uppen bringen lassen, bestimmt unterscheiden zu können. Bevor ich diesellien erörtere, werde ich das Agnoslus- Schild im Allgemeinen beschreiben , und mich dabei auf die Abbildungen Taf. V. Flg. 5 bis 8. beziehen. — Die Schilder, welche als Repräsentanten von AgnosUts angeschen werden, haben einen kreisförmigen Umriss, der indess nicht vollständig ist, sondern nach hinten von einer ziemlich geraden Linie begrenzt wird, die V* der Kreisfläclio abschneidet. Der übrigblei- bende Theil ist hoch gewölbt, fast halbkugelig und hat einen flachen, gleich breiten Rand. Auf der Mitte der Wölbung erliebt sich ein mehr oder weniger parabolischer Buckel , dev durch einen tiefen Umriss voin übrigen Raum des Schildes getrennt wird, und mit seinem breiten Ende an die gerade hintere Seite des Schildes anslösst. Diese Verhältnisse sind allen Agnoslis gemein, die übrigen aber unterliegen melirfachen Unterschieden. Bei Einigen (Fig. 6.) ist der erweiterte Seitenrand an seinem vorderen Theile, der Abstutzungsfläche gerade gegenüber, mit zAvei hervorragenden Ecken versehen, die in gleicher Entfernung von der Mittellinie symmetrisch aus dem Rande hervortreten. Diese Bafti, in der Regel die grössten, haben in ihrem Schilde einen nach vorn sehr breiten, fast parallelseitigen und dort bloss zugerundeten Längsbuckel, auf dessen Fläche hinter dep aiitte in der Regel ein Ideiner nach vorn scharfer Höcker hervorragt. Unmittelbar vor diesem Höcker bemerkt man eine seichte Querfurche, dahinter zeigen sich zwei schief 56 nach innen und hinten von den Seiten nusgeliende andere Querfiirchen , und am Hinter- randc selbst ist ein deutlicher Querwulst aufgeworfen, welcher in den Saum des Schildes an eben diesem Rande übergeht. Eine zweite stets kleinere Form (Fig. 5.) unterscheidet sich von der beschriebenen bloss diu'ch die o-eringere Grösse, die undeulliche Trennung des Längsbuckels in Abschnilte, und den Mano-el oder die liüclist rudimenlarc Beschaffenheit des mittleren kleinen Höckers. Es unterlieo-l wohl keinem Zweifel, dass wir in dieser Form einen weniger ausgebildeten, jüngeren Zustand der vorigen anzuerkennen haben. Die drilte Form (Fig. 7.) unterscheidet sich von der ersten sehr wesentlich. Zunächst ist der mittlere Längsbuckel nach vorn immer sehr stark verschmälert, fast zugespitzt, und durch eine von seinem äussersten Ende ausgehende Läiigsfurche mit dem Eindrnck vor dem erweiterten Rande verbunden. Dieser erweiterte Rand hat nicht die vorspringenden beiden Ecken, und ist also eine ununterbrochene Kreislinie. Der Längsbuckel hat einen tiefen Quereindruck bald hinter der Spitze und hinten vor dem geraden Rande zwei er- habene Knötchen neben sich, die ihn ebenfalls zugespitzt erscheinen lassen. Dann ist in der Regel auf dem mittleren Theile des Längswulstes noch ein kleiner Höcker sichtbar. Die vierte Form (Fig. 8.) verhält sich zur vorigen, wie die zweite zur ersten; sie ist ein jüngerer Zustand, daher kleiner, die Eindrücke des Längswulstes sind schwächer und der mittlere kleine Höcker fehlt, was übrigens auch mitunter bei grossen Individuen der Fall ist. — Meiner Ansiclit nach sind nun die beiden auf solche Weise unterscheidbaren Arten der Galluno- Agnoslus die Kopfschilder zweier jungen Trilobiten. In Fig. 5 und 6. erkläre ich den milllercn Längswulst für den Kopfbuckel, an dem sich durch Einschnürungen die einzelnen Abschnilte desselben erst ausbilden, während der kleinere milllere Höcker das anfangs zu schwache und daher imdeulliche, einfache Auge des jungen Trilobiten dar- slellt, das verschwindet, wenn sich mit zunehmendem Alter die zusammengesetzten Augen auf den Wanoen gestaltet haben. Der hinlere Querwulst ist der Artikulatiohsrand dieses Kopfs childes mit dem ersten Rumpfringe, und die Höcker vor demselben sind die hinterste Abtlieihmg des ganzen Kopf])uckels. Der Gesammtform des Buckels wegen könnte dieser Agnoslus am füglichslen das Junge von Olemis scarcihacoidcs sein, wofür ich ihn auch deshalb halle, weil beide in demselben schwarzen Alaunschiefer von Andrarum so häufig «^ich finden. — Der zweite BaUus (Fig. 7. 8.) ist dann sicher auch das Kopfschild eines jmiljen Trilobiten. aber von einer anderen Art, vielleicht von Olenus gibhosiis. Ich stelle diese Vermulhung deshalb auf, weil der Kopfbuckel der üenanntcn Species eben- falls nach vorn viel schmäler ist. inid ausser Olenus gihbosus keine andere Trilobiten - Art in den Grauwackengliedcrn Schwedens in hinreichender Blenire vorkommt, um der uu- 5V geheuren Anzahl dieser Jungen zu enlspreclien. Offenbar isl nehnilich die zweite Haupt- form der Balli die iiäufigere, daher auch die, welche bisher am meisten dargestellt wurde. Dalmmv's Abbildung der ersten Form (Pahtend, Taf. VI. Fig. 5.) ist von jungen Individuen enliiommcn und nicht ganz genau; dajjcgen hat IIisingkr von älteren Exemplaren eine etwas unlvlare Abbildung (Taf. IV. Fig. 6. seiner Lelhaea sneci'ca) gegeben. Uebrigens linden sich gar häufig beide y/gnosfi mit einander gemischt, während eine Mischung von IJruclislücken der beiden Ofeni unter einander sehr selten ist. Aus diesem Unislande könnte, meiner Meinung luich, ein Einwurf gegen meine Annalune abgeleitet werden, den ich selbst durch Gegenangaben nicht entkräften kann. §• 25. Wenn es nach diesen Betrachtungen nicht unwahrscheinlich ist, dass die Trilobiten auch die Art der Enlwickelung mit den Phyllopoden theillen, so dürfte an einer völlig analogen Organisation beider Gruppen kaum noch zu zweifeln sein. Ein Umstand, der bisher ebenfalls ganz übersehen wurde, scheint diese Analogie noch mehr zu unterstützen. Es scheinen nehmlich unter den Trilobiten ebenfalls die drei Ilauptmodifikationsstufen des Grundlypus sich wieder zu finden, welche in den drei oben erörterten Familien der Phyl- lopoden gegenwärtig exisliren. — Wir sahen dort, dass es unbedeckte Phyllopoden giebt {Branchipvs) , Phyllopoden mit einem einfachen, waagrechten Schilde {Apus) und Phyllopoden mit einem zweiklapp igen, senkrechten (L/m/ir/dm). Ganz dieselben Bildungsunterschiede finden sich auch in den Krebsen, welche zur Zeit der Trilobiten leb- ten, wieder und bewähren dadurch die Analogie jener ersten Typen mit den heutigen Repräsentanten derselben, den Phyllopoden, auf's Ueberraschendste. — Ausser den ächten Trilobiten, deren breiter flacher, waagrechter Panzer gar keinen Zweifel lässt, dass wir in ihm das Analogon der einfachen waagrechten Schaale von Apus anzuerkennen haben, finden sich nehmlich in Schichten der Uebergangsforma- tion die Reste von zwei krebsartigen Thieren, von welchen das eine {^Cylherinci) mit einer zweiklappigen , der von Eslheriu völlig ähnlichen Schaale bedeckt war, während das andere {Etin/pterus) durchaus gar keine Schaale hatte, und dem Brandt ipits analog sein dürfte. Von Cytherina hat sich nichts weiter als die Schaale erhalten ; sie hat nach Hisinger's (Lethuca suecicci) Abbildung eine so vollständige Uebereinstimmung im Bau mit der schon erwähnten Gattung Eslheria*^ , dass es kaum noch nölhig ist, ein Wort über die Verwandtschaftsverhältnisse beider Formen zu reden. Jedem Kenner niuss es einleuchten, dass die frühere Annahme, in diesen Schaalen die Reste der Galtungen Ci/pris *) Vgl. Strauss im 31itseum Senkenhergianum, Tom, II. p. 119. Taf.l. und die noch vortrefflichere Darstellung Ton Joly, in den annal.des scienc.nalur.nouv.ser. Tom.ll. p.293. p/. 7— 9. 1842. 8 58 oder Cylhere zu vermuthen, weniger passend sei, als die von mir ausgesprocliene Ver- wandtschaft. Dagegen dürften die späteren Formen aus dem Süsswasserkalk, welche man als Ci/pris fdhu aufführt , dieser Galtung wirklich angehört haben. Schwieriger mag manchem Leser die Beweisführung erscheinen, dass Eiirypterus ein schaalenloser Trilohit sei, wie Branchiptis ein scliaalcnloser Pliyllopod ist; allein auch in dieser Annahme glaube ich keinesweges zu irren. Die Abbildungen, welche kürzlich Har- lan in seinen mcclical and physic. rescarches. png. 298. gegeben hat, lassen darüber keinen Zweifel; aus ihnen und aus der ähnlichen Figur von G. Fischer {nolice sur f Euri/plerus de Podolic. Mose. 1839.) habe ich meine Ansichten zusammenge- stelll. Das Tiiior bcsass hiernach einen Kopf, der zwar breiter erscheint als der Kopf- buckel der Trilobiten, weil er weicher war und plattgedrückt ist, ihm aber sonst in dci' Form entspricht. Man erkennt daran zwei grosse mondförmige Augen, in denen das schwarze Pigment des Zentrums noch sehr gut von den über demselben verbreiteten Glas- kugeln und Linsen sich unterscheiden lässt, wie die Figuren IIarlan's deutlich zeigen. Ohne Zweifel waren auch diese Augen zusammengesetzte mit einfacher glatter Hornhaut. x\n der Untcrlläche dieses Kopfes scheinen 3 Paare von Organen zu haften ; zwei ziem- lich kurze, ungleiche am Vorderrande, deren Gliederung nicht mehr erkennbar ist, wohl aber erscheinen die langen Borsten, mit denen sie besetzt waren, deutlich. Ich halte sie für die Fühler, welche den 2 ersten Bewegungsorganen der jungen Phyllopodcn entspre- chen. Das dritte Bewegungsorgan des Kopfes war länger als die beiden anderen, derber, deutlicher gegliedert, borslenfrei, aber am Ende mit Haken bewehrt; es dürfte der ac- cessorische Mundtheil gewesen sein, dessen sich das Thier zum Ergreifen seiner Beute bediente. Hinter ihm folgte nun am ersten Bruslringe, dies geht aus Harlan's Figur 2 entschieden hervor, ein Paar grosser, breiter, gegliederter, doch ebenfalls weicher Ru- derfüsse, deren Gliederzahl 5 gewesen zu sein scheint. Ohne Zweifel trugen auch sie Borsten an ihrem Rande, aber die Feinheit derselben vcriiinderte wohl den Abdruck. Mit diesem ersten Brustringe zähle ich in Harlain's Fig. 1. zwölf Ringe, in Figur 2. sind nur zehn deutlich, aber das Ende des Hinterleibes ist beschädigt; Fischer hat vier- zehn Ringe dargestellt, und eine weitre Menge durch seine Figur noch angedeutet. Ueber- haupl scheint dieser Abdruck, wegen der scharfen Scitenzacken der Rumpfringe, auf spe- zifische Unterschiede hinzuweisen. Lidess könnte man in diesen Seitenlappen auch die äussersten Enden der übrigen Ruderfüsse vermuthen, und dabei annehmen , dass dieselben nach der Analogie von .4pus (Taf. VL Fig. 1.) viel kleiner waren, als das erste Paar. Dieser Ansicht bin ich ganz entschieden und glaube, dass in d*en Figuren von Harlan und Dekay die Füsse nicht sichtbar sind, weil das Thier durch die Steinmasse bei seiner Umhüllung zu breit gedrückt wurde, um auch die äussersten Enden der Füsse hervortre- 59 teil zu lassen. Vielleicht war auch gerade bei diesen Exemplaren die weichere Bauchseite des Rumpfes mit den Füssen bereits abgeschält, was wohl denkbar ist. Uebrigens glaube ich, dass man von den sämmtlichen Ringen 9 auf den eigentlichen Brustkasten rechnen müsse, die folgenden aber dem Ilinlerlcibe anheiin geben. Dafür spricht eines Theils die starke Verschmächtigung dos Rumpfes vom neunten Ringe an, und die nunmehrige gleiche Breite der folgenden, anderen Theils die abweichende Bildung dieser ersten Ringe in Fisciier's Figur. Hier erscheinen zwar die ersten 6 noch viel eigenthümlicher als die ih- nen zunächst folgenden 3, allein man darf bei der übrigen Gleichheit des Baues zwischen dieser Art und den nordainerikanischen wohl annehmen, dass beide ein gleiches Zahlen- verhällniss im Brustkasten gehabt hal)en müssen. Dann kommen auf den Hinterleib 3 oder vielleicht 6 Ringe, und dieses Verhällniss würde dem herrschenden Typus der Trilobilen lind Phyllopoden enlsprcchen. ludcss ist auch eine Theilung beider Kürperabschnitte in 6 und 6, oder in G und 9 Ringe denU)ar; ja durch die Analogie von Jpxis und Plin- cops Ahlh. II. sehr wohl erklärlich. §. 26. Nach so vielen Analogieen und Uebereinstiminungen des Baues zwischen den Tri- lobiten und Phyllopoden ist es ohne Zweifel erlaubt, auch eine Aehnlichkeit in der Lebensweise beider Familien anzunehmen; ich schliesse deshalb einige dahin gehörige Be- trachtungen hier noch an. — Die Phyllopoden leben in stehenden süssen Gewässern, denen nur eine kurze Zeit- dauer vergönnt ist, besonders in Gräben, Lachen oder Pfützen, welche im Frühjahr schnell sich bilden, höchstens je nach der Jahreszeit bis in die Mille des Sommers bestehen und dann austrocknen. Während dieser Zeit sieht man sie gewöhnlich in zahlreichen Gesell- schaften bei einander, unermüdlich im Wasser herumschwimmend, bald tiefer bald höher: lirriHcJuptis am liebsten dicht unter der Oberfläche. Sie wenden dabei den Rücken nach unten, den Bauch nach oben, so dass die Füsse die Oberfläche des Wassers berühren, uud BrancJiipus trägt seine Augen in der Stellung, in welcher ich sie Fig. 3. Taf. VI. abgebildet habe, nicht rechtwinkelig vom Kopfe ausgehend. Durch diese Stellung der Augen kann das Thier sowohl nach oben, als auch nach unten blicken; y-Zpus dagegen, welcher unbewegliche Augen hat, sieht bloss nach unten, wenn er rücklings schwimmt, und muss sich drehen, Avenn er nach oben sehen will. Dies Verhällniss ist übrigens ganz natürlich, da beide Gattungen in ihrer normalen Stellung dicht unter der Oberfläche des Wassers ihre etwanigcn Feinde nur unter sich, nie über sich haben können, und also bloss von unten her sich gegen Nachstellungen zu sichern brauchen, denen sie übrigens in den bezeichneten Gewässern nicht gerade sehr ausgesetzt sind. Denn ihre Beule, die in an- deren kleinen Wasserlhierchen besieht, wird ihnen durch die beständige Schwimuibe^N e- — ^ eo — giing' von selbst zugeführt, und gelangt durch den Strudel des Wassers gerade zum Munde, üaher ist die Mundgegend und Mundhöhle bei vielen im Weingeist aufbewahrten Thieren mit Schmutz und Uuralh oft ganz bedeckt oder erfüllt, Ruhen aber können die Phyllopoden nie, eines Theils weil es ihnen durchaus ganz an Organen fehlt, mit denen sie sich irgend- wo festhalten könnten, anderen Theils weil ihre Schwimmbewegung auch zugleich die respiratorische Bewegung ist, und diese, als eine automatische, nie sistirt werden kann. Limnadia und Esllieria habe ich noch nicht im Leben beobachten können, doch ver- hallen sich beide Gattungen ohne Zweifel ebenso; ob sie rückwärts schwimmen, weiss ich freilich nicht mit Gewissheit. — Die anderweitige Uebercinstimmung der Trilobiten mit den Phyllopoden lässt mich nun keinen Augenblick zweifeln, dass sie dieselbe Lebensweise wie letztere führten, mithin : 1) bloss schwimmend sich bewegten, und zwar dicht unter der Oberfläche des Wasser- spiegels; aber gewiss nicht auf dem Grunde umherkrochen, wie Herr Klöden (vgl. Verst. d. Mark Brandenb. S. 104.) vermuthet. — 2) In umgekehrter Stellung die Bauchseile nach oben, den Rücken nach unten schwammen und das Zusammenkugelungsvermögen zum Schulz gegen alle Angriffe von oben her benutzten. — 3) Von kleineren Wasserlhierchen, und in Ermangelung anderer, von der Brut ver- Wandler Arten sich ernährten. 4) Am Avahrscbeiiilichsten wohl nicht auf dem hohen Meere, sondern in der Nähe der Küsten, an flachen Stellen über Untiefen sich aufhielten imd hier in zahlloser Menge, doch nicht in sehr vielfach verschiedenen Arten, bei einander lebten. 5) Dass die Anzahl der Species an einer solchen Stelle nie sehr gross war, beweist auch die Art ihres Vorkommens im fossilen Zustande ; in sofern nicht leicht irgendwo mehr als 6 — 8 Arten zugleich in einer Schicht sich finden. 6) Die Anzahl der Arten ist überhaupt nicht sehr gross gewesen , wohl aber die Menge der Lidividuen ungeheuer; dafür spricht ebenfalls die Analogie der lebenden Phyllopoden, von denen man bis jetzt kaum ein Dutzend Arten kennt, die dennoch über ver- schiedene Gallungen vertheilt sind. 7) Die grossen Dimensionsunlerschiede heuliger Phyllopoden je nach ihrem Aller lassen auch solche Differenzen bei Trilobiten erwarten ; daher sehr grosse Lidividuen , wenn sie keine anderen Unterschiede darbieten, noch keine eigue Art anzeigen. Drittes Kapitel. Systematische Ueber sieht der Arten. Die Einordmmg der Trilobiten und ihrer Verwandten in das System der Krebse hat nun keine Schwierigkeiten mehr, sie dürfte sich am Schicklichsten in folgender Weise darstellen lassen : Zieht man, wie es den früheren Bemerkungen nach nölhig zu sein scheint, die Gat- tungen Cylheriuu und Eury-plevus mit den Trilobiten in eine Abtheilung zusammen, so erhält man eine den heutigen Phyllopoden an Umfang entsprechende Gruppe, für welche ich den DvuiAN'schen Namen Palaeadae in Anwendung zu bringen vorschlage*), und sie folgendermaassen charaklerisire. Die Pal äa den sind krebsartige Gliederthiere aus der zweiten Ordnung dieser Classe" {^Cfustacea Oslracodcnnuta Aspldoslraca s. Enlotuoslracft) ^ welche sich durch zwei grosse zusammengesetzte Augen, den Mangel einfacher Nebenaugen, kurze unentwickelte Fühler, nebst weichen, blattförmigen, Kiemen tragenden Füssen auszeichnen und durch diese Charaktere sich unmittelbar an die Phyllopoden anschliessen , vielleicht gar mit ihnen in eine Zunft vereinigt werden könnten. Ihr Ilauptunlerschied besteht alsdann in dem Mangel des allen Phyllopoden gleichen Zahlenverhältnisses von eilf Brustkastenringen, welches schemalisch durch die Formel 4X3 — 1 ausgedrückt werden muss. Statt dessen zeio-en die Paläaden schwankende Zahlenverhällnisse im Brustkasten, über deren Re- duktion auf konstante Formeln sich nichts Bestimmtes sagen lässt, weil wir weder die Zahl der accessorischen Mundtheile, noch die Lage der GescblechlsöiTnungen bei ihnen kennen. Sie bestanden eine fortschreitende Metamorphose, und bewegten sich bloss schwim- mend, wahrscheinlich rücklings, an flachen Stellen des Meeres über Untiefen sich aufhallend. Die ganze Gruppe zerfällt nach der Schaale in 3 Familien. *) Man \ergleic1ie meinen Artikel /f«/o»jo«/>oco in Ersch und Gruber's Enrjklopädie. I. Sect. Bd. 35. S. 134-, wo ich die BezieliungeB der Palaeadae zu den lebenden Plnllopoden zuerst angedeutet habe. 69 1. Familie. £ HR YPTEIKAUJiE. Eine Schaale ist nicht vorhanden. Der deutlich abgesetzte Kopf trägt zwei Paar borstiger Fühler, und ein Paar accessorischer Muudtheile. Im Bruslkasten finden sich wahrscheinlich neun (?) Ringe, von welchen der erste ein Paar sehr grosser, ruderfor- miger, fünfgliedriger Fiisse trägt; die folgenden kleinere, ähnliciie, gleich grosse Blatl- fiisse getragen zu ha])en scheinen. Der Hinterleib bestand aus 3 oder 6 Ringen und en- dete — mit ein Paar Ruderflossen? Hierher die einzige Gattung Eiirypterus Dekay, wovon drei Arten bekannt zu sein scheinen: 1. IL. reinipes; ziemlich schlank, das Endglied der grossen Flossenfüsse ebenso lang wie das vorhergehende. Länge des Kürpers S'A'S Breite oben l'/a". Dekay, iii den aimal. of Uie Lyc. of nal. h'isl. of New-York. I. 12. 291. pl. 14. ii. 375. pl. 29. (1826.) — Froriep's Noüz. 1827. XYIII. 1—3. — Holl Pdrcf. 155. — Bronn Leihacu. I. 109. Tab. IX. F. 1. — Harlan med. et phys. res. 297. c. fig. — Mitschell, Am. viouulli. Magaz. III. 291. Im Thonschiefor (?) von Westmorcland, Oneida und New-York. 2. E. lacHslris; breiter, das Endglied der grossen Ruderfüsse viel kleiner als das vorhergehende; Länge des Kürpers fast 5", Breite 27,". — Harlan a. a. 0. 298. c. fig. In Grauwackenschichlon bei WlUiamsville , 7 Engl. Meilen von Buffalo. — o. E. lelragonopJilhalimis ; Augen ferner von einander, viereckig (?); der ganze Bau sehr schlank, besonders der Hinterleib, die Glieder vielleicht scharfeckig. Länge fast 2 Zoll, Breite y,. G. Fischer im Diillel. d. l. soc. hup. d. Natur, de Moscou 1839. II. 127. pt.T. f. 1. und des- sen NoVtce sur VEurypt. de PodoUe. clc. Moscou 1839. 4. — Im Uebergangskalke oder Grauwacken-Sandslein Podoliens beim Dorf Zvilevy, 20 Werst südlich von Kamenelz. — Es ist wahrscheinlich, dass die von Scouler unter dem Namen Eidotea beschriebene Versteinerung einer Art dieser Galtung angehört. Man kennt davon bloss Bruchstücke, die auf den Kopf und den Anfang des Brustkastens von Eurypterus passen, indess dann gewiss einer verschiedenen Art angehören. Man sehe darüber nach;-CliEEK's Edinb. Journ. of nal. science. 1831. June N. S. HL 352. pl. 1. — Leomi. u. Bboms's Jalirh. 1S32. 251. - BiiOio, Lelhaea I. 109. 98. Tab. IX. Fig. 2. und Hibbeut in den Transacl. of ihe Royal soc. of Edinburgh. 1834. , welche ich nicht vergleichen konnte. — 63 9. Familie. ClTTllERIMIIlAi:. Die Thiere steckten in zweiklappigen bolinenförniigen Schaalen, welche sich allein erhalten haben. Gegen den äusseren weiteren Rand sind sie mehr oder weniger zuge- schärft, am geraden oder Rückenrande etwas verdickt. Sie wechseln in der Grösse von '/j_V^", seltener 1". Die einzige hierher gehörige Gattung Ci/therina bedarf noch emes genaueren Stu- diums, da es mehrere zeither verwechselte Arten zu gehen scheint. Wahrscheinlich sind jedoch nur die Exemplare aus dem Bergkalk wirldiche Gattungsgenossen , und die späteren auch zu Ct/pris gezogenen Arten aus der Kreide- und Terliärformation eine ganz andere, eigenthümliche Gruppe. Einstweilen kann man hierher ziehen: 1. C. ballicn; Hisinc. Leih, suec'ica 10. tob. I. fig. 2. und lab.ZQ. (ig. 1. — 2. C. phdseohts; Hising. ibid. tab.l. fig.i.— und dessen Anleckning i Phys. och Geogn. V. lab.S. fig.d. — KiöDKN Verst. d. Mark Brundenb. 102. Taf.l. Fig. 10 — 11. €4 S. Familie. TKai^llIsaTAI^. Der Körper isl von einem angewachsenen Panzer bedeckt, Avelclier aus so vielen Ringen heslehl, als wie viele Glieder der Bruslkaslen (?) hat; Kopf und llinterleih umkleidet ein einziges grosses Schild, das gleich den Panzerringen des Rumpfes, einen seitlich frei her- vorragenden breiten Saum besitzt. Die grossen Augen liegen im Seitenlheile des Kopf- sciiildes , entfernt vom eigentlichen Kopfe. Eine eigenlluirnliche Naht durchzieht das Kopf- scliild, und tlieilt dasselbe in 2, 3 oder 4 besondere Stücke. — Die zahlreichen Mitglieder dieser im ersten Kapitel ausführlicli beschriebenen Familie erlauben eine fernere Einlheilung in natürliche Gattungen , deren passendste Grnppirung die folgende sein dürfte. I. Trüobiten oliitc IiHi^;'eiimg'svermög;eii. Die Trilobiten dieser Abtheilung scheinen entschieden älter zu sein als die folgenden, und finden sich vorzugsweise in den imtersten Silnri sehen oder obersten Cambrischen Schich- ten, haben indess auch einzelne Arten der folgenden Gruppe als Begleiter neben sich. Man erkennt sie leicht an der Bildung der Seilenlappen des Rumpfes, in sofern dieselben immer in ihrem ganzen Verlaufe gleiclie Breite besitzen und nie sich auf der nach oben und aussen gewendeten Seite gegen den Rand hin verschmülern , was immer bei den Mitgliedern der zweiten Gruppe der Fall ist. Die Seitenlappen der hierher gezogenen Trilobiten stellen didier parallelseilige schmale Streifen dar, die durch eine schiefe Furche in diagonaler Richtung getheilt zu sein pflegen. Es herrschen aber bei genauerer Untersuchung in ihrer Conüguralion zwei verschiedene Typen, die zu neuen Unterscheidungen die Hand bieten, daher ihre allgemeine Schilderung in keine näheren Details eingehen kann. Durch die Kleinheit der Augen, deren flache Wölbung und mehr langgestreckte Form zeichnen sich die Arien dieser ersten llauptgruppe noch ferner aus. Fast von allen (die Gattungen Odontoplcura, Bvonlcs und Harpcs ausgenommen) und namentlich von den in Grau- wacke, in Thonschiefer und Alaunschiefer abgedrückten Individuen, kennen wir bloss die Innenflüche der Schaale, nie die versteinerte Schaalc selbst mit ihrer wirklichen Ober- llächc. — Wie schon erwähnt wurde, zerfallen sie nach den Seilenlappen in 2 Unter- ablheilungen. 65 1. Die Seilenlappen der Rnmpfr'mge liegen durchaus in einer tind derselben Ebene, knunmen oder biegen sich nichl nach unten, enden aber hinterwärts in eine mehr oder weniger hervorgezogene, mitunter sehr lange Spitze, die in ihrer Hauptrichtung mit der Richtung des Lappens einen etwas stumpfen Winkel bildet. Auch hier giebt es noch mehrere Unterablheikingen, die sich sehr leicht von einander unterscheiden lassen ; sie sind in dem Mangel oder der Anwesenlieit eines grossen Schwanz- schildes begründet. A. Mit einem einfachen, grossen, dem Kopfschilde an Umfang wenig nachstehenden Schwanz- schilde , dessen Achse vielgliedrig ist und die Länge des Rumpfes erreicht, oder gar übertrifft. — OGYGIIDAE. Zu dieser Gruppe gehören die beiden Gattungen Trinucleus (mit 6 Ringen) und Ogygia (mit 8 Ringen). 1. Gatt. Trinucleus MuRCH. Cryptolithus Green. Kopf Schild ziemlich halbkreisförmig, mit ringsum erweitertem warzig punktirfem Rande und in einen langen Stachel ausgehender Hinterecke ; der mittlere Kopfbuckel hoch- gewölbt, hinten vor dem Rande stark verengt, ohne Seitenlappen oder Furchen. Augen und Gesichtslinie noch nicht beobachtet. Rumpf kurz, die sechs Ringe schmal, kaum halb so breit wie die Seitenlappen; letzlere mit deutlicher diagonaler Furche und feiner kurzer Ecke. — Schwanzschild dreiseitig; die Achse sechs oder mehrgliedrig, die Seiten mit radialen Furchen, deren Zwischenräume am Umfange durch einen neuen kurzen Radius gespalten sind; der Rand aufgeworfen, scharfivantig. — Anmerkung. Man kennt mehrere Arten ans den unteren Silurischen Schichten Englands, Nord -Amerikas, Schwedensund Böhmens. Einige Schriftsteller geben nur fünf Runipfringe au, was indess auf einem Irrthume oder fehlerhafter Conservation des ludividuuuis beruhen dürfte. — 1. Tr.Cataracli: limbo scuti cephalici orbiculari, concentrice pimclalo ; angulis poslicis subrecUs, longe spinosis; caudae basi annulala, limbo scuti elevato. Long. V4 — l'A". Taf. I. Fig. 1. 9 66 Trin. Cataracü Murchis. S. S. II. 659. pl. 23. fig. 1. a. b. c. d. e. — Brock. Cr. f. pl 4. fig. 7. Ä. B. C. pag. 145. — Lhwoyd PliU. Tr. Vol. 20. pag. 243. pl fig. 8. — Bigsby Amutl. of Ihe Lyc. of n. h. of New-York. I. 214. pl. 15. f. 1. — Emmr. diss. 51. 6. — MiLNK Edw. Crusl. III. 331. 1.— Asaph. Cyllarus Uisivg. Leih. suec. sitpp. IL tab. 37. f. 3. Kopfschild ziemlich halbkreisförmig, breiter als lang, der erweiterte Saum mit 5 — 6 concenlrischen Reihen von Grübchen besetzt, in denen sich kleine Warzen erheben; Hin- terecken schief vorgezogen , in einen langen (dem Körper gleichen), spitzen, runden Sta- chel auslaufend. Kopfbuckel fast zweimal so lang wie breit, vorn ziemlich halbkugelig, hinten zusammengeschnürt, mit der Andeutung eines Höckerchens jederseits an dieser Stelle. Sechs deutliche Körperringe, die Achse derselben noch nicht hall) so breit wie die Lap- pen. Schwanzschild dreiseilig, mit am Aussenrande leicht erhabener, scharf abfallender Kante; die Achse in ihm nur bis etwas über die Mitte hinaus gegliedert, mit 6 Ringen, dann einfach; die Seitcnlappen mit sechs radialen, gegen den Rand gespaltenen Streifen. In einer gelblichen Grauwacke , nacii Exemplaren (26, 1 und 2.) des Berl. Museums beschrieben. Findet sich in den unteren Silurischen Schichten Englands, Schwedens, Nord- Amerikas (Montreal) und falls die Abbildung von Sternberg (Verhandl. d. vat. Mus. 1833. Fig. 2. b.) zu dieser Art gehört, auch in Böhmen. 2 Tr. granulatus : limbo scuti eephalici orbiculari, punclato; angulis posticis lobato- producUs, breve mucronatis; scuto caudae subsemicirculato, rhachide tota annulata, annulis 8—9. Long. 73 ". As. grunulahis Wahl. n. ad. Ups. VIII. 30. 5. lab. 2. fig. 4. — Dalm. Pal. 43. 4. Taf. 2. Fig. 6. — Brogn. Cr. f. 36. pl. 3. f. 7. — Milne Edw. Cr. III. 332. — Boeck. Gaca norw. 41. — Tritt. Lloydii Murch. S. S. II. 6G0. pl. 23. fig. 4. — Emair. diss. 53. 9. — MiLNE Edw. /. /. 4. — Kopfschild der Form nach \vio bei der vorigen Art, aber die Hinlerecken sind in breite, einander parallele punklirte Lappen vorgezogen, welche hinterwärts noch über die Körper- ringe hinausragen und zuleizi in eine feine Spitze ausgehen, die kürzer ist, als der Lap- pen. Rumpfringe (angeblich fünf) schmal, kaum halb so breit wie die Seilenlappen. Schwanzschild kreisabschnillförmig, kürzer als ein Halbkreis, die Achse ganz gegliedert, die Seilen mit C — 7 Rippen. — In einem schwarzen Kalkstein aus den oberen Straten der unteren Silurischen Schich- ten; selten. 3. Tr.fimhrialus: liinbo scuti eephalici dilatato, radiatim granulato; angulis posllcis irre- gulariter granulalis, subreclis, mucronatis; cauda tota annulata, annulis 12 — 13. Long. 1". MuRCHis. l. l. pl. 23. fig. 2. — Luid. lehn, brill. cpist. I. pag. 29. fig. 23. — Emmr. diss. 52. 7. — MiLNE Edw. /. /. 2. — Asaph. seticornis, Hisinger Leih. sacc. 2. supp. Tab. 37. Fig. 2. ~ Sars Isis 1835. Taf. VJIl. Fig. 4. d. (gewiss nicht das Sclnvaiizschild eines Ampyx). 67 Kopfschild kürzer und breiter als bei den vorigen Arten , der Saum vorn und an den Seilen mit Poren in radialer Stellung ; die Hinterecken nicht eingezogen , ziemlich recht- winkelig , unregelmässigcr porig granulirt , mit langem, ziemlich geradem Endstachel. Der Kopfbuckel nach hinten wenig verschmälert, mit schwachen Spuren von Seiteneindrücken, nur w euig länger als breit. Rumpfringe undeutlich , Schwanzschild länglich dreiseilig, die ganze Achse bis zur Spitze gegliedert, lang, besteht aus 13 und mehr Ringen; die Sei- len mit 12 radialen Rippen, der Rand scliarfkantig. — Alimerk. Tr'm. 7mdiis Mürch. ihid Fig. 5. halte icli für dieselbe Art, deren Siuim am Kopf- scliilde abgebro'heii ist. Man vergleiche damit E.mmrich's Figur '^. — 4. Tr. ornafus: llmbo scuti cephalici antice augusto, exlus posliceque lato, sed cou- stricto ; angulis poslicis acuminalis , longe spiiiosis. Tril. onudits Sterne. Veilt. 1833. 53. /ig. 2. u. — Tr'm. rad'iahis Murch. /. /. fig. 3. — Emmr. diss. 52. 8. — Milne Edw. /. /. 3. uml 332. — Boeck Gaea nonc. 42. Kopfschild ebenso kurz und breit wie bei der vorigen Art, aber der Saum am Vor- derrande schmäler und die Warzen nicht in Strahlen, sondern in (4 — 5) concenlrischen Reihen; die Seiten sehr stark erweitert, mit 5 — 6 Porenreihen, aber gegen den Ilinler- winkel wieder stark eingezogen, so dass diese Gegend des Randes Sfürmig wird. Der Endstachel lang, dünn, spitz. Der Kopfbuckel eiförmig, vorn höher und stumpfer, mehr kugelig. Rumpfringe und Schwanz noch nicht genau bekannt. Aiimerli. Ich halte die Angabe von Murchison, dass der erweiterte Rand nur 2 Reihen Warzen habe, für unrichtig; Graf Sternberg bildet auch 4 — 5 ab. Tr'ui. asuphoides Murch. /. /. Fig. 6. scheint mir dieselbe Spezies mit abgehrochenem Saume des Kopfschildes zu sein. Wenn diese Vermu- thuiig richtig ist, so würde das Schwanzschild dieser Art kürzer dreiseitig, aber die Aclise e])enfalls vielgliedrig sein luid etwa 10 — 11 Seitenrippen haben. Vielleicht gehört indess dieser Rumpf eben- falls zur vorigen Spezies. — Beide finden sich selten bei Builth in Lhandeilo Schichten und in Böhmen. Graf Sternberg's Exemplare lagen in einem sehr mit Sclwefelkies durchzogenem Gestein aus der Gegend zwischen Zebrak und Proskai es. Aehnliche Bruchslücke bemerkt man auf den von Zenker (Beitr. Taf. IV. Fig. N — 5.) abgebildeten Kalkkonglomeraten von Karl s- h litten und Beraun, aus denen, wie aus den Schwanzschildern einer ganz anderen Art, Verfasser sein Olctrion diffraclum zusammengesetzt hat. Diese Gattung ist daher aus der Trilobiten -Liste völlig zu streichen. — 5. Tr. tesselldlus: limbo scuti cephalici parabolico, tessellato-punctato; sculo cau- dae triangulari. Long. V2 ". Cryptol. lessell. Green. Mo7i. 73. fig. 4. — Modell no. 28. — Bronn Leih. I. 117. 105. Taf. IX. Fig. 13. — Emmb. disserl. 50. 2. — Harlan Zool. res. 304. — 9 * 6§ Nach Al)bildung und Gypsabguss zu urlheilen länglicher und schmäler als die übrigen Arten ; die Form des Kopfschildes mehr parabolisch, die Seitenlappen der Körperringe mehr gewölbt; das Schwanzschild dreiseitig, ziemlich spitz. — In einem schwarzen Kalkstein von Trentonfalls und Glenfalls in New-York ; auch auf der Insel Montreal. — Weder die Abbildung, noch die Beschreibung geben bestimmtere Unterschiede als die erwähnten an, daher ich die Art für unsicher halte. Dasselbe gilt noch mehr von Tr. Bi'gsby {^Geolog, of llie Island of Montreal , im Lyceum of naltir. hisf. of New York, pag. 214. und Green/, l.) und Nuttainia concentrica Eaton (geolog. text booTi)^ die ich daher übergehe. — 2. Galt. Ogygia Brogn. Kopfschild halbkreisförmig oder parabolisch, flach; der Kopfbuckel massig gewölbt, nach hinten verengt, mit 3 schwachen Seiteneindrücken; Wangenschilder in eine mehr oder weniger lang ausgezogene Ilinterecke verlängert. Augen massig gewölbt, halbkreisförmig, in der Mitte neben dem Kopfbuckel angebracht. Gesichtslinie sehr deutlich, läuft dem Vorderrande parallel, zwischen ihm und dem Kopfbuckel, in einem Bogen nach links und rechts, w^endet sich dann unter einem abge- rundeten beinahe rechtem Winkel zum Auge, bildet über dem die bekannte Platte, und wendet sich von da Sförmig gekrümmt und in der Ilauplrichtung dem Hinterrande parallel zu ihm hin, auf etwa Vs seiner Erslreckung vom Kopfbuckel in ihn mündend. Rumpf entschieden achtgliedrig*), die Glieder kurz aber ziemlich breit, doch schmä- ler als die halben Seitenlappen; letztere gerade, flach, am Ende stark nach liinten gebo- gen, zugespitzt. — Schwanzschild dem Kopfschikle entsprechend, seine Achse so lang wie der Rumpf, vielgliedrig, seine Seiten mit radialen Furchen, deren Zwischenräume durch kleinere halbe Radien wieder getheill sind. Vorkommen. In den ältesten Versteineruns'en führenden Lasen. A u 111 e r k u ii g. Diese Gattung steht ia einem so aiiifallemleu Venvandscliaftsverhältniss zur vorigen, dass es wahr- haft ülierraschend ist, sie bisher öfters mit den ganz heterogenen Asaphus-Xrttn ziisamracngeworfen zu finden. Man sieht deutlich, dass auch genaue Beobachter, wie Emmrich und Boeck, die zoolo- gische Seite dieser Petrificate nicht immer richtig würdigten. — *) QuENSTEDT Teftheidlgte die nach defekten Exemplaren gemachten 7gliedrigen Figuren; alle gut erhaltenen Exemplare die ich sah, hatten acht Ringe. 69 1. O. Bucfu'i: scuto capilis caiulaeque scmicirculato ; illius angulis posticis acumi- natis. Long. 3 — 5". Taf. I. Fig. 2. Lhwoyd phil. Tr. Vol. 20. 279. iub. add. fig. 15. — lehn. hril. Ep. I. lab. 22. f. 4. (sec. Brunn.) — Tiil. dllalalus Brunn. Kjobcnh. Widensk. Selsk. S)v/7. 1781. I. 393. IV.— Parkins. org. reviams elc. III. pl. XVII. f. 13. 15. (?) — As. d. Dalm. Palaeud. 67. 8. lab. III. fig. 1. — E.>imr. diss. 28. 5. — Sars Isis. 1835. 336. /«6. VIII. fig.ö. — Isot. ditut. MiLNE Edw. Cr. III. 302. 9. — Asaph. de Buchü Brogn. Cr. f. 20. 2. pl. II. ßg.^. A.B.C. — ScHLOTH. Nachlr. II. 34. 8. — Dalm. Pulaead. 68. 9. — Murch. &U Sys/. II. 662. pl. 25. /". 2 e< 3. (jung.) — Emmr. diss. 28. 5. — Milne Edw. Cmst. III. 309. 5. Kopfscliild ziemlich genau halbkreisförmig, der Längsradius vielleicht ein wenig kürzer als der Querradius ; Kopfbuckel flach gewölbt, vorn am; stärksten, hier abgerundet, nach hin- ten verengt, mit jederseils drei leichten Quereindrücken, wodurch zwei vordere schmälere, und ein dritter hinterer breiterer Seiteidappcn undeutlich begränzt werden; der Hinterrand ziemlich bemerkbar aufgeworfen. Augen nicht gross, halbkreisförmig, entsprechen in ih- rer Stellung den beiden vorderen schmäleren Lappen des Kopfbuckcls. Wangenschild mit einer dem Aussenrande concentrischen kanalartigen Vertiefung und stark vorgezogener llin- lerecke, die bei kleineren Exemplaren bis zum dritten, bei grösseren bis zum sechsten Hinlerleihsringe reicht. — Rumpf deutlich achtgliedrig, bisweilen durch Verschiebung zweier Ringe nebeneinander siebengliedrig (vgl. d. Anm. 2.), die Ringe schmäler als die halben Seitenlappen, massig gewölbt; die Seitcnlappen ganz flach, am Ende bogig nach hinten gekrümmt , mit starker Diagonalfurche , die aber die Endecke nicht ganz erreicht. Schwanzschild wie das Kopfschild geformt, doch sein Läiigsradius grösser als der Querradius, daher der parabolischen Form angenähert; die Achse nach hinten allmälig verjüngt, am Ende zugerundet, deutlich gegliedert, die Zahl der Ringe in ihr nach dem Alter verschie- den, gewöhnlich 13 mit dem etwas längeren Endgliede , bei jüngeren Exemplaren 11, bei älteren bis auf 17 gesteigert; die Radien neben der Achse auf dem Schilde gewöhnlich um 2 klemer als die Gliederzahl der Achse, bei 13 Gliedern also 11, mit den schwachen Spuren eines zwölften Strahls neben den beiden auch undeutlicher gesonderten Endgliedern ; die Zwischenräume zwischen den Strahlen durch eine schiefe Diagonalfiu-che wieder ge- Iheill, mithin den Seitenlappen der Rumpfringe ganz ähnlich. — Au merk. 1. Asaph. dilalaius nnd Buchn der Schriftsteller sind gewiss nicht von einander ver- schieden, sondern eine und dieselbe Art. Die Abbildung bei Dalman ist nach einem Gypsabguss ge- fertigt und eben deshalb so undeutlich. Ans diesem Grunde habe ich auch die spätere Benennung vorgezogen, weil nur unter ihr die Art deutlich dargestellt worden ist. Parkinson's, Brogniart's und Murchison's klare Figuren lassen über die Identität derselben Art keinen Zweifel. Auch Lhwotd's älteste Figur in den phil. Tr. stellt diese Art ziemlich gut dar, daher sie auch ans der lehn. brit. von Brünnich zitirt wird. Die Individuen wechseln übrigens gar sehr in der Grcisse; ich habe an ei- KO nein Haiulstiick der Hallenser Sammlung (Nr. 639.) ein Scliwanzschild vor mir , das kaum die Grösse eines Silbersecliscrs besitzt, aus 11 Gliedern in der Achse, einem ziemlich laugen ungetlieilten Ead- gliede und 10 Iladien besteht. Durch fortschreitende Theilung dieses längeren Endgliedes hei zuneh- mendem Alter vermehrt sich die Zahl. Ein anderes Exemplar desselben Gesteins (eine schwarzgrane Grauwacke von unbestimmtem Fundort) wurde von mir dargestellt und mit ganz vollständigen Stücken des Berliner Museums (Nr. 9. 8. und 9. 9.) verglichen. Anm. 2. Hr. Quenstedt vertheidigt die siebengliedrige Bildung dieses Triloliiten, und slützt sich dabei auf die Abl)ildungen von Dalman und Brogmart (2. A.), so wie auf Originalexemplare. Allerdings giebt es im Berl. Museum zwei gut erhaltene Stücke (Nr. 9. 1. und 9. 5.) mit nur sieben deutlichen Gliedern, aber auch andere, völlig so deutliche mit acht (Nr. 9. 8. und 9. 9.), daher jene Zahl lediglich durch Verschiebung zweier Ringe untereinander entstanden sein kann. Bedenkt man, dass es blosse ScJiaalen waren, welclie die uns aufliewahrten Abdrücke veranlassten, so ist ein sol- ches Verschieben sehr wohl begreiflich und um so leichter, je schlechter die Hülle sicli erhalten hatte. Dasselbe gilt von der folgenden Art. 2. O. Gtiellardi: sciilo cnpitis caiidaeque parabolico ; illius angiilis poslicis longissime acuminalis. Long. 3 — 6 Zoll. Taf. I. Fig. 3. Brogn. Cv. foss. 28. 1. pl.3. ficjA. A.B. — Bronn Leih. I. 119. lab. IX. (ig. 19. — BrcK- LAKD M'iner. et Geol. pl. 46. /'. 9. — Milke Edw. Crusl. III. 337. 1. — Dalm.. Pulnead. 72. 1. — Emmr. disHeti. 27. 1. T/7/. Guell. ScHOTH. Peivf. Nttchlv. II. 93. 1. und 35. 13. Ogyg'm Mwch'isoni Murch. SU. Syst. 664. pl. 25. /". 3. a. (die unlere Figur ü. gehört nicht zu Of/ygiu, sondern zu einem Astiphii.'i.) — Milke Edw. /. /. 338. 3. Kopfscliild länglich paral)olisch , ziemlich spitz; der Kopfbuckel, soweit er sich er- kennen lässt, wie bei der vorigen Art gebildet; die Augen länglich elliptisch, die Hin- lerecken des Wangenscliildes so lang wie alle Runipfringe zusammen genommen, oder noch länger. Acht Rumpfringe, ihr Querdurchmesser grösser als die halbe Breite der Sei- tenlappen, beide relativ länger als ])ei der vorigen Art. Schwanzschild länglich parabolisch, ziemlicii spilz, mit breiter Achse, die nur ])is auf V« der Länge des Schildes reicht und aus neun Ringen besteht; die Seltenlheile mit 8 radialen Streifen. Im schwarzgrauen Thouschiefer von Angers; nach Exemplaren des Berl. Mus. (Nr. 10. 1.) Anmerk. 1. In Guettard's Abhandlung über die Schiefer von Angers (Mem. de l'ncud. de sc'ienc. 1757. S. 82.) findet sich keine Figur dieser Art, höchstens könnte Taf. 7. (V.) Fig. 3. hier- her gezogen werden. Anm. 2. Murchison beschreibt in seinem mehrmals erwälinten Werke mehrere Trilobiten, welche von anderen Schriftstellern zu Ogyg'ia gezogen worden sind, allein nicht hierher gehören. Asaplt, comdens'is 663. pL 25. fig. 4. schlicsst sich zwar durch manche Verhaltnisse an O. Buch}} an, ist aber wahrscheinlich ein achter Asaphus, wenn anders die Scitenlappen der Rumpfringe rich- tig dargestellt sind. — 71 — Dagegen ist Asaph. dttplmüus ihid. Fig. 8. wohl nichts als ein breifgedrücktes SchwanzscLild der Ogygia Buch'n im jugciidliclieii Alter. Asaph. lyrantms. 662. ^^/. 24. u. /^/. 25. f. 1. gehört auch nicht zn Ogygia, sondern ebenfalls lu Asaphus. — Anm. 3. Ogygia Desmuresfi Brocn. l. l. 28. 2. pl. III. fig. 1. — Schloth. Nachlv. 23. 2. u. 35. 14. — Dalm. Palaed. 72. 2. — Milne Edw. Crusl. 338. 2. — Emmr. diss. 27. 2. Abdruck eines Bruchstücks von der unteren Seite, daher die parallele Steifuiig des Kopfschildes, bietet zu wenig Merkniahle dar, als dass es sich ycrioliiite, darauf eine eigne Art zu gründen. Vielleicht gehörte dasselbe bloss einem sehr grossen Exemplar der Ogygia Buch'ii an , dessen Ringe theilweis über einander geschoben sind, und deshalb so schmal erscheinen. Zu Ogygia gehört es indess sicher. Guettard's Figuren, die MiliXk Edward's zitirt , beziehen sich auf eine ganz audere Art, meinen Illaenus giganlcus. B. Mit einem einfachen, ebenfalls noch ziemlich grosse?! Schwanzschilde, dessen Achse jedoch aus icenigen Gliedern besieht und immer kürzer ist als der Rumpf. Man kann die hierherg-eliörig^en Gallung-en nach der Anzahl der Runipfringe in die acht gliedrigen und zehn gliedrigen theilen. a. Acht gliedrige Trilobitcn mit kurzer gegliederter Schica7izachse und mangelndem Kugelungsvermögen. — ODONTOPLEURIDAE. 3. Gatt. Odonfo])leura Emmr. Acidaspts MURCII. ? Diese merkwürdige GalUing schhcsst sich im Habitus unmittelbar an die vorige, und ist schon deshalb zoologisch höchst interessant, weil ihre beiden Arten sich habituell auf die- selbe Weise von einander unterscheiden, wie die der vorigen. Das Kopf Schild ist kreisabschnitlformig , nehnillch der Längsradius viel kürzer als der Ouerradius; der ziemlich gewölbte Kopfbuckel ist der Länge nach ungetheilt, hinten verengt und mit einem starken Artikulationswulst versehen; seitlich erweitert er sich, und hat hier drei andere kleinere Buckel in 2 Reihen neben sich. Die Gesichtslinie ver- läuft ganz ähnlich wie bei Ogygia^ bildet vorn einen Bogen vor dem Kopfbuckel, zieht sich dann nach innen zum Auge, wendet sich von da zum Hinterrande, und dringt auf 'A von der Endecke in ihn ein. Die Wangenschilder sind daher breit, am ganzen Aussen- rande verdickt, aufgeworfen, ziehen sich vorn vor dem Mittelschilde vorbei, und tra- gen oben an ihrer erhabensten Stelle, nach hinten zu neben dem hinteren Rande des äusserstcn Kopfbuckellappens, ein sehr kleines Auge. — — ^^ — Die Rumpfringe, acht an der Zahl*), sind schmal, aber stark gewölbt, und die Seilenlappen liegen in einer Ebene; jeder hat eine erhabene Querwulst, und einen lan- gen, schief nach hinten gerichteten Endstachel. Das Schwanz Schild hat eine kurze zweigliedrige Achse, nur eine erhabene Seilenrippe, aber grosse starke Randstacheln am äusseren Umfange. Die Oberfläche des Körpers ist mit Warzen imd Höckern regelmässig bekleidet. Vorkommen; in den oberen Silurischen Schichten (dem Kalkstein von Wenlock entsprechend): Eifel, Schlesien, England. — 1. O.ovaUi. Corpore ovalo, dilatalo, undique fimbrialim spinoso; lobis trunci bispi- nosis, scuto caudae duodecics spinoso. Long. '/» Zoll. Taf. II. Fig. 1. Emmr. dhs. 53. adj. lab.fiy.Z. — BuUus luberadulus Klöden, Verst. d. Mark Branden- burg. 112. Taf. I. Fig. 16-23. Dieses ausgezeichnete Thicr liegt in einem gelblich leberbraunen Kalkstein, der als Geschiebe in Schlesien vom Herrn Bocksch gefunden wurde. Durch Herrn v. Decheiv o-elangle das einzige bekannte Exemplar in die Berliner Sammlung, und von ihm entnahm ich Beschreibung und Abljildung. Der Umfang ist eine breite Ellipse, deren Querdurchmesser über Vs des Längendurch- laessers belrägt. Die Länge des Kopfschildes nimmt davon etwas mehr als Vo fort; der Hauplbuckel ist in der Mille glalt, an den Seiten granulirl, die beiden folgenden kleine- ren Buckel neben ihm haben viele kleine Körnchen , der drille äussere hat vor der Augen- gegend 3 grössere Höcker und viele kleinere ; die Wangenschilder sind gleichmässig gra- nulirl und ihr äusserer aufgeworfener Rand ist zugleich mit einer Reihe Höcker und Stacheln "■ezierl. die ich nur in der Mille des vordersten Endes vermissle. Auf dem Arlikulalions- wulst sieht in der Mille ein sehr grosser Höcker, neben ihm jederseils ein etwas klei- nerer, und um diesen mehrere ganz kleine. Die Achsentheile der Rumpfringe haben ne- ben der Mille zwei ziemlich grosse Höcker, und neben diesen »nach aussen jederseils 2 kleine. Auf den Seitenlappen zeigt sich ein erhabener Wulst, welcher am Rande in einen Stachel ausgeht, und auf seiner Fläche mit 7 abwechselnd grösseren und kleineren Höckern i)osel/A ist; vor ihm bemerkt man, wie hinler ihm, eine Querreihe anderer sehr kleiner Höcker, und am Rande vor dem Stachel einen zweiten Ideineren, welcher der vorderen Höckerreihe enlspricht. Diese kleine Stacheln sind alle gleich lang, die grösseren werden nach hin- ten zu allmälig länger. Das Schwanzschild ist etwas kleiner als das Kopfschild, von •') Herr Emmrich giel)l nur sieben an, liat aber, weil vom fünften Gliede beide Seitenlappcu al)ge- l)roclieD sind . dieses ül)erselien «nd dalier beim Ziililen ausgelassen. Man vergleiclie seine und meine Figur, TS grösseren und kleineren Höckern bedeckt und am Umfange slachelig; die Stacheln, deren Anzalil 6 auf jeder Seite ist, sind gleich lang und gleich gross, zu dem dritten von der Mitte wendet sich der vom ersten Achsenringe ausgehende Wulst. — An merk. 1. Ballns lubcrcuUüus Klüdew's l)enilit eiitscliieden auf Kopfbnichstiicken dieser Ar«- Fig. 16— 19. siml Abdrücke ohne Scliaaleiiieste, Fig. 20— 23. hesser erlialtciie Stücke mit dcrScIiaale- Fig. 22. a. ist am deiitliclisteii erkannt, die anderen Formen mehr oder weniger ungenügend. Anmerk. 2. Vielleicht gehört Grak v. Mü^ster's Trtnrtclms gibbosus, Beitr. III. 47. Taf. V. Fig. 27. als Bruchstück des Kopfscliildes zu dieser oder der folgenden Art. % O. elllplica: elongato-elliplica , lohis Irimci uiiispinosis, scuto caudae dccies spi- noso. — Long. 'A". Taf I. Fig. 4. Pitmdoxides ■l-mucromilus. MvtxCe. Sil. Stjul. U. C^öH. pl.ii. j'kj. 10. — Ac'hI(ix))/s Bviijhlu, ibid. f. 15.? — Arges armulus , juv, Goldf. n. ad. ph. med. soc. Caes. Lcop. Cur. n. c. Vol. XIX. ;). I. pug. 355. iub. 33. pg. 1. d. e. — In einem grauen Kalkstein der Eifel; nach einem Exemplar der S.vcK'schen Samm- lung. Das Kopfschild ist nur in einem kleinen Theilc vorhanden, gleicht aher so weit dem der vorigen Art; indess ist der sichtbare Theil des Vorderrandos mit dickeren Knöt- chen besetzt und die Lappen neben der Stirn scheinen mir schmäler zu sein. — Rumpf- ringe sämmtlich vorhanden (8.), aber nur die 2 letzten vollständig, auf jedem 2 kleine seitliche Knötchen; die Seitenlappen schmäler als der doppelte Ring, jeder ebenfalls mit 2 Knötchen, und einem langen von dem Wulst ausgehenden Stachel; einen zweiten vor- deren Randstachel bemerke ich nicht. Schwanzschild viel kleiner und schmäler als bei der vorigen Art, die Achse mit 2 Ringen, Der erste sendet einen lappigen Wulst zum Hin- lerrande, der in den vierten grössten Randstachel jederseils ausgeht; die 3 früheren nach vorn successiv kleiner, die beiden mittelsten (der fünfte jeder Seite) so gross wie der zweite. — Anmerk. Dass die von Goldfuss gelieferte Figur hierher gehört, ist ganz sicher; sie ist auch zu sehr yon den übrigen seines Arges arvutlus Terschieden, als dass eine Arleinerleiheit denk- bar iviUe. MuRCHiso.\'s Fig. 10. stellt ebenfalls unzweifelhaft diese Art vor, ob aber Fig. 15. das Kopfschild ist, wie ich mit Emmrich vermuthe, muss noch dahingestellt bleiben. — 4. Gatt. Arges Goldf.*). Da ich diese Gattung nicht aus eigner Ansicht kenne, so theile ich hier einen Aus- zug aus Herrn Goldfüss Beschreibinig mit. *) Der Gattungsname ist nicht gut gewählt, da es schon eine von G. Fischkr aufgestellte Milbengat- tuug Argas giebt; auch die anderen Namen desselben Verfassers leiden an ahnliclien Uebelstiinden. Harpes erinnert zu sehr an Harpa oder Harpax, und Brontes nannte schon Fabricius eine Kafergattung. 10 Kopfs cliild hoch gewölbt, auf der Mitte des Buckels zwei sehr hohe rückwärts o-eboo-ene divergirende Stacheln; die Seiten hinter dem Wangentheil ebenfalls mit einem Stachel bewehrt, der Rand schmal, hinterwärts in eine den Rumpfgliedern an Länge gleiche o-eboo-ene Ecke hervorgezogen. Unten eine gewölbte stark herabhängende Mundplatte, die bogenförmig den vordersten Kopftheil hinter dem Rande (den Clypeus) umfasst. Auo-en und Gesichtslinie nicht erkennbar. Rumpf wahrscheinlich achtglicdrig (in der Figur sind mir sieben Ringe deutlich dargestellt) ; die Ringe und die Seitenplalten hoch gewöDjt, nach hinten breiler, der Quer- durchmesser jedes Ringes grösser als die Breite der Seilenlappen, letztere am Rande in einen Stachel ausgezogen ; die einzelnen Ringe nach hinten successiv breiter und grösser. Schwanz Schild gross, mit fast einfacher, scheinbar ungegliederter Achse, auf welcher ein lauger rückwärts gebogener Stachel sitzt; der äussere Rand abwechselnd mit 24 o-rösseren und kleineren Stacheln bewehrt ; die Seilentheile mit undeutlichen radialen Wülsten. Die ganze Oberfläche fein granulirt, auf dem Umfange, da wo Stacheln ent- springen, grössere Höcker. — Vorkommen, im Uebergangskalk der Eifel. Die einzige bekannte Art ist yi. nrmatus, GOLDF. in nova acta ■phys. med. soc. Caes. Leop. Carol. n. cur. Vol. XIX. p. I. p. 355. Tab. XXXIII. Flg. 1. — «c. — Vollständig bis 2 Zoll lang, der Rumpf etwa 10 Linien, — Die Granulation scheint gleichmässig zu sein, sie bildet auf den Ringen und Seitenlappen eine Querreihe grösserer Höcker, welche kleinere be- gleiten. Das Schwanzschild zeigt radiale Wülste, die zu den grösseren Randstacheln jeder Seite sich begeben; zwischen dem ersten und zweiten derselben findet sich ein kleinerer Stachel, zwischen den drei folgenden jedesmal zwei; die beiden mittelsten Hauptstacheln unmittelbar am Ende haben keine kleineren Stacheln zwischen sich. V5 b. Zehngliedrige Trllobllen mit kurzer ungegliederter Schioatizachse und mangelndem Kugclungsvcrmögen. 5. Gatt. Brontes Goldf. Die Schwanzschilder dieser Gattung sind häufig genug, alles übrige aber ist so selten, dass ich nie mehr als jene untersuchen konnte. Daher dürfte die Charakteristik der Gruppe noch mangelhaft sein. Am Kopf Schilde sind immer die Wangenschilder abgebrochen, und daraus sclilicsst GoLDFUSs auf ihre wirkliche Abwesenheit, die mir aber nicht zulässig zu sein sclieint; der übrige Theil hat vorn und liinten einen aufgeworfenen Rand, einen vorn mit dem Rande zusammenstossenden stempelfürmigen flacli gewölbten Buckel, der durch seitliche Einschnitte in vier von vorn nach hinten successiv kleinere Lappen getlieilt und an der Stelle des dritten und vierten stark verengt ist. Die Gesichtsnaht, welche nach meiner Ansicht das Kopfschild an beiden Seifen begrenzt, entspringt vorn vom Rande dicht neben der Ecke des Kopfbuckels, läuft an beiden Selten parallel geradlinigt zum Auge, das ne- ben dem dritten Lappen des Kopfbuckels zu liegen scheint, bildet über ihm die bekannte Deckplatte, inul wendet sich c/5 förmig gebogen zum Hinterrande, in den sie auf der Mitte jedes den Seitenlappen der Rumpfringe entsprechenden Abschnittes einmündet. Die zehn Rumpfringe sind kurz, fast ebenso breit wie ihre Seitenlappcn, in die Quere gewölbt; die Seitenlappcn nach aussen flach, stark hinterwärts gekrümmt. Das Schwanzschild ist sehr gross, kreisrund oder etwas parabolisch; es enthält vorn eine ganz kurze eingliedrige Achse, von der radiale Furchen und Leisten ausgehen. Vorkommen, im Uebcrgangskalk der Eifel und des Fichtelgebirges bei Ebersreuth. 1. Br. ßuhcUifcr: superficie tota granulala; cosfis scutae caudalis cjuindecim. — Long. VU—VU". Goldf. /. /. 361. fig. 3. — Br.rudialus Gr. Münster. Be'dr. III. Nr. 1. Taf.N. Fig. 13. a. b Die Granulation besteht auf dem Kopfschilde aus ziemlich grossen Höckern, zwischen denen noch ganz kleine vorkommen; die Rumpfringe und Seitenlappen haben eine Quer- reihe von Höckern; das fast kreisrunde Schild zeigt 15 erhabene Rippen, die durch ziem- lich ebenso breite Zwischenräume getrennt sind, und auf jeder Rippe viele ziemlich kleine gleich grosse Höcker, je 2 oder 3 neben einander. Die Mitte des ganzen Scliildes ist gewölbt, gegen den Rand verflacht es sich und breitet sich in einen waagrechten Saum aus. Aumerk. 1. Die Tora Herrn Grafen t. Münster abgebildeten Scliwanzscbilder scheinen etwiis breit gedrückt zu sein und dadurch ilu* mehr elliptisches Ansehu bekommen zu ha])en. 10"' ^G — A u m. 2. Derselbe bildet a. a. 0. Fig. 14. 15 u, 16. noch drei Bruchstücke ab , welche Schwanz- scliildeni dieser Gattung ähuelu; Fig. 15. Br. suhradialus scheint mir von Br. flabelUfer kaum verschieden zu sein; Fig. 14. Br. coslulus nnd Fig. 16. Dr. Neplimi haben eine längere Achse, und ersterer zwar dieselbe Zahl der Kippen wie Br. flabelUfer , aber eine so abweichende Grösse nnd Bildung, dass ich darin gar kein ß»-o?j/cs- Schild erkennen kann; Br. Nepluni schliesst sich durch 9 flache Rippen ganz an Eni. lulicmidu Wahl, und scheint davon nicht verschieden zu sein. 2. Br. laticaudct : superficic glabra ; costis scutao caudalis tredecim. Long. ? Wahl in 7i. ad. Ups. VIII. 28. 3. — Brogn. Crusf. foss. 24. 5. pl. III. fig. S. — Sühloth. Pelref. Nachtr. II. 22. 5. 35. 12. — Dalm. PaUtead. 52. 13 u. 71. 18. VVaiileaberg beschriol) seine Exemplare aus einem weissen Kalkstein von Osmunds- berg in Dalekarlien, und in einem ganz ähnlichen lagen dicht gedrängt die Bruchstücke lieben einander, welche ich im Berl. Mus. (Nr. 7, 1 — 4.) untersuchte. Das Kopfschild bestand bloss aus dem Mittolstiick, zeigte in diesem einen vorderen und hinteren stark aufgeworfenen Rand, der dort breit und fast gerade, hier noch breiter und in der Mitte stark nach aussen gebogen war, welche Biegung den Rumpfringen entsprechen dürfte. Eni einfacher länglich elliptischer ungetheilter Kopfbuckel erfüllte die ganze Mitte desselljen, blieb aber vom Vorderrande entfernt. Etwas vor der Mitte bemerkte man an der Gesichtsnaht, die in ihrer Ilauptrichtung nach hinten divergirend verläuft, die Deckel- platte über dem Auge als Ausbiegung des Randes ; die Abschnitte vor imd hinter derselben waren S förmig. Wangenschilder fand ich nicht. Das Schwanzschild war mehr parabo- lisch, halte eine ziemlich gleichseitig dreieckige Achse, und 13 radiale, von der unpaa- reu mittleren nach den Seiten hin kürzere feine Leisten, von welchen die unpaare allein gerade ist, die paarigen seitlichen aber S förmig gebogen sind. — A n m e r k u n g e n. 1. Wahlene"erg bildet a. a. 0. ein Kopfstück ab, welches dem meinigen völlig gleicht; auch das Schwanzschild ähnelt dem von mir abgebildeten sehr, hat aber nur 9 feine Leisten, welche indess so unsymmetrisch stehen, dass schon hieraus die Falschlieit der Abbildung sich ergiebt. Ol) dennoch Graf v. Muasters Br. Aei)lu)i'i (s. d. vorige A.) hierher gehöre, wage ich nicht zu behaupte». 2. Die ganze Kopfliildung dieser Art ist übrigens so wesentlich von der vorigen (Br. flabcUifer) verschieden, dass ich die geiierisclie Uel)ercinstimmung beider noch selir bezweifele, und Br.lulkauda bloss hier aufführe, weil ich ihm keine iiessere Stellung anzuweisen wusste. Die ganze Gattung bedarf nocli einer viel genaueren Prüfung, wozu mir indess die nöthigen Materialien fehlen. 3. Die Gattung Lichas DaliM. (Palaead. o3. IV. und 72.; Enlomoslr. lachiialus Wahl./. /. 34. 8. fab.2. f. 2.; — Brogn. l. l. 35. 3. ;>/. 3. /jfiT. 3.; — Schloth. Nachlr. II. 36. 19.; — ÄIiL^E Edw. Cr. III. 344. 3.) übergehe ich, weil die davon bekannten Bruchstücke keine Charakteristik erlauben. Ein einfaches, aber 31appig an jeder Seite eingeschnittenes Schwanzschild mit halber ein- gliedriger Achse scheint sie dem Br. laücauda zu nähern. — — t^ — c. 31U einem einfachen, aber sehr kleinen Schu-ati'ischilde j dessen Achse mehrgliedrifj , aber stets r/el kiirxev ist als der Rumpf. — OLENIDAE. Die beiden hierher gehörigen Gallungen, Paradoxides und Olenus, wurden bisher von den Schriftstellern vereinigt, unterscheiden sich aber leicht und sicher am Schwanzschilde, das bei Paradoxides keine seitliche Erweiterung am Grunde hat, bei Olenus dagegen hier erweitert und dadurch im Allgemeinen dreiseitig gestaltet ist; jene Gattung hat 16 bis 20, diese 14 Runipfringc. — 6. Gatt. Paradoxides Brogn. Olenus secl. I. Dalm. Kopf Schild halbmondförmig, mit verdicktem aber nicht aufgeworfenem Rande; der Kopfbuckel kolben- oder eiförmig, massig gewölbt, nach vorn verbreitert, von der Ver- jüngung an durch 3 geschwungene Querfurchen in vier Abschnitte getheilt, deren hin- terster der Artikulationsrand mit dem Rumpfe ist. — Untere Kopfflache (Taf. I. Fig. 7. Eni. hucephalus Waiil. claulor.') mit einem schwächeren, dem vordersten Abschnitt des oberen analogem Buckel, der hinten mehr verschmälert und durch einen bogigen aufge- worfenen Rand begi-enzt ist, vor dem sich jederseits ein schiefer Quereindruck befindet. G e s i c h t s 1 i n i e n in ihrer Ilaupirichtung ziemlich parallel, beginnen am Vorderrande in der Höbe der Augen, wenden sich S förmig geschwungen zum Auge, bilden einen leicht gebogenen Deckel, und laufen wieder S förmig zum Ilinterrande zurück. Augen länglich mondförmig, flach gewölbt, entsprechen dem zweiten Ä.bschnitt des Kopfbuckels , reichen aber nach vorn bis fast zur Mitte des ersten, nach hinten etwas über den Anfang des zweiten hinaus; Augendecke etwas höher gewölbt, als der benachbarte Wangentheil. Wangenschild schmäler als die halbe Breite des Kopfschildes, vor dem Seiteu- raude mit einem bogigen Eindruck versehen, der auch am Hinterrande fortläuft und mit demselben Eindruck am Hinterrande des Kopfschildes zusammentrifft ; der Aussensavmi flach gewölbt, hinten in einen langen, wenig nach innen gekrümmten Stachel verlängert. Rumpf vielgliedrig , wie es scheint nur mit bestimmter Zahl bei den einzelnen Ar- ten (16 — 20.), die Glieder nach hinten allmälig schmäler und kürzer; die Seitenlappen anfangs in die Quere gezogen, und in diesem Theile etwa so breit wie die Rumpfriiige, dann in eine nach aussen und hinten gewendete lange Ecke hervorgezogen ; auf dem Quer- Iheile ein tiefer diagonaler Eindruck, der von der vordersten innersten Ecke nach hinten zum Anfange des Stachels läuft. 78 . Schwanz Schild kreis- oder eirund, ohne (?) Seitenlappen und erweiterte Seiten am Grunde; mit kurzer aber gegliederter Achse, und flachem bloss nach hinten ausge- dehntem Saume. Vorkommen in sehr alten (canihrischen Schichten) der Grauwacke, des Thonschie- fers und Alaunschiefors ; bisher nur in Böhmen, Schweden und bei Petersburg beobachtet. Anmerkung. Ich kenne \on dieser Gattung nur zwei wirkliche Arten durch eigene Untersuchung genauer, und führe daher nur diese hier als solche auf; alle übrigen einstweilen ül)ergehend, ohne damit über ihre Artrechte ein entschiedenes Urtheil fällen zu wollen. Naturforscher, die Gelegenheit ha])en, vollstän- dige Exemplare der \on mir nicht zugelassenen Spezies zu untersuchen, werden entscheiden können, wie weit dieselben von den beiden hier aufgeführten in der That abweichen, 1. P. hohemlcus: protuberantia capitis clavala; angulis sculi cephalici dimidio cor- pore lougioribus; trunco vieles annulato. — Long. 1 — 6". Var. luven.: annulis trunci 18.; lobo laterali secuudo in spinam longissimam extenso. Tab.I. Fig.6. Taf. I. Fig. 6. Olcmis pyrdiiiidaris , Zenker Be'ilr. etc. 41. Taf.lY. Fig. T. U.V. — Tril. gracU'is Boeck, Mmux: f. Nalnrw. I. fiy. 15. — Graf Sterneerg in d. Verhandl. d. caleii. ]\Jus. 1825. Tat'. I. Fig. 4. C. und 1833. S. 47. Aelale paulo provcdior (?) Tril. minor. Boeck /. /. fig. 12 — 14. — Var. senilis: annulis tniuci 20.; lobo laterali sccundo reliqiiis aequali. Tab. I. Fig. 5. Trilob. bolteniicus Boeck /. l. Fig. 2. — Graf Stebnberg /. l. 1825. 83. tab. I. fig. 4. A. B. 1833. 46. — KiKSKY in Borns Abhundl. elc. I. 246. Fig. 4. 5. 7. Tril. longicatuhdm Zenker Beitr. 37. Tiif.ö. Fig.A. — F. — E.>imr. dissert. 48. 4. — Milke Edw. Crusl. III. 341. 2. Olenus Tessini rar. 1. Dalm. Valaead. 73. MiUellheil des Kopfschildos ziemlich quadratisch , aber der Durchmesser zwischen den Auo-enplaüen ehvas grösser als der Längsdurchmesser; der vorderste runde Lappen am Konfbuckel länger als die drei anderen zusammengenommen. Endstachcl des Wangen- schildes länger als der halbe Rumpf; der Endstachel des zweiten Körperringes in der Ju- o-end el)cnso lang, nach und nach kürzer, und zuletzt nur den Stacheln der übrigen Rumpf- rino-e an Länge gleich. Rumpfringe in der Jugend minder zahlreich (bisweilen 10, ge- wöhnlich 18), im reifern Lebensalter wohl immer 20 (wenigstens habe ich nie mehr an vollständigen Exemplaren gesehen). Schwanzschild ganz eiförmig, nach hinten etwas brei- ter, fast abgestutzt, die Achse in der Jugend gliederlos, dann eingliedrig, im reifen Al- ler fünfgliedrig. — In einer schwarzgrünen Grauwacke Böhmens, bei Horrowic und Ginec; auch in Norwegen und Schweden, hier im Alaunschiefer, bei Olstrog, Dämmen und Carlsfors. V9 Anmerkungen. 1. Ol. pximmhlaUs Zenker, Tiil. gracilis Boeck kann ich in Uebercinstimmnng mit Graf Sternberg's illterei- Ansicht nur für jnnge Exemplare des Tr. lonykuiiJulm nnil bohemims der- selben Schriftsteller halten. Nicht bloss die völlig übereinstimmenden relativen Verhaltnisse des Kör- pers, auch die Zartheit der Hülle nnd die langen feinen Stacheln sprechen dafür. Die auffallende Verlängerung des zweiten (nicht dritten, wie schon Boeck u. Sternberg richtig gegen Zenker bemerken) Seitcnstachels weist auf irgend eine besondere Beziehung zu den jugendlichen Verhältnissen des Thierchcns Iiin (in sofern er mit dem laugen Stachel des Kopfschildes eine Scheere zum Anklam- mern gebildet zu haben scheint); seine Lilnge nimmt nach und nach ab, wenn die ührigen grösser werden, ist aber auch an halb erwachsenen Individuen deutlich. Für solche halte ich den TiH. mi- nor BoECK's. Dass die Ringe vielgliedriger Grus taceen mit dem Alter zunehmen nnd erst nach und nach ihre gehörige Zahl erreichen, ist jedem Kenner lebender Formen bekannt genug, als dass ich noch darauf hinweisen niüsste; ich beziehe mich dabei besonders auf eigene Untersuchungen der Phyllopoden nnd die ausführlichen neuen Arbeiten von Zadback und Joly {annales des sclenc. nalur. n. ser. 1840 und 1842.) — Oleniis lalus Zenker ibid. fig. W. X. — Milne Edw. l l 441. 3. ist entschieden dieselbe Art und bloss breit gedrückt. — 2. Auch Paradox, s. Olenus Tessini (Enlom. paradoxissimus Linn. 31iis. Tcss. 98. (ab. 3. ßg_ 1. _ Wahlenb. 7ioi\ ad. Ups. VIII. 34. tiib. I. fi(j. 1. — Brogn. Crast. foss. 31. pl. 4. fig. 1. — ScHLOTH. Pclref. Nachtr. II. 23. 1. — 35. 15. — Dalman Puluead. 54. 1. 73. 1. lab. VI. fig. 3. — Boeck Mag. for Nularw. I. 26. — BucKt. Miner. and Geol. pl. 46. f. 8. — Bronn Lclliaea I. 120. lab. IX. fig. 16. — Quenstedt m Wiegimmns Archiv 1837. 348. — EmiR. disscrf. 48. — Milne Euw. Crust. III. 340. 1. pl. 34. /. 11. — Hisinger Lcllutea suc- cica. 18. tub. IV. fig. 1.) scheint mir nach den aufgeführten Abbildungen und Beschreibungen kaum von P. bohemicus verschieden zu sein; wenigstens finde ich keinen sicheren und brauchbaren Unter- schied, In Linne's ältester Figur sind höchstens 17 Riimpfriuge angegeben und das Schwanzschild ist hier deutlich ohne Seitenlappen dargestellt. Wahlenberg bildet 21 Rurapfringe und 22 Seitenlappen ab, von welchen das letzte Paar am Schwanzschilde selbst haftet. DalxMAn's Figur zeigt zwar em ganz ahnliches Schwanzschild, aber nur 20 Ilumpfringe; beide versichern, nur unvollständige Bruch- stücke untersucht zu haben und gedenken des Schwanzschildes nicht nilher. Brogniart kopirte von Wahleneerg; Buckland, Bronn, Milne Edwards und Hisinger von Dalman. Ich halte demnach Linne's Figur des Schwanzschildes und Daljian's Zahlung der Rumpfglieder für richtig, und schliesse darum auf eine spezifische Uebereinstimmuug von P. bohciiiicas und Tessini. 3. Den Abdruck der Unterseite des Kopfschildes (Taf. I. Fig. 7.), den eigentlichen Chjpeus hat Wahlenberg als eine eigene Art abgebildet (/. /. 37. 10. tab. I. fig. 6.) und Enlom. bucephulus genannt. Ihm folgten Dalman (Palaead. 55. 2.), Schlotheim {Nachlr. II. 37.), Boeck (Mag. f. NaluriD. I. fig. 16.), Milne Edward's (Cr. III. 341.) und Hisinger (/. /. 18.) mit mehr oder minderen Zweifeln gegen diese Ansicht. Später erkannten Sars (Isis 1835. 342.), Quenstedt (Wiegni. Archiv 1837. I. 349.) u. A. den Zusammenhang beider Gebilde, wie er sich an einzelnen gut erhaltenen Exemplaren des P. bohemicus noch vollständig nachweisen lässt. Sehr instruktive Handstücke davon zeigte mir Herr v. Buch. Ich habe Fig. 7. Taf. I. die Abbildung einer solchen nn- 80 teren Kopffliltlic gegeben; die darauf sichtbaren coucentrisclien Linien sind allen Unterflilclien der Tri- lohiten eigen und wurden bereits von Zkxker a. a. 0. Fig. C. und D. angedeutet. — 2. P. spinulosus: prolubcrantia capitis parabolica; angulis sciili cophalici dimidio corpore brevioribus ; truiico scdecies annulato. Long. 1". Linke, acta Holm. 1759. 22. iub. l. f'ig. 1. — Wahlekb. n. u. Ups. YIIL 38. lab. l. /ig. 3. — Brogn. Cr. f. 32. pl. 4. /'. 2. 3. — Schloth. NacIUv.ll. 25. 2. 36. Iß. — BAtM.PdIaead. 56. 2-, 73. 2. tab. V. f. 2. — E.mmr. disserl. 47. 5. — Quknstedt , IVieym. Aicltir. I. I. 349. — MiLNE Ediy. Cnisl. IIL 342. 5. — Hising. Leih, sttec. 19. tab. IV. /. 2. — Ich habe von dieser Art nur einige nicht ganz deutliche Excniphu-e gesehen, die mit Waiilenberg's und Brogniart's Figur in der Hauptsaclie ilbereinsliminlen. Das Kopfscbild zeigt einen nach vorn nicht breiteren, vichuehr dorlliin aUinälig zugcruiideten Kopfbuckel, mit drei leichten Eindrücken an jeder Seite. Im Rumpfe zählte ich sechszehn Ringe, und ebenso viel scheint Dauian gesehen zu haben, während in seiner und Waiilenbeug"s Figur 17 angegeben sind. Die sehr gute Abbildung bei Bkogmaht zeigt 16; wohl die richtigste Zahl. Die Seitenlappen der ersten Rumpfringe sind sehr breit, breiter als die Achse, verschmälern sich aber nach hinten schnell, so dass die letzten schmäler als die Achse werden. Das Schwanzschild ist Idein, rundlich, (juerelliplisch, und hat keine Sei- tenlappen. — An denselben Orten mit P. bohcmiciis und Tessi'ni ; auch im Thonschiefer von Angers mit Ogygla GucUardl (vgl. Guettard. Mem.de Tacfid.d. scienc, Tom. XIV. iinn. 1757. pl. (VI.) 8. fg. 3. 4. 5.) — Anmerkungen. Verschiedene Arten, die noch ungenügend bekannt sind, scheinen übrigens dieser Gattung anzuge- hören, als solche erwähne ich: 1. Eine Figur, die Graf Razumo>vsky in den annal. des scienc. luitnr. Tom. VIIL pl. 28. I'ifj. 11. mitgetheilt hat, und die bei übrigens gleicher Bildung mit Ölen, bohem'icus sich durch einen langen Stachel am Ende des Schwauzschildes auszeichnet. — In Cambrischen Schichten zwischen Pe- tersburg und dem Ladoga-See. 2. Parad. Bolloni Dlgsby, Green 31on. of Tril. 60. fig. 5. — .Journ. of iJie acad. of nat. scienc. of Philitd. Vol. 4. pag. 365. pl. 23. — Harlan %ool. res. 303. — Milne Edw. Cumsl. III. 344. n. 1. — Gleicht am meisten dem P. sphmlosus, hat aber 14 Rumpfringe und Seitenlappen nebst einem kleinen Schwanzschilde, und scheint keine Stacheln am Kopfsthilde zu besitzen. Dieses war jedoch beschädigt. In einem schwarzen Kalkstein bei Lockport (New-York.) 3. Calgm. aclinura, Dalm. Kon. Vel. Acad. Hand. 1824. 370. tab. IV. fig. A.B. C. — HiäiNGER Leih. SHcc. 11. lab. I. fig. 7. — Milne Edw. Cr. III. 321. — mit 15 (?; Seiteulappcu und Rumpfrillgen, gleicht Im ganzen Ansehn dem Pur. Bolloni so vollständig, dass ich beide zu ei- 81 ner Art ziehen möclite. Sie sclieinen eine Lesoudere Gattung oder wenigstens UnteraLtlieilung vorzu- stellen, deren Charaktere jedoch sich noch nicht sicher feststellen lassen. 4. Parad. Harlani, Green SiUim. Am. Jour. of sc. and arls. Vol. 23. pag. 336. — HaRI. l. l. — MllNE Edw. l. l. 5. Alle übrigen zu Paradoxides oder Olenus gebrachten Arten dürften der folgenden Gattung angehören. — 7. Gatt. Olenus. * Paradoxides et Olenus aul. Kopf Schild wie bei Paradoxides gebaut, aber relativ breiter und kürzer; der Kopfbuckel parabolisch, nach vorn nicht breiter, vielmehr etwas schmäler und zugerundet, jcderseifs mit drei leichten Einschnürungen, die ihn in vier Abschnitte theilen, wovon der hinterste schmälste mit dem Rumpfe artikulirt. Augen länglich bogenförmig. Ge- sichtslinie entspringt vom Vorderrande in der Gegend des Auges, wendet sich von da winkelig gebogen, doch beide unter sich ziemlich parallel, zum Auge, bildet über demsel- ben eine bogige Platte und läuft dann S förmig geschwungen zum Hinterrande, beide in divergirender Richtung sich von einander entfernend. Wangen Schild ziemlich breit, mit aufgeworfenem Rande und spitzer aber nicht sehr langer Hiutereckc. Rumpf achse vielglicdrig (ob immer 14?); die Glieder schmäler als die Seitenlappeu, kurz, massig gewölljt; die Seitenlappen geradlinigt fortlaufend, bloss am Ende in eine kurze Spitze nach hinten ausgezogen; jeder mit einer diagonalen Furche von vorn und innen nach hinten und aussen. Schwanz Schild viel breiter als lang, kreisabschniltförmig, vorn gerade, hinten bogig oder stumpfwinkelig dreiseitig, mit deutlich gegliederter Achse. Vorkommen, in sehr alten Schichten mit Arten der vorigen Gattung. — 1. O. gibbosus: scuto capitis inter suturam facialem et umboncm luberculo Irans- verso signato; rhachi corporis (juaterdecies annulata, caudae quinquies. — Long. 1". Taf. III. Fig. 9. Tr. trtmcutus Brükn. n. ad. llafn. I. 391. — Modeer in Berl. GcseUsch. Schr'/ft.Yl. Tal- 2. Fig. 3 — 5. — Enlom. giObosns Wahleke. n. a. Ups. VIII. 39. 12. lab. I. fig. 4. — Brogk. Cr. foss. 35. pl. 3. f. 6. — ScHLOTH. Auclär. II. 26. 4. 36. IS. — Dalm. Palacad. 56. 4. 74. 4. — Boeck Mag. f. Xal. I. 24. — Emmr. disserl. 45. 1. — Mune Ediy. Crusl. III. 343. 4. — Hisikg. Leih, siiec. 19. lab. lY. fig. 3. — 11 88 Kopfschild wohl viermal so breit wie lang, die Achse desselben auffallend schmal; neben ihrem vordersten Ende findet sich links wie rechts ein erhabener elliptischer Buckel, welcher bis an die Gesichlsnaht anreicht (und durch seine Stellung ganz zu der Annahme berechtigt, als ob unter ihm in einer Vertiefung des Schildes ein Ideines, vom Kopf- buckel ausgehendes Fühlhorn gelegen habe). In der Rumpfachse vierzehn Glieder; die Lappen der ersten doppelt so breit wie die Achse, der letzten nur wenig breiter als letz- tere. Schwanzschild kreisabschniltförmig ; die Achse fünfgliedrig, mit eüiem vorderen Ge- lenkrande; die Seitentheile flach, ohne Strahlen, der Rand etwas aufgeworfen. — Sehr häufig im Alaunschiefer und Stinkstein von Andrarum. A u m e r k u u g e n. 1. In allen älteren Besclirelbungen und Abbildungen fehlen die Wangenschilder am Kopfe, weil sie Lestiüidig abgebrochen sind; indess liegen sie häufig genug neben den übrigen Resten, so dass an ihrer Anwesenheit nicht wohl gezweifelt werden kann. Bei Abdrücken junger vollständiger Indivi- duen zählte ich bestimmt 14 Rumpfglieder. 2. Asaph. lelragonocephalus, Green SlUbn. am. Joum. etc. Vol. 25. /). 336. — Emmk. dissert. 46. 4. — Miine Edav. Cr. III. 330. — ist dem OL gibbosiis zum Verwechseln ahnlich, so dass ich nach dem Gjpsmodcll, welches ich zu Beilin untersuchte, nicht im Stande war, genügende Artunterschiede aufzufinden. Ich zählte daran 14 Rumpfringe, und bestimmt 3 Schwanz- ringe, doch waren die letzten undeutlich und nicht vollständig. — Die Art fand sich im Alannschie- fer von Lockport. 3. BoECK hat in Keilhaus Gaca norwey'ical. (Leonhardt n. Bronn 2rs.VIII. 31. 6. Eni. luberculahis. — Calymene Blumcnbachii , Brogn. Cr. foss. 11. 1. pl. 1. fig. 1. A — C. — Schloth. Nachlr. II. 13. 1. und 33. 1. — Razoumowsky, annal. des scienc. nalur. VIII. pl. 28. fig, 4. — Dalman, Pulaead.'iä. 1. lab.l. fig. 2.^. a — c. — Payton, on Trilob. of Dudley. fig. 14. — — Zethus uniplicnlus, Pander, Beilr. elc. Tab. V. fig. 7. — Cal. Blunienb. Green, ßlon. 28. — Klöden, Versl. d. Mark Brand. 105. — Harlan, 7ued. el phys. research. 300. — 97 MuRCHisoN, SUiir. Syst. II. 653. pl. 7. f. 5 — 7. — Buqkland, Minor, et Geolog, pl. 46. /'. 1— 3. — Bronn, Lelliaea l. 110. 99. Tab. IX. fig.^.— Hisinger, Leih, sitec. 10. Tab.l. Fig. 3. 4. — ßoECK, Gaeu 7ioni\ I. no. 16. — Quenstedt, in Wiegmanns Arch. 1835. 1. 342. — Em.mrich, disserl. 39. 3. — L. v. Buch, Bcilr. ss. Geogn. Russl. 47. — Milnb Edw. Criisl. III. 318. 1. — Kopfschild mondförmig' , der Rand slark aufgeworfen, aber einfach, nach imten ver- dickt; Kopfbuckel undeutlich vierlappig, der erste vorderste Lappen grösser als der zweite, welcher von ihm viel weniger abgesondert ist, als vom dritten, dieser hoch gewölbt, aber kleiner als der vierte hinterste. Augen auf der Mitte der Wangen, nicht sehr hervorgezogen, in der Höhe des dritten Lappens angebracht; hinterer Artikulations- widst schmäler als der ihm vorhergehende Lappen. Im Rumpfe dreizehn successiv kleinere Ringe, ohne besondere Eigenheiten. Schwauzschild beträchtlich kleiner als das Kopfschild, die Achse kurz, breit, siebengliedrig, die 2 letzten Glieder undeutlich gesondert; die Sei- ten mit sechs radialen Furchen, von welchen die vier mittleren der Länge nach vom Rande aus gespalten sind. — Die ganze Oberfläche bei wohl erhaltenen Stücken fein granulirt (t'rtr. pitichella Dalman, l. l, /ig. 3.^, bei den meisten glatt, weil die oberste Schicht der Schaale fehlt. — Anmerkungen. 1. Die citirten Schriftsteller habe ich sämmtlich, so weit sie mir zugänglich waren, yerglichen, und mich überzeugt, tlass sie von dieser Art handeln. Nur die Abl)ildungen bei Brogniart unter A. B. und l)ei Murchison sind ziemlich genau; in allen anderen erkennt man die Grenzen vom Schwanz und Rumpf nicht bestimmt genug. Dalman's Figur mit zehn Rumpfringen ist falsch, und ebenso von Hisinger wieder kopirt. — 2. Zetlnis vemicosus Pander's, den Herr v. Buch zu dieser Art zieht, habe ich lieber zu Cal. Tvislani gebracht; dagegen dürfte dessen Z. tiniplicalus , mit welchem die Abbildung von Razujiowsky Fig. 4. übereinzustimmen scheint, hierher gehören. Der Kopfhiickel weicht zwar ab, möchte aber bei den Exemplaren genannter Schriftsteller unvollständig erhalten gewesen sein. — 3. Cal. plalys Green. 31on. 32. — Milne Edw. /. /. 320. 4. — halte ich nach dem Gypsab- giiss des Berl. Mus. für ein grosses Exemplar von Cal. Blumenbachii mit vollständiger Granulation. 4. Schon die vielfachen Citate beweisen das ausgebreitete Vorkommen dieser Art ; man findet sie jedoch nur in Kalksteinen, nnd wenn das Verhalten derselben in England als allgemeines angenommen werden darf, besonders in den oberen und mittleren (Lndlow, Dudley, Wenlock) Silurischen Schichten. In Schweden findet sie sich im Kalkstein Gottlands, in Esthland in den Petershurger Hügeln eben darin. In Deutschland scheint sie nur als Geschiebe vorzukommen und aus Skandi- navischen Gebirgen zu stammen. In Spanien fand sie Torrueia an der Grenze von Pardos, zwei Stunden von Molina de Arragon. In Nord- Amerika findet sie sich an verschiedenen Orten, na- mentlich bei Le])anon im Staate Ohio, und bei Trenton Falls in New-York. Ml'rchison er- wähnt auch Exemplare aus dem Cedar Gebirge vom Vorgebirge der guten Hoffnung. — 13 98 4. C. caUicephaJfi: linibo scuü cephalici incrassato; oculis altis externis, margi- nem superantibus; tuberculo capllis utrinquo Irilobo: lobis posticum versus majoribus. — Long. 2 'A ". Taf. IL Fig. 9. 10. Green Mori. 30. — Milne Edw. Criist. III. 319. 2. Im ganzen Habitus der vorigen Art am ähnlichsten , aber das Kopfschild relativ kür- zer und breiter, die Seiten stärker geschwungen, die Hinterecken mehr zurückgezogen. Der aufgeworfene Saum ist nicht sehr stark, am wenigsten vorn, wo er sonst am höch- sten zu sein pflegt. Die Augen sind ziemlich klein, stehen aber ganz auffallend weit nach aussen, so dass sie bei der Betrachtung von oben über den äusseren Rand des Schildes hinausragen; sie stehen vorn neben dem äussersten Lappen des Kopfbuckels. Dieser ist klein und sehr schmal, der zweite zwar wenig breiter, aber doch mehr nach aussen gerückt, der dritte ist auffallend breit, gross, halbkugelig und nicht bloss vom vorhergehenden, sondern auch von der Kopfachse durch eine Furche grösstentheils ge- sondert (wie bei Cal. Trislani). Den Rumpf und Schwanz habe ich nicht gesehen, nach Green bestehen beide zusammen aus 14 Ringen, wornach nur ehier auf den Schwanz käme ; die Achse des letzteren ist fast gleich breit, hinten also sehr stumpf, und die Sei- tenrippen sind nicht gespalten. In Nord -Amerika von Hampshire inVirgiuien, den Ufern des Miamis bei Cincinnati, und aus Indiania, in einem schwarzgrauen Kalkstein. Bei Iren ton falls, wo Cal. Blu- menbachii so häufig ist, findet sich diese Art nicht. Ich sah ein Gypsmodel des Kopfes (Nr. 2. Green) im Berliner Naturalienkabinet. A 11 ni e r k u u g e n. Die übrigen zn Cuhjmene gezogenen Arten stehen hei mir unter anderen Gruppen. 1. Cal. bcUulula Dalm. und Cul. condnna Dalm. sind die Repräsentanten zweier besonderen Gattungen; C aclinura ist schon erwähnt (S. 80.); C. sderops ist ein Pluicops ; C. pimdula kenne icli bloss im Schwanzschilde, sie bildet nach Boeck (Gaea noriccg. l. l. 13.) eine eigene Gattung mit Cal. rar'iolans. (Vergl. S. 93). 2. Ueber Green's verschiedene Arten kann ich folgende Aufklärungen geben: — C. selenoce- phula (S. 31. — MiLNK Edw. /. /. 320. 3. — Emmr. d'iss. 40. 6.) habe ich in einem Gjpsabgnsse in Berlin (Nr. 3. Green's) gesehen , mich aber der schlechten Conservation des dazu benutzten Haiid- stückes wegen nicht von sicheren Artmerkmahlen überzeugen können. Sie scheint mit C. Trisiuni am nächsten verwandt, ja vielleicht identiscii zu sein. — C. mlcrops Green (S. 34. Model 6.) ist eine PJuicops- Art, und soll unter dieser Gattung niilier besprochen werden; eben dahin gehören C an- dtiops CS. 35. Model 7.), aber nicht C. d'iops (S. 37. Fig. 2. Model S.), welche vielmehr mit Cal. condnna Dalm. eine eigne Gattung bildet. — C. macrophlhalma (S. 39.) ist ein Phacops und C. bufo (S. 41.) dicsellie Art. — C. odonloccphnla (Gr. Suppl. pag. 9. Milne Edw. /. /. 322. 8.) ist ebenfalls ein Pluicops, aber selbststaudige Spezies. 99 — 3. Murchison's Calym. Downingii. (Sil. Syst. II. 635. pl. 14. f. 3.) nnd Cal. luherculala (ibid. f. 4.) gehöreil zu Phncops, seine C. indelerminala (fig, 5.) ist vielleicht das Schwanzschild der letzteren, und dann einerlei mit Pli. lalifrons, wohin C. luherculala entschieden gehört. 4. MitNE Ediyard's Arten (a. a. 0. S. 318 — 328.) sind durch die früheren Angaben schon mit erklart, die einzige Cal. Slokesii (S. 324. no. 13. nicht Asaph. Slokesii Mürchis. /. l. fig. 6.) ausgenommen, welche unser Phacops lalifrons ist. Aaaphus Slokesii Murch. ist \ielleicht eine zweite Art der Gattung Harpes (S. 87.), wenn nicht gar ein kleines, schlecht conservirtes Indivi- duum Yon //. ungida. — 12. Galt. Homalonotus König- Trimerus Green. Murciiis. — Dipleura Green. Kopf Schild hyperbolisch, die Vorderecke ziemlich scharf, die Seilenränder sanft geschwiuigen , der Ilinlerrand ziemlich gerade, ohne rückwärls vorgezogene Ecken; die ganze Oberfläche sanft gewölbt, aber die Gegend am Aussenrande zlenilleh flach ausge- breitet, der Saum am Hinterrande durch eine Furche abgegrenzt, leicht gewölbt. Der Kopfbuckel ungelhcilt, nach hinten etwas breiter als vorn, nimmt dort etwa Vs des hin- teren Randes ein, verjüngt sich dann etwas, und rundet sich vorn zu; ohne Seltenlappen und Einschnitte, allein die Andeutung einer von der Gegend, wo die Augen neben dem Buckel stehen, ausgehenden, nach hinten gegen die Miltellinle gezogenen Furche findet sich noch 'ziemlich deutlich. Beide Furchen entsprechen den hintersten Furchen am Kopf- buckel der vorigen Gattung, und sondern die vo^^ere Kopfgegend, den Stirntheil, von der hinteren oder Kiefergegend ab. — Augen neben der Mitte des Kopfbuckels mitten auf den Seitenlheilen des Schildes angebraclil, vielleicht etwas mehr nach hinten gerückt, flach gewölbt, relativ noch kleiner als bei Caly?nene; gewöhnlich ebenfalls eingefallen. Gesichtslinie vorn dem Rande des Kopfschildes parallel, doch von ihm entfernt, scharf winkelig, auf der flachen Ausbreitung des Kopfschildes verlaufend; von da unter einem Bogen sich zum Auge wendend, über dem sie die bekamite Deckelplalte bildet, und dann S förmig geschwungen sich zur hinteren Seitenecke wendet, die von der Naht entweder im Winkel selbst , oder etwas vor der Spitze nach aussen zu halblrt wird. Rumpfachse dreizehnglledrig, entschieden nach hinten verschmälert; die Achse selbst wenig gewölbt, daher die Seilenlappen, deren Querdurchmesser kleiner isl als der Querdurchmesser der Achse, nicht so stark wie sonst von der Achse abgesetzt zu sein pflegen; der hintere Rand jedes einzelnen Achsenringes scharfkantig vorgezogen, mll- 13* unter (bei Di'pleurci) sogar etwas aufgeworfen ; der vordere oder Arlikulaüonslheil durch eine mehr oder weniger vertiefte Ouerlurche von dem hinteren Thelle des Ringes geson- dert. Dieser Charakter kommt keiner anderen Triloliitcngattung zu und scheint mir des- halb der wichtigste und eigenthiimlichste zu sein'''). Schwanzschild hyperbolisch, länglicher aber viel schmäler als das Kopfschild und im Ganzen kleiner; die Achse darin gar nicht oder deutlich gegliedert, sehr schnell nach hinten verjüngt, gleich anfangs selbst ein wenig schmäler als der letzte Rumpfring; die äusserste Endecke mehr oder weniger hervorgezogen. Die Arten dieser Galtung gehören zu den grüssten, aber auch zu den seltensten Tri- lobilen, und scheinen den oberen oder mittleren Silurischen Schichten eigen zu sein. Ich habe leider nur Blodelle oder unvollständige Exemplare untersuchen können. An beiden erkannte ich die Granulation, sobald noch Schaalenreste vorhanden waren, bestimmt; die abgeschälten Exemplare erscheinen dagegen stets ganz glatt. Nach dem Verhällniss von Achse und Seitenlappen ergeben sie 2 Unterabtheilungen, welche die meisten Schriftstel- ler als besondere Gattunffen aufführen. 'o^ A. Di-plenrn Green. Das äussere Ende der Gesichtslinie halbirt die Ilinterecke selbst. Die Achsenglieder sind nicht breiter als die Seitcnlappen , und sehr deutlich von denselben abgesetzt; letztere haben am unteren äusseren Ende eine Ausschweifung, mit welcher sie sich beim Zusammenkugeln unter den freien Saum des Kopfschildcs schieben. Der hintere Rand jedes Achsenringes ist stark aufgeworfen und der Ring selbst für sich allein hoch gewölbt. Schwanzschild wenig zugespitzt oder vorgezogen, die Achse unge- gliedert, die Seiten eben, rippenlos. 1. //. Decajl: scuto capitis dilatato, dimidia latitudine vix longiori ; oculis ellipticis; annulis trunci convexis, in margine poslico reflexo-dilatatis. Long. 2 '/o". '•'') Man niiiss bei Deutung der Briirlisfiiclie dieser Gattung gar sehr darauf achten, oh die Ahdiikke der Gürtel von der oberen freiem Hückeiifliiol.c lierrühren, oder von der inneren, gegen die Fleisth- masse des Tliieres geitelirleu. Im ersten Fall erscheint die Qnerfiirche, welche den Artikiilalions- theil •vom Ringe seihst sondert, als feine Linie, und so ist sie auch in Murchison's Figuren Taf. YII. und VII. bis, Fig. 1. 2. angegeben; im zweiten Falle dagegen ist es eine tiefe breite Furche, welche von einer nach innen heral)hangenden Hornleiste des Ringes herrüiirt, und da diese dick ist, auch so breit und tief in die Umhüllungsmasse sich eindrückte. So erscheinen Murchi- soN's Figuren 3. und 4. auf Taf. VII. Es zeigen daher auf die angegebene Weise von einander abweichende Alidrücke nicht verscliiedene Arten au, sondern verscliiedene Seiten des Panzers einer und derselben Art. Meine Figuren Taf. IV. erläutern den Unterschied im Bau der Pauzerriiige von Homaloiw/us und Calijmciie genauer und verweise ich über ihre Bedeutung den Leser auf die Erklärungen der Tafeln. — 1®1 — Diplenra Dehixj'i Gruen, Mon. 79. fig. 8. 9. — Bronn, Lclhaea. I. 113. 101. /}/. IX. f. 6. 7. — Harl. med. und. phys. res. 304. — Emmr. diss. 42. IV. — Milne. Edw. Cnist. III. 316. — Bronn, in Leonh. und lir. Jahrb. 1840. S. 447 see/. In vorscliicdeiicn Gegenden Nord-Amerikas, unter andern l)ei Lockporl, Madison, Steu- ben, Cazenovia, Uoclicstcr, alle inNew-York; ferner bei Nortlmmberland in Pennsylvanicn, Mounl Ilope in der Gegend von IJallimore. leb habe bloss die beiden Gypsabgüsse (Nr. 30 nnd 31.) von Greek's Handstiickcn untersuclicn können, und muss daher eine genauere Beschreibung unterlassen. Die deutliche Granulation und die scharfen Ränder der Körper- ringe lassen keinen Zweifel , dass die Kalkschaale noch an den natürlichen Exemplaren vorhanden war, womit der Mangel von Gliedern an der Schwanzachse sehr gut harmo- nirt. Sie fehlen wohl nur auf der Oberfläche, und sind auf der Innenfläche sichtbar; wie es die glatten Individuen ohne Kalkschaale zeigen. Gueen's Angabe von 14 Ringen be- ruht auf einem Irrthuni, die ModfcUe haben nur 13; denn der scheinbare erste ist der aufgeworfene Iliaterrand des Kopfschildes. B. Trimerus. Das äussere Ende der Gesichlslinie Irifl"! den Rand etwas vor der Ecke des Kopfschildes nach aussen zu. Die Achsenglieder sind breiter als die Seiteulap- pen, sehr wenig von letzteren abgesetzt, und am Hinterrande nicht aufgeworfen; eine deutliche Querfurche, die auch über die vordere Fläche der Scitenlappen sich fortzieht, trennt den Artikulationsrand vom eigentlichen Ringe. — Schwanzschild am Ende lang vor- gezogen, die Achse deutlich gegliedert, die Seiten mit Rippen. a. Arten ohne Stacheln und Höcker. Trimerus Green, Jlomulonolus König. 2. II. Knighin: scuto caudae acuminato, annulis rhachis S — 9, costis lateralibus 6, Long. corp. 3 — 4." König, kones secl'/l. I. 4. pl. VII. ^17.85. — Bronn, Leih. I. 119. 107. Tab. IX. fuj. 14. — MiiRCHis. üil. Syst. II. 631. pl. VII. fuj. 1—2. — Milnk Edw. Cr. III. 315. — Eomalon. Ludensis Murch. ibid. fig. 3—4. — Emmr. dissert. 41. 8. — Milne Edw. Ca III. 315. — Bronn, in Leonh. neuem Jahrb. 1840. 445. In Grauwackenschichten der Eifel bei Dann (nach Exemplaren der SACK'schen Samm- lung), und in den oberen Silurischen Schichten Englands. — Von dieser Art habe ich bloss zwei Schwanzschilder aus genannter Sammlung vor mir ; sie sind relativ kürzer und breiler als das der folgenden Art, die Achse ist flacher gewölbt, und am Ende bestimmter durch eine begrenzende Furche zugespitzt. Man unter- scheidet daran ausser dem nur theilweis erhaltenen Artikulationsrande 7 deutliche Gürtel, und einen achten, ja sehr schwach einen neunten, dem die kurze dreieckige Spitze folgt. 10» — Auf den Seiten stellen sechs starke breite Rippen. Die Spitze des Schildes ist zwar abge- brochen, allein man sieht deutlich, dass sie hervorgezogen war. — 3. //. delphinocephalus : scuto caudae acuminato, in apice reflexo; annulis rhachis 11 — 12, costis lateralibus 8. — Long. corp. 3 — 6". Trivi. delph. Green 3Jon. 82. f. 1. (Model no. 32.) — Emmr. d'iss. 41. 7. — Bronn, Le- Ihaea I. 112. 100. Taf. IX. fig. 5. — Homulon. delphinocephalus Murch. S'd. Syst. II. 651. pl. YII. bis, fig. 1. 2. — Milne Edw. Crust. III. 314. 1. In einer gelben, stark eisenhaltigen Grauwacke aus der Eifel (nach Exemplaren der SACK'schen Sammlung). Ferner im üebergangskalk Nord -Amerikas (Williamsvllle, Nia- gara, New- York) und Englands (Wenlock, Dudley). — Die reichhaltige Sammlung des Herrn Sack besitzet wohl ein Dutzend Schwanzschilder in verschiedener Grösse (von 'A — 2" Länge) nebst Bruchstücken aller Theile des Kopfes, und einigen Rumpfgliedern, die mit Murchison's klarer Figur in der Hauptsache überein- stimmen. Das Schwanzschild, welches mir die besten Artcharaktere darzubieten scheint, ist relativ länglicher, spitzer dreiseitig, am Ende sehr stark in eine Spitze ausgezogen, und hier etwas flach ausgebreitet. Die Achse ist zwar höher gewölbt, aber nach hinten nicht so scharf begrenzt wie bei der vorigen Art; ihre Ringe sind entschieden kürzer, aber höher und emzeln viel schärfer. Ich zähle ohne den Artikulationsrand 11 deutliche und einen sehr undeutlichen zwölften; auf den Seiten sind 8 gleich deutliche Rippen vor- handen, die weniger nach aussen und mehr nach hinten stehen. b. Arten mit dicken svinmetrischen Stacheln auf der ganzen Rückenflkche. Hoinalonotus Murch. 4. //. armalus: tuberculo capitis octies spinoso, lateribus scuti cephalici bispinosis; annulis Irunci bispinosis, rhachi caudae mulica. Long. corp. 3 — 6". Taf. IV. Fig. 1. In Grauwackenschichten der Eifel bei Dann. — Dieselbe Sammlung besitzt einzelne Bnichstücke dieser Art, aus denen ich das mitgetheilte , näher zu beschreibende Bild zu- sammengesetzt habe. Relativ breiter als die übrigen Arten, das Kopfschild hyperbolisch, am Umfange leicht aufgeworfen; der Kopfbuckel mit 8 Stacheln bewehrt, 6 grösseren in 2 Reihen, 3 auf jeder Seite, und 2 kleineren dicht neben einander in der Mitte vor den beiden hintersten. Wangenschilder mit einem grossen hohen Stachel seitlich und etwas hinter den Augen, ausserdem noch 1 Stachel jederseits auf dem erhabenen Theile des Hinterrandes. Rumpfringe mit 2 Stacheln, einem an jeder Seite dicht vor der Stelle, wo sie in die Seitenlappcn übergehen. Schwanzschild kurz und klein, die Achse sechsgliedrig, 103 unbcwchrt ; die Seiton jede mit drei Rippen , von denen die erste auf jeder Seite einen Stachel trägt; das Ende des Scliildes lang zugespitzt, stachelfürmig. — 5, H. llerschelii: annulis trunci quadrispinosis , lobis lateralibus unispinosis; rhaclii caudae in basi 4-spinosa, laleribus muticis. MuRCHis. Sil. Syst. II. 652. pl. VII. bis fig. 2. — Milnr Edw. Crust. III. 315. In oberen Silurischen Schicliten der Cedarberge in der Kapkolonie, mit Cal. Blu- menhachii und C. Trislani. (?) — Nach Mukchison's Abbildung besteht die Schwanzachse bei dieser Art aus 14 Glie- dern, die beiden ersten tragen jederseits einen Stachel; die Seiten scheinen eine den Gliedern gleiche Anzahl von Rippen, aber keine Stacheln zu besitzen. Von den Rumpf- ringen sind sieben vorhanden; sie scheinen mit vier, je 2 und 2 den Seitenlappen etwas mehr genäherten Stacheln besetzt zu sein, und ausserdem mag noch einer auf den Seiten- lappen selbst stehen. Das Kopfschild fehlt. B. Eilfgliedrige Tr'ilohilen mit Zusammenkugehtngsvermögen. Die Gruppe der eilfgliedrigen Trilobiten, welche Quenstedt zuerst absonderte und Emmrich weiter begründete, bestand bisher bloss aus der einen, von letzlerem benannten Gattung P/iftcops, scheint indess ebenfalls mehrere Genera zu umfassen. Ich habe nehm- lich wohl erhaltene Exemplare der Cnhjm. chivifrons Dalm.*) vor mir, die deutlich 11 Glieder besitzen, und nicht mit zu Phacops gehören, da ihnen weder die grossen Augen, noch die vorn vor dem Kopfbuckel verbundene, hinten die Seitenränder durchbrechende Gesichtslinie zukommen. Ich stelle sie daher als eigne Gattung Ci/phctspis hier auf. 13. Gatt. Ci/p7i(ispis. * Ccdijmene Daui. Sars. Kopf Schild fast halbkreisförmig, etwas kürzer, die Seiten stark herabgezogen, der Rand ringsum verdickt (daher bei blossen Abdrücken verlieft), der KopfI)uckel auffallend hoch gewölbt, einem halben Ei ähnlich, ohne alle Furchen, aber mit 2 Längswülslen neben dem hinteren schmäleren Ende. Die Oberfläche bei abgeschälten Individuen glatt, oder sehr schwach einzeln granulirt, bei bedeckten, deren Schaale mit pelrificirt wurde, *) Calymene clavifrons Dalm, ist tou Sars riclitig gedeutet, und nicht mit Cal. speciosa dessel- ben Tenyecliselt , wie Boeck meint; das Citat aus Sternberg bei DaliMAN entsclieidet und wi- derspricht der Definition, die üalman von Cal. speciosa gegeben hat. Offenbar hat Dal.mak selbst eine Yerivechselung der Kamen begangen. 104 — dicht und grob granulirt. Augen klein, auf hohen Hockern neben dem Kopfbuckel. Die Gesichlslinie durchschneidet den Vorderrand in der Höhe der Augen, wendet sich von da geradlinigt zum Auge, zieht sich hinler demselben nach aussen und durchbohrt den Hin- lerrand ziemlich nahe an der Aussenecke; letztere in einen Stachel hervorgezogen. Rumpf ringe, eilf an der Zahl, glatt, bei wohl erhaltenen Exemplaren fein gra- nulirt, die vordersten 5 mit fein zugespitzter Hinterecke, die übrigen abgerundet; alle nach hinten allmälig schmäler. Schwanz Schild sehr klein, mit gegliederter Achse, undeutlichen Rippen und stark abfallendem, von den Rippen nicht mehr erreichtem Umfange. — Anmerkungen. 1. Die Exemplare, worauf diese Gattung sich grüntlel, sind selten, und noch viel seltener wohl erhalten. In der Regel felilt der hohe Kopfbuckel ganz, was sich jedoch leicht au der Brucliflache erkennen lilsst. Solche Individuen ergeben Cahjm. belhtlula Dalm. ; ich habe 2 derscll)en vor mir. Bei Exemplaren mit dem Kopfbuckel ist gewöhnlich nur dieser allein vorhanden und dann meistens abgeschält. {Cal. dav'ifrons Dalm. Sars.) 3. Dalman's Zilhlung von 13 Rumpfringen, der Quenstedt gefolgt ist, beruht darauf, dass Verfasser die beiden ersten Schwanzglieder zum Rumpfe rechnete, und das dritte dem Schwänze allein Hess; mein eines Exemplar (aus der Haitischen Uuiversitats- Sammlung) entscheidet über die richtigen Zahlenverhilltnisse sehr bald. 3. Demnach kann ich vor der Hand nur eine Art in dieser Gattung annehmen. 1. //. clavifrons: Taf. HI. Fig. 3. 4. a. Grosse Kopfschilder mit abgeschältem Buckel. Cal. clavifrons Dalm. Palacud. 75. 2. capitis luleribus puncüs impressis; glabella magna ovali convexa laevi. — Hising. Leih, suecica 12. Calym. ? speciosa, welcher Artuame also in Cal. clavifrons umzuändern ist. — Sars, Isis 1835. 339. VII. Taf. IX. Fig. 8. — BoECK, Gaca noriv. I. ?iO. 14. Trib. sphacricus. — Emmr. dissert. 20. ^. Phacops sphaC' ricns. — Asaph. dabius Graf y. Münst. Beilr. V. 113. Tab. X. Fig. 12. — b. Individuen mit abgebrochenem Kopfbuckel. Calym. belMula Dalm. Palaead. 36. 2. lab. I. fig. 4. a. d. — HisiNß. Leih, siiec. 11. lab.l. fig. 5. «. b. — MiLNE Edw. Crtist. III. 321. 7. — Emmr. disserl. 38. 1. In einem grauen Kalkstein Ostgothlands bei Husbyfjöd, bei Ladegaard's Ocn in Norwegen, wid in einem ganz ähnlichen Kalke aus der Eitel, nach Exemplaren der SACK'schen und Hallischen Akademischen Sammlung. Zum näheren Verständniss meiner Zeichnung muss ich bemerken, dass von 5 Exempla- ren 2 fast vollsläiulige (aus der Akad. Samml.) keinen Kopfbuckel und keine Kopfschaale hatten; die Rumpfrhige erscheinen bei ihnen glatt, und die Endspitzen der vordem sind undeutlich; dagegen zeigt das Schwanzschild des einen sehr bestimmt eine feine Granu- 105 lation. Die 3 Exemplare der SACK'schen Sammlung bestehen bloss in 2 vollständigen Kopf- schildern ohne Schaale und Granulation, von welchen das eine noch Reste der Schaale und namentlich den wohlerhaltenen Endstachcl besitzt; das dritte ist ein blosses Miltelstück mit dem Kopflnickel, der hier seine Schaale mit den grossen Höckern noch trägt. Aus allen 5 componirte ich meine Zeichnung. 14. Gatt. Phacops Emmr. Cfdymcne autor. Pleuracanilms und Pellura MiLNE Edwards. Kopf Schild halbkreisförmig oder etwas parabolisch, mitunter, wenn die Hinferecken stark hervorragen, mondförmig; am Ausscnrande scharfkantig oder etwas auso-ebreitet am Hinterrande verdickt; der Kopfbuckel hochgewölbt, theils einfach, theils durch Seiten- einschnitle in mehre Lappen getheilt, vorn stets breiter als hinten, und dort breiter oder ebenso breit wie der Abstand beider Augen. Gesichtslinie läuft in einem Bogen dem Vor- derrande concentrisch um den Kopfbuckel herum, wendet sich zum Auge, bildet die Deckel- platte, und geht S förmig geschwungen vom hinteren Augenwinkel zum Seitenrande, den sie eine beträchtliche Strecke vor der Hinterecke theilt. Augen auffallend gross hoch gewölbt, bilden ein Stück einer Kegelzone, und haben grosse halbkugelige Linsen in be- trächtlicher aber verschiedener Zahl. Hinterecken des Kopfschildes bald stumpf, bald lan» ausgezogen. — Rumpf ringe stets eilf, die Achse etwas schmäler als die Seitenlappen, beide für sich gewölbt; die Endecken der letzteren bald abgerundet, bald stachelartig zugespitzt; die Glieder der Achse nach hinten sichtbar verschmälert. Schwanzschild theils stumpf, theils spitz, parabolisch, die Achse deutlich geglie- dert, die Seiten stark gerippt. Die Oberfläche bei allen wohl erhaltenen Lidividuen granulirt, bei den ihrer na- türlichen Schaale beraubten aber glatt; auch die Rumpfringe häufig durch Reibung schon geglättet, wenn noch die Schaale vorhanden ist. — A. Arten mit einfachem ungetheilten trapezoidalem Kopfbuckel , der hinten einen kurzen Stiel und daneben 2 Knötchen hat. Kopfecken stuuipf^, das Schwanzschild am Ende abgerundet. 1. Ph. lallfrons: lateribus tuberculi capitis rectis; rhachi caudae 7 — 9-annulata, costis lateralibus 5 — 7. Long. 1 — 3". Taf. H. Fig. 4 — 6. Calymenc macrophUuUma Brocn. Criist. foss. pl. I. fig. 5. A — C. — Schloth. Pelref. Nachlr. II. 15. 34. — Knorr et Walch. Nahtrgesch. d. Verst. Siippl. Taf. 1. Fig. 4. 5. — Zeno, neue phys. Bei. Tu f. I. fig. 2. — Höninghaus, in Nögger. Rheml. ii. Westph. 14 106 291. m. Abb. — Derselbe in der Isis. 1824. S. 464. 534 n. 986. Taf. 5. Fig. 1—4. und 1830. 95. Taf. I. fig. 2. a—c. — Gr. Sterne. Verh. d. vaterl. Mus. 1825. 75. 1. Taf. I. fig. \. A — D. — Dalm. Palaead. 63. 8. — Bronn, Lf//t. I. 111. 2. /«&. IX. fig. 4. a. 6. — Green, 3Ion. of Tril. 39. — Murchis. Sil. Sijsl.ll. 655. ?>/. 14. f2. — Buckl. 3im. et Geol. pl. 46. /(jf. 4. — Emmr. dissert. 19. 1. — Ca/, lalifrons und Schlolhcimii Bronn in Leo«/t. Zeilschr. f. d. Miner. 1825. 317. Taf. 2. ^(,. i_8. _ Dalm. Palaead. 64. 10. 11. — Crt/. hufo, Green, i>/on. o/" Tri/oft. 41. — Milne Edw. Crust. III. 327. 19.— Cal. luberculata Murch. S. S. II. 656. pl. 14. f 4. — Milne Edw. Cnisl. III. 325. 14. — Cal. gramilula Graf v. Münster Beilr. III. 36. 3. Taf. V. F/jf. 3. a — d. und Ca/, /aer« iiid. 4. F;yo1i1 dieselbe Art, welclie Brogniart Cr. fo^s. pl. 4, fig, 12. abbil- det und die icli neben Archegomis ueqrtulis S. 121. bereits erwähnt habe. — Asaphus iruncatus, Phill. ibid. fig. 12. 13. Asaphus mcgalophthahnus, Troast, Mem. de la soc. geol. de France. UI.94. pl. 11. f.i. Asaphus her OS, Dalm. Arsberülf. om nya zool. Arbelen 135. SiocM. 1828. — Hising. Leih. suec. 13. — Milne Edw. Cr. III. 309. — Stellen die Schriftsteller neben Phac. caudalus. Asaphus plalynolus, Dalm. ibid. 135. — Hisikg. Leih. suec. 13. — Milke Edw. Crusl. III. 304. — Calymene ornala, Dalm. ibid. pag. 134. — Hising. Leih. suec. 11. — Milne Edw. Crusl. III. 319. Ist nach Milne Edward's Versicherung nahe mit Calym. Blumenbachii verwandt, aber durch die Bildung des Kopfl)uckels verschieden. Sollte Zelhus uniplicalus Pander's, den ich fragweise zu Calym. Blxunenbachii zog, dahin gehören? — Calymene verrucosa, Dal.m. ibid. 134. und Paluead. 76. — Brogn. Crusl. j'oss. pl.4. fig. 11. — Hising. Leih. suec. 11. — Wohl ein Pluicops, nach Brogniart's Abbildung und Hisingek's kurzer Definition, die ich allein kenne. Enlomolilhus derbiensis, Martin pelrificala derbiensia, pl.io. f.l. — Nach Milne Edwards Vermuthung (Crusl. III. 313.) einerlei mit Asaphus globiceps VniLi., meinem Archegomis globiccps, S. 122. Calymene phlyclaenoidcs, Green, Sill. Am. Journ. of sc. and arls 1837. Vol. 32. 1. pag. 167. — Leonh. u. Bronn, Jahrb. 1838. 363. Trimerus platypleurus, Green, ebend. pag. 168. und daraus a. a. 0. Trimerus Jacksonii, Green, ebend. pag. 347. und daraus a. a. 0. S. 364. Cryphaeus (vielleicht die Abtheilung B. b. ß. bb. von Phacops) Boolhii, Green, ebend. pag. 344. und daraus a. a. 0. S. 363. Cryphaeus Collilelus, Green, ebend. pag. 346. und daraus a. a. 0. S. 364, Asaphus Tri mbH, Green, ebend. pag. 348. und daraus a. a. 0. S. 365. 130 2. Es folgen nun noch einige Bemerkungen üLer Arten, die sich noch nicht mit Sicher- heit in das von mir aufgestellte System einordnen lassen, theils weil ich sie selbst in na- tura nicht untersuchen konnte, theils weil überhaupt noch zu wenig von ihnen bekannt ist. Die Eigenschaften, welche bis jetzt sich ergeben haben, sollen hier schliesslich milge- theilt werden. — Asaphus fronlalis Dalm. Palaead. 46. 7. — Emmr, disserl. 29. 7. — Milne Edw. Cr. III. 311.— aiigiilis scuti ceplialici postieis rotnndatis, protuheraiitia capitis bis bi-impressa, oculis distaiitibus ; sciito caudae rotuiidato, costis utriiique sex radiautibus. — Im rotheii Kalk Ostgothlands bei Ljung. — Diese Art ivird vom Verfasser mit Ogygia Bitchii verglichen und neben .4s. expunsKS gestellt. Die Abdrücke ihrer unteren Schaaleiiseite sollen keine Streifen haben, wie bei As. expansus; doch ist wohl nur die innere Wand der oberen Schaaleuoberfläche gemeint, und diese ist überall glatt. Jene Streifen finden sich bei allen Trilobiten auf der freien luitern Oberfläche der Panzerstiicke. Nach QuENSTKDT {Wie(jmunn' s Archiv 1837. I. 345.) ist diese Art mit Asaph. angustifrons identisch. Asaphus Vulcani Murchis. SU. Syst. II. 663. pl.2o. fig. 5. — Milne Edw. Cr. III. 314. — vermag ich uidit zu deuten; sollte er 9 Ringe haben, so würde ich ihn unbedenklich mit Cu- lymene acquulis H. v. Meyer's zusammen stellen, und zu Arcliegonus bringen. Asaphus corndensis Murchis. SU. Syst. IL 663. pl. 25. f. 4. — Emmr. disserl. 27. 3. — Milne Edw. Crust. III. 310. — wurde bereits oben (S. 70.) erwähnt, aber noch nicht gehöri- gen Orts eingeschaltet. Eine Ogyg'ut, wohin ihn Emmrich bringt, ist er gewiss nicht; die winkelig ge- stalteten Diagonalfurchen der Seitenlappen, und deren vorwärts gewendete Zurundnng zeigen denllich, dass sich das Tliicr ziisammenkugeln konnte, was iiei den Ogygieu nicht der Fall ist. Ich möchte viel- mehr in dieser Art ein junges Individuum von Asaphus Tyrannus vermutlien, und die augenscheinlich kürzere Bildnng des Schwanzschildes durch die Jugend des Individuums erklären, da es liekanut ist, dass viele spitzeckige Theile der lebenden Crustaceen in der Jugend stumpfer sind, als im Alter. Die viel längere Endecke des Kopfschildes würde freilich gegen die Richtigkeit dieser Annahme Zweifel erheben, allein, wenn man an die langen Stacheln des jungen Paradoxides hohemlcus (Oleniis gracUis Zenk.) denkt, so möchte sicli wohl eine solche längere Form der Kopfeckeu gerade umgekehrt als Jiigendtypns aufstellen lassen. — Asaphus Tyrannus ibid. pl. 25. fig. 1. ist schon oben (S. 126.) als nicht zur Typusform pl. 24. gehörig angesprochen worden, und scheint mir fast gar kein Asaphus zu sein, da ich keine Art mit so stark hervorragenden Seitenlappen auf dem Schwanzschilde und mit so breiter Rumpfachse kenne. Sind beide Theile vielleicht in der Zeichnung nicht ganz richtig dargestellt, so könnte man ver- sucht werden, die Figur zu AsapJnis extenualus zu bringen, mit dessen Gesammtiimriss sie am mei- sten harmonirt. — Calymenc var'/ol ar'is Brogn. Crust. foss. 14. 3. pL 1. /'"//• 3. a—c. — Parkins. organ. rem. III. pl. 17. fig. 16. — Dalm. Palaead. 61. 1. — Buckl. Geol. and Mineral, pl. 46. fig. 6. — Graf V. MüNST. BeUr. III. 34. 1. Taf. V. fig. 1. — Murchis. Sil. Syst. 6.55. pl. 14. fig. 1. — Milne Edw. Crust. III. 326. — TriloO. vuriolar. Schlot«. Xachlr. 11. 34. 3. — Phacops ra- 131 r'iol. Emmr. (V/xscvt. 20. 4. — ist sclioii oben (S. 93.) als eine mir iiiil)ekaiinte Form berührt ivordeii. Sie liat ein liali)kreisfOriniges Kopfscliild mit liocIigewüll)tcm, vorn breiterem ungetheiltem Knpfituckel und lil(ilzli(li in lange Spitzen ausgezogenen Endecken. Die Augeu stehen in der Mille neiicn dem Kopf- liutkel, auf der Flache der Wangensdiilder, ziemlich ivie Lei Calymene Bluincnbucliii , und hahen deren Form. Der Rumpf wird nach hinten schmäler und hat in Murchisok's Figur deutlich 13, in Brogmart"s nur 11 Hinge. Die Schwanzachse besteht nach letzterer Zahlung aus 12 Ringen und auf dem Schilde finden sich 9 Seitenrippen, in Murchison"s Figur zähle ich nur 7 Scitenrippen und 8 — 9 Glieder in der Achse. Dabei ist die ganze Oberfläche des Korpers mit grossen starken Höckern bedeckt, die in MuRCHIS0^'s Figur am Rumpfe beinahe fehlen, auf der Schwanzachse aber in mehreren Reihen stellen, während Rrogniart's Figur starke Hocker auch auf dem Rumpfe zeigt und nur eine mittlere Reihe auf der Schwanzachse. Buckland's Figur harmonirt mit letzlerer und ist davon wohl nur eine Kopie. Die Art findet sich in den mittleren Silurischen Schichten Englands und des Flchlelgebirges, woraus sie Graf V. Münster in ßruchstückeu beschreibt; seine Aiiliildiing harmonirt mehr mit Murchisok's Fiour als mit Brogxiart's; auch fehlen an ihr die lang zugespitzten Ecken des Kopfschildes, die ich auch bei MuRCHisoK vermisse ■■•)• — Fast möchte ich, nach diesen Angaben, die verschiedenen Formen für spezifisch nnferschiedeu hal- ten, und MüRCHisoN's Art für eine ächte Cahjmene, Brogniart's und Parkinsom's für einen Pha- cops erklären. Dieser Annahme widerspricht jedoch Boeck's Behauptung, dass Culymcne variolaris eine eigene Gattung bilde, zu der auch Culymcne puncltUa der Schriftsteller gehöre. Vgl. Keilhaus Gaea norweg. I. TrUoh. no. 13. — Was die letztere Art betrifft, so handeln von ihr fol«>-ende Schriftsteller : Tr'il. pimduhis Brükis. Kjöbcnh. Sellsk. Skrlvt. nyc SmnJ. I. 394. 5. — Schloth. Nuchir. II. 37. 23. — Enlomoslr. ptmctiil. Wahlekb. n. a. Ups. YIII. 32. 7. — Linke, ad. Heg. ac. Holm. 1759. 22. 24. (ab. 1. fig. 2. — Lehmann, }ioi\ comin. Pelropol. X. (ab. 12. f. 10. — Beck.m. iwv. comrn. Gö((ing. III. 102. — Wilck. Sdals. Magaz. 4. St. (ab. 3. fig. 12. — Calym. pimd. Brogk. Cr. foss. 36. — Dalm. Paluead. 64. 12. — Murchis. ä. &'. II. 661. pl. 23. /■. 8. — MiLNE Edw. Cnis(. III. 327. — Alle beschreiben bloss Schwanzschilder, nur Wahienberg bildet daneben das Mitlelslück eines Kopfschildes ab, welches deutliche Charaktere von Calymene an sich trägt, zumal den aufgeworfenen vorderen Kopfrand und eine Lappenbildung des Buckels, die au Cul. Blumenbadt'ü erinnert. Dass dasselbe wirklich zu dieser Art gehöre, möchte ich bezweifeln. Das Schwauzschild hat nach den Anga- ben aller Schriftsteller eine vielgliedrige Achse, deren Ringe längs der Mitte eine Reihe von Höckern tragen, und 7 — 8 Seitenrippen, von denen jede auf der Mitte auch einen Höcker hat. Die daneben TOn DaliMan abgebildeten 10 Rumpfringe erscheinen glatt. Solche Schwanzschilder kommen in einem hell weisslich- grauen Kalkstein auf Goltland häufig vor, und ein daher stammendes Handstück meiner Sammlung enthält 2 Exemplare, die leider ihre innere Schaalenseite nach oben wenden und mit der äus- seren so fest im Gestein sitzen, dass eine Ablösung unmöglich ist. Ich erkenne indess an der Achsa deutlich 6 mittlere Höcker, ebenso viel wie Dalman abbildet, und daneben jederseits die Vertiefungen "•) Cal. intermedia Gr. v. Münst. a. a. 0. .35. 2. iab. V. fig. 2. soll 4 Einschnitte jederseits am Kopfbuc kel haben, gleicht aber sonst der C. variol. so vollständig, dass ich ihre Artrechte noch bezweifeln muss. 17 * 133 für 28 — 30 Ringe, während die Mittelgegend, da >T0 die Höcker stehen, ungeringelt ist. Jedem Hocker entspricht ein Ring, dann zähle ich zwischen dem ersten und zweiten Höcker 2 Ringe, zwischen dem zweiten und dritten 3, zwischen dem dritten und vierten wieder 2, zwischen dem vierten und lünften 3, allein zwischen ihm und dem sechsten 4, und hinter letzterem etwa noch 6 — 7, doch mögen auf der o])ern Seite, wo die Ringe allemal deulliclier sind, noch mehrere vorhanden sein. Seitenrippen finde ich an meinen hier beschädigten Exemplaren nur 8, und erkenne daran keine Spuren von Hockern, die also wohl nur auf der äussern Schaalenfläche sich erkennen lassen. Mit der oben beschriebenen Bildung stimmt nun das Schwanzschild von Cahjmene var'wlarls nach Brogniart's und Buckland's Abbildun- gen (Parkinsox's Figur habe ich leider nicht mehr zur Hand) so vollständig überein, dass ich nicht zu irren glaube, wenn ich Calymene punclala der Schriftsteller für einerlei mit der Cal. varwlarh der zuletzt genannten Autoren erkläre, und demnächst, da Murchison's Cal. rariolaris wohl eine andere Art ist, für diese den Namen Cal. varlolaris lieizubehalten vorschlage, auf die Calym. ra- riolaris Brogriart's al)er, die freilich früher als solche bekannt war, den noch älteren Namen C. pundala übertrage. Ob nun wirklich diese Cahjmene punctata zu einer eigenen Gattung oder zu Phacops gehöre, muss ich wegen Mangels eigener Untersuchungen noch unentschieden lassen; die Calymene varioluris in meinem Sinne scheint dagegen in der That zur Gattung, deren Namen sie trägt, am besten zu passen, und in ihr den Phacops -Avlm mit ungetheiltem Kopfbuckel zu entspreclien, wie C. Diu- menbuchii, Trisiuni, etc. denen mit gelapptem analog sind. Letztere Hessen sich ferner, nach Zahl und Form der Lappen, wie d'ie Phacops- Arien, gruppiren, wenn eine gi-össere Menge von Gattungs- genossen solche UnterabtheJlungen bereits nöthig machte. Lichas lacinialus habe ich Seite 76. aufgeführt und kurz charakterisiit. Später fand ich unter den Trilol)iten der Hallisclien Akademischen Sammlung ein fast vollständiges Schwanzsdiild dieser Art, das in demselben gelbgrauen fast erdigen Thonscliiefer von Mösseberg in Westgothland lag, worin dieselbe gewöhnlich vorzukommen pflegt. Die nähere Untersuchung dieses Exemplars überzeugte mich, dass die Achse des Schwanzscliihles aus 7 deutlichen Ringen und einem ovalen Endgliede besteht. Die Seiten des Schildes bestehen kcinesweges ans einzelnen Lappen, sondern aus einer zusammenhän- genden Fläche, auf welcher sich 10 — 12 radiale, abwechselnd gleiche oder vielmehr ähnliche Furchen befinden. Die vordere Furche jedes Paares ist starker gekrümmt als die hintere, beide erreichen den Umfang und stossen hier unter einem Winkel zusammen. Auch au der Achse entspringen sie dicht neben einander von der Furche zwischen je 2 Ringen ; beide beschreiben mit einander kleine mondförmige Wülste, die mau für Rippen nehmen kann, und deren Zahl 5 — 6, also wie gewöhnlich um 1 — 2 ge- ringer, als die Anzahl der Aehseniinge sein würde. Zugleich ergicbt sich, dass Dal.maä's und Wah- leneerg's Figuren von unvollsläudigeu Exemplaren entnommen wurden; auch scheint mir die Schwanz- aclise zu breit und zu kurz dargestellt und überhaupt die Art viel näher mit Ogyyia als mit Olemis verwandt zu sein. Trilobilcs Stcrnbergii erhielt seinen Namen von Boeck im May. for Nalurvidvnsk. I. I., das ich nicht kenne. (Vgl. Sternberc, Verh. d. raterl. Mas. etc. 1833. 51.) Hierher gehört nehmlicb Gr. Sternberg's Figur in den Verh.d.valerl.Mus. 1825. Taf. 1. Fig. ö., welche am Schlnss seiner Abhandlung kurz l)eschricl>en wird (S.S5.). Meine Abbildung Taf. 111. Fig. 7. 8. zeigt eine völlige Uebereinstimmung mit jener Figur, allein die hintere Kopfecke ist nicht so stark vorgezogen, und die Waiigengegenden tragL'u ein deulliches Auge neben dem zweiten Kopfgürlel. Die Gesichlslinie habe ich 133 — nicht gesellen, sie ist Ikenl'iu pidorh , und konnte ohne Gefahr, das schone Bild zu triihen, nicht gut wieder entfernt werden. Sternberg sagt von den Wangen, dass sie höckerig seien, ich glauhe im Ab- druck nur Vertiefungen gesellen zu haben. Das Auge war, wie bei Stkrneerg's Exemplar, abgebro- chen, seine Stelle und Grosse aber nicht zweifelhaft. Der ganze Umfang hatte einen aufgeworfenen ab- gerundeten Rand. Der schwarze Kalkstein vom ßranikberge, worin Pliucops lal'ifvons sich findet, ent- halt auch einzelne Kopfschilder dieser seltenen Art. — Dalman hat bekanntlich die SiERUBERG'sche Fi- gur zu seiner Culymenc spedosa (Pttldcad. 76. 3.) gezogen, die ein Pliucops ist, wie aus Hisin- ger's Figur {Leih. succ. suppl. ((ib.'ii). jUj. 2.) hervorgeht; allein die 2 vorderen Furchen des Kopf- buckels sind nicht durchgehend und die dritte ist jederseits neben der Mitte eingebuchtet, was bei Tv'ü. SlenibergU sich nicht findet. Ausserdem sind die Kopfschildecken lang zugespitzt, hier bloss winkelig. Dagegen scheint Graf v. Münster's Cahjiu. Slernbergn {Be'ilr. III. 37. 5. lab. V. fig. 5.) und Cal. prophujua (ebendas. 38. 6. fig. 6.), wenn anders die Kopffurchen in der That nicht durchgehen, eher zu jenem Pliucops speclosus zu gehören, und Culipn. avlhuluki (ebendas. 7. fig. 7.) mit durchge- henden aber roh gezeichneten Kopffurchen, doch nicht von jenen andern beiden verschieden zu sein, weil bei allen dreien der Kopfbuckel nach vorn breiter wird, wie bei Phacops, bei Tr'itobUes Sleni- bergU dagegen vorn und hinten gleich breit ist. Ueber die natürliche Stellung dieser Art im System weiss ich auch jetzt nichts anderes, als das schon Seite 18 u. 84. bemerkte, zu äussern, und wiederhole es daher lieber nicht. — Triurlhriis Bcck'n, Green, Mon. of Tr'ü. 8ß. sei/. — Mounlh. Amer'ik. Jown. p. 560. — Harl. 7ned. and phijs. reseurch. 305. — Bvogniarlia carcinokleu , Eaton, geol. Texlb. — Bronn, Leih. I. 117. lub. 9. /". 10. — Paradoxides Ir'mrlhrus, Harl. t)ied. and phys. res. 401. 1. fuj. 5. — Parad. armalus ibid. 402. 2. fig. 1 — 3. — Milne Edw. Crii.ü. III. 345. — Man kennt von diesem Trilobilen das Mittelstiick des Kopfschildes mit dem kurz parabolischen Buckel, woran hinten durch eine Querfurche der Artikulationsrand angedeutet ist, seitlich aber zwei Einschnitte, die in schiefer Richtung nach hinten gezogen sind , drei ziemlich gleiche Lappen absondern. Hierin stimmt er ganz mit dem Kopfe von Ol. scarabaeoides (S. 83.) überein. Da die Wangenschilder aller untersuch- ten Exemplare fehlen, die Rumpfringe bloss in Brnchstücken bekannt sind, und das Schwanzschild noch nicht aufgefunden wurde, so lässt sieh über die systematische Stellung der Art nichts Genügendes sagen oder vermuthen. Zwar leuchtet ihre Verwandtschaft mit Ölen, scarabaeoides, die schon Harlan nachwies, bald ein, allein auch diese Form ist noch ungenügend bekannt, mithin aus ihr kein Schluss auf die vorliegende möglich. Harlan nimmt übrigens bei Parad. triarlhriis 4 Rumpfringe und ein kurzes , am Umfange abgerundetes Schwanzschild an , stellt die Seiteulappeu der Rumpfglieder schmä- ler als die Achse dar, und letztere dajieben gleich breit, während die Seitenlappen schnell nach hinten kürzer werden. — 134 3. Gänzlich unbrauchbar für die systematische Einordnung scheinen mir die Beschrei- bungen und Abbildungen nachstehender Arien zu sein; ich fülire sie ])loss der Vollstän- digkeit wegen an, und wage daher auch keine muthmasslichc Deutung. — Asaphus Cawdori Murchis. SU. Syst. II. 635. pl.T. /(Yeit Blankeuburg gefunden wurde. Auf dasselbe bezieht sich auch Herr Römer Seile XVIII. seiner Sclirift. 5. Cal. Schuslcri, S. 38. Taf. Xll. Fig. 42. Das Schwanzschild eines kleinen Individuums von Phacops hdifvom. 6. Cul. subornula, ebend. Fig. 40. 41. Beide Bruchstücke gehören schwerlich zusammen. Fig. 40. gehört zu Phacops, Fig. 41. eher zu Äsuphus; die Arten lassen sich ans den Figuren nicht erkennen. 7. Cnl. Jiydrocephala, ebend. Taf.^l. Fig. 7. Ganz entschieden das Mitlelstück eines Kopfschildes von Cijpha.^pis chtvifrons. 8. Asaphas Z inkenii, ebend. Fig. 8.; abgeschältes Mittelstiick des Kopfscliildes von P/(rt- cops latifrons. 9. Paradoxides Grolei, S. 39. Taf. XL Fig. 11. a. b. Deutliche Bruchstücke von Pha- cops arachnoides. 10. Ilomalonolns Ahrendii, ebend. Fig. 5. a. b. Gewiss von Hom. Knighlii Murch. nicht verschieden, denn die angegejjcnen Unterschiede rühren von der veränderlichen Krümmung der Ringe gegen einander her, und sind individuelle. 11. Hom. ptnictatiis , ebend. Fig. 9. und Hom. gigas Fig. iO. sind wohl nur Bruchstücke anderer Individuen derselben Art; die Punklirung deutet die vorhanden gewesene Granulation an. Eine etwas ältere, mir so eben zugegangene Notiz findet sich noch in Sillhn. Am. Jowu. of sc. ct. arls. Vol. 42. pag. 366. 1842. Herr J. Locke beschreibt hier eine neue Trilobilen- Art, als: Isoleles megislos , und liildet sie auf pl. 3. ebend. ab. Dieses fast einen Fuss lange Bild ist dennoch sehr unvollständig, indem auf den Seitenlappen der Rumpfringe keine schiefen Querfnrchen angegeben sind und auf der liinteren Hälfte des Kopfschildes alle positiven Eigenschaften fehlen. Dabei hat die Figur genau die Verhältnisse von Asaph. plahjcepJialus (Isol. giga.i), aber kurze Endslacheln au den Seilenecken des Kopfscliildes. Hiernach scheint sie allerdings selbstständige Art zu sein, welche sich von As. plalycephaliis eben dadurch, von As. anguslifrons durch die breite Stirn unterscheiden würde, wenn schiefe Furchen auf den Seitenlappen vorhanden sind; fehlen diese wirklich, was ich be- zweifle, so gehörte sie zu yUeus. Das vordere Ende der Gesichtslinie beschreibt einen Winkel, und weist auf die Abtlieilung B. b. von Asaphus hin. 13T Da die pnrofällig'e Aiisfüliriing der Kiipferlafcln einen ungleich grösseren Zeitaufwand erforderte, als ich glaublc, so hat sich die Herausgabe meiner schon anfangs May im Druck vollendeten Arbeit bis jetzt (Ende Novembers) verzögert, allein nur zu ihrem Vorllieil, weil es mir dadurch möglich geworden ist, noch mehrere seitdem erschienene Aufsätze benutzen und mit meinen Ergebnissen in Vergleich stellen zu können. l. Zunächst erwähne ich die mir bisher unl)ekannt gehliebene Abhandlung von L. De Koiv'I^ck in den Mcm. de lacad. ro\j. de Briix. Tom. XIV. idier die fossilen Krebse Belgiens. Verfasser beschreibt darin zuerst die Gattung Brontcs Goldf. (vergl. S. 75. d. Abb.) mit der einen Art Br. jUibelllfer , ändert aber ihren Namen in GoLDius um weil Brontes schon eine Käfergattung von Fabricius genannt sei*)- Dann folgt Asuph. yemmuHferus {nohhi Asaph. gmnuUfevus und As. gemmuUfcms Phill. Geol. of Yorksh. geliörcn; vgl. den Aiiliaiig S. 129.), welcher sicli auf das bereits von Brogniart (Taf. IV. Fig. 12.) al)gebildete Scliwanzscliild gründet, dessen idi Leililufig unter Archegorius aeqiialis (S. 121.) Anm. 2. gedaclit luil)e. Da Trilob. pusluhdus Schloth. dasselbe Thier ist, so müsste dieser Artnanie als der älteste, bleiben; die Gattung aber, der die Art beigesellt werden soll, ist so lange unbestimm- bar, als Kopf und Rumpf noch fehlen. — Asaph. Brogn'iarl'ii Fisch. Orydogn. du Gouvern. de Moscou p. 121. pl. 12. Eine lange Reihe mir grösstentheils unliekannt gebliebener Synonyme beweist, dass diese Art identisch ist mit As, obsolellts Phill. (Anhang S. 129.) oder Asaph. Dalmunn'i Goldf. , welchen ich anhangsweise bei Äconia conclnna (S. 117.) erwähnt habe. Die Beschreibung und Abbildnng, welche Hr. üe Komnck (a.a.O. Fig. 6.) giebt, scheinen dieser Anuahme günstig zu sein, da der Rumpf aus zehn Ringen besteht, und die OI)erlIäche des Körpers granulirt ist, allein der nach vorn breitere Kopfbuckel und das mit viel- gliediiger (14 Ringen) Achse versehene Schwanzschild widersprechen dem Typus \on Aeon'/a; ich möchte diese Art jetzt weit eher mit der vorigen (Asaph. gemmuHferus oder pusluluius) zusammenbringen, und aus beiden eine besondere Gattung bilden, zu deren sicherer Begründung indess mehr Thafsachen, als bis jetzt vorliegen, erfordert werden. Eine dritte Art dieser Gattung möchte das bei Archcgomis glohiceps (S. 122. Anm. 2.) angedeutete Schwanzschild mit IGgliedriger Achse vorstellen. Die übrigen fossilen Krebse der genannten Abhandlung übergehe ich, da sie den Inhalt meiner Arbeit nicht weiter berühren. 2. In dem neuesten Heft von Silliman's Americ. Journ. of scienc. and arts. J^ol.M. pag. 346. (1843.) finde ich wieder eine Trilobitcn-Art als Ceraurus Crosoliis von J. Locke beschrieben und in Holzschnitt dargestellt, aus welcher mit der positivsten Gewissheit hervorgeht, dass dieselbe zur Gattung Odonlopleuru (S. 71.) gehört, und *) Allenfalls liesse sich indess die GoLDFtss'sche Benennung bei])ehalfen, weil Fabricius Gattung Brontes synonym ist mit Latrf.ille's Vleiola, und letzterer Name früher als der jetzt gewöhn- lich angenommene Name von Fabricius (%sI. Elcniih. ISOl.) für dieselbe Gattung aufgestellt wurde (1799 in dem Prc'cis de characl. genc'r. des Insectes Seite 46.). 18 13S wahisclieiulich eine dritte eigenthümlinhe Art derselben bildet. Wenn nun wirklich Greejj's Ceraiinis mit der hier beschriebenen neuen Art in dieselbe Gattung gehören sollte, was allerdings nicht unwahr- scheinlich ist, so würden die Gattungen Cerattrus und Odonloplcura zusammenfallen und jener Name, als der altere, den Vorrang verdienen. Ich bin zu dieser Annahme um so mehr geneigt, als den äusse- ren Umrissen nach Ccraur. pleurexaiilhennts und Cei: Crosoius in ganz ahnlichen Beziehungen zu einander zu stehen scheinen, wie Odonl. ovala und O. clüplku. Mit Olenus forficula Sars (S. 82.) würde dann freilich Ceraunis keine grosse Uebereinstimmung besitzen können. (Vgl. S. 83. Anm. 1.) 3. Systematische Uebersiclit der Trilobilcn und Beschreibung einiger neuen Arten, von Prof. Dr. A. Goldfuss. In Leonh. und Bronn's Neuem Jahrb. etc. 1843. Seite 537. u. fgg. Taf. 4 — 5. Die hier gebotene Uebersicht der Trilobiten ist eine Arbeit, welche sich füglich mit Milne Ed- WARD's ahnlicher Aufziihhing der bekannten Trilobiten vergleichen lasst, aber nicht so rein conipilato- risch gehalten zu sein scheint, sondern auf einer tieferen Kenntuiss der Gegenstände beruht. Indess hat die Seite 540. gebotene synoptische Tabelle der Gattungen dieselben doch so durch einander geworfen, dass ihre Gruppirung keinen Kenner befriedigen kann. Zellnis , Aniphion, D'ipleura und Cnlymcnc, Formen, von denen drei {Zellnis, Amph'ion und Calymene) nur eine einzige Gattung ausmachen, während die vierte (Dipleuru) der allernächste Verwandte dieser Gattung ist, erscheinen hier in 4 ver- schiedene Hauptabtheilungen getrennt, und eine (Zelhus) sogar in einer Section, die als augenlos an- gegeben wird; doch wolil mir weil an den Bruchstücken, die Hr. Pakder zur Aufstellung seiner Gat- tung benutzte, die Augen al) gebrochen waren. Auch Ulsst es sich sicher nicht vertheidigen, wenn Vei'fasser Parudoxides und Atnpläon, zwei Gattungen, die in allen ihren Organisationsmomenten ver- schieden sind, neben einander stellt, und Formen wie Zvihus und Olar'wn in Beziehung bringt. Beide Genera beruhen ja nur auf Bruchstücken, deren wahre Beziehungen den Urhebern jener Gattungen ganz imbekannt geblieben sind, oder überhaupt, wie Otarion, aller Realität entbehren. Ich kann mich übri- gens mit einer ausführlichen Kritik dieser Uebersicht jetzt nicht befassen, sondern muss es meinen Le- sern zur Entscheidung ül)erlassen, ob sie oder die meinige das Prädicat einer naturgemässen Einthei- lung in Anspruch zu nehmen habe. Ebenso berühre ich die bloss von anderen Schriftstellern herüherge- nommenen Gattungen und Arten nicht weiter, sondern bleibe bei denen stehen, die der Verfasser hier neu aufstellt, der von ihm gewählten Reihenfolge mich anschliessend. 4. Arges S. 543. A. radlalus Goldf. n. sp. Taf. 4. ftg. 1. Ist das nicht ganz naturgetreu dargestellte Schwanz- schild von Odoiüopleura ovala. 5. Anlhes S. 544. Diese neue Gattung gründet sich auf £?j/o/HOs/r. scarataeoWes Wahleke., einer noch so nngenügend bekannten Art, dass ich es vorzog, sie bloss fragweise einzuordnen. Der gebrauchte neue Gattungsname erinnert ebenso auffallend an Anlhus , wie Arges au Argus, und ist nicht gut gewählt. — 7. Zelhus S. 545. Schon Hr. v. Buch hat gezeigt, dass diese Gattung nicht von Culgmene verschieden ist. — 9. Paradoxites S. 5i6. Brogkiart schrieb Paradoxides. 139 12. Bronfeus S. 548. In Folge von üe Koninck's Malnning ändert nun Verfasser seinen Galliuigsiiamen so um, nnd meint, dass diese Umänderung passender sei, als die Corruption Goldius aus GoLDFUssius, welche Hr. Dk Komnck vorgeschlagen hatte. Von den aufgeführten neuen Arten halte ich Ur. aluluceus (Taf. 6. Fig. 1.), Bi\ (jrunulalus (Fig. 2.) nnd Br. intermedius (Fig. 4.) für individuelle Abweichungen von Br. flabelüfer (Fig. 3.), mit dem sie in allen Hauptsachen, zumal im Formenverhilltniss der Rippen, übereinstimmen. Als Typus einer zweiten Art ist Br. signalns Phill. (Taf. 6. Fig. 7.) anzusehen , wovon wiederum Br. canaUculalus (Fig. 6.) und Br. seither (Fig. 5.) nnr individuell abweichen. Das dazu gehörige Kopfschild (Taf. 5. Fig. 4.) scheint die Differenz dieser zwei- ten Art zu unterstützen. — • 18. Sy iiiphysiirus. So nennt Verfasser Asaph. laericeps und As. palpebrosus, die er als besondere Gattung mit Tr'/I. Itiev'is, inlerined'ius und oblomjalus Boeck absondert. Ich habe die- selben als besondere Unterabtheiluiig von Asaplms (S. 124.) aufgeführt. 23. Odonloplcura. Die neue Art: O. denlata, von der Fig. 4. Taf. 2. das Wangenschild des Kopfes dargestellt ist, scheint dem Ceruurus Crosohis Locke's sehr nahe zu kommen. 25. Geraslos. Diese Gattung ist identisch mit meiner Gattung Aeon'ia S. 116., welche dnrcli die Mittheilungen des Verfassers einen wesentlichen Zuwachs in der Beobachtung von Granulation auf dem Kopfbuckel erhalten hat; dadurch ist auch die von mir gewühlte Stellung im System vollständig ge- rechtfertigt. Was die 8 aufgeführten Arten betrifft, so ist G. laev'igulus {Proleus Curieri Steininger, Mem. geolog. pl.^l.f.G.) Taf. 4. Fig. 3. nichts als Cidyni. conchmu DalxVi., Aeorüa concinna mihi S. 117. und der Ger. grunulosiis Taf. 4. Fig. 4. vielleicht ebendieselbe Art mit wohl erhaltener Granulation auf dem Kopfl)uckel. Ger. conmlits Taf. 5. Fig. 1. mit schwächerer Granulation nnd verlängerten Ecken des Kopfschil- des, ist wohl neu; er erinnert einigermassen an Culyiii. margimdu Gr. v. Münster. Ger. globiceps , Asaph. ylob. Phill. habe ich zu Archegonus gezogen. Ger. Schiisler't, Calyin. Schust. Roem. halte ich für Pliacops lulifrons. Ger. sphacrlciis , Cal. clarifrons Sars ist des Verfassers Pliacops ceratophlhalmus Taf. 5. Fig. 2. oder meine Cyphasp'is clarifrons. Ger. BvoyniarUi De Koninck. Nach Goldfuss von Asaph. Dahnanni sibi verschieden. — 28. Asaphus. So nennt Verfasser die Phacops - Arten mit gelapptem Kopfbuckel und auf- geworfenem Randsaum des Schwanzschildes, zu denen er auch seinen As. Dahnanni zieht. Die Art ist daher von dem bei mir als As. Dulmanni erwähnten Trilobiten, welcher vielmehr zu As. Broymarlii De Komnck gehört, wesentlich verschieden. Taf. 5. Fig. 3. ist eine massig gute Abbildung des Asaph. (Phacops) arachno'ides gegeben, übrigens aber keine neue Art aufgestellt. 29. Acasle. Wieder ein Name, den schon Leach als Acusla zur Bezeichnung einer Crusta- ceen (Cirripedieii) Gattung benutzte. Verfasser versteht übrigens darunter diejenigen Phacops -Arten mit gelapptem Kopfbuckel, deren Sthwanzschild keinen aufgeworfenen Randsaum hat. Als Typus der Gruppe führt er Cal. Doicn'ingü Mürch. Sil. Syst. lab. 14.' /'. 3. auf, und verbindet mit ihr Caiym. macrophlhalnia Brogn. Cr. foss. lab. 1. fiy.4.a., worin er allerdings Recht hat. Calymene Dow- ningii Murch. besitzt nicht zwei, wie ich früher durch die a.a.O. gegebene Zeichnung verleitet an- 18 * 140 nahm, sondern drei mittlere Lappen am Kopfbnckel, und ist mit Cul. macropMhalma Brogn. iden- tisch, wohin sie also als Synonym gebracht werden muss, nnd nicht zu Ph. proaevus, wie ich S. lOD. gesagt habe. — 30. Phacops. Diesen Gattungsnamen beschränkt Verfasser auf diejenigen Arten Emmrich's, de- ren Kopfbuckel ungetheilt bleibt. Typns-Art ist also Ph.M'ifrons, die hier als Ph. macrophllmlnms beschrieben wird, welcher Name ihr indess nicht zukommt. (Vergl. S. 106. Anm. I.) — Ph. ceralo- phthalmus, den Verf. Iiierher zieht, ist meine Cyphaspls danfrons (S. 104.) und gewiss kein Pha- cops, da die Augen eine glatte Hornhaut ])ehalten. Dieselben sind allerdings sehr hoch, aber so hoch, wie sie Hr. Goldfuss Taf. V. Fig. 2. abbildet, doch nicht, vielmehr darf ich meine Figur (Taf. IIL Fig. 3. 4.) für richtiger erklären. Auch hat Verf. die Stacheln an den ersten Rumpfringen übersehen, dagegen den Stachel am Kopfschildc etwas zu gross dargestellt. — 4. Herr Laporte Graf De Castelnau hat im Vlnstilul. (1842. S. 74.) Bemerkungen über die Füsse der Trilobiten mitgetlicilt, welche er an zusammengerollten Individuen aus Nord-Amerika beobachtet haben will. Da seine Angaben durchaus mit meinen auf dem Wege der Analogie gewonnenen Resultaten übereinstimmen, so scheinen die Beobach- tungen allen Glauben zu verdienen; gleichwohl kann ich niclit umhhi, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln. Uebersicht der Abbilduuseo. Taf. I. Fig. 1. Trinudeus Calavacü. „ 2. Ogygiu Buchü. „ 3. — GueilardL „ 4. Odontoplcitra clUpüca. „ 5. Puradoxldes bohenucus, alt. „ C. Paradoxides bohemicus, jung. „ 7. Paradoxides bohemicus, Kopfscbild von nnlen ibuccphalus). „ 8. Ellipsocephaltis Hoffii. „ 9. Conocephalus slrialus. „ 10. — — Sulzeri. „11. Harpcs ungula. „ 11 a. Ein Tiieil der Skulptur des breiten Ran- des, vergrössert. ^Taf. II. Fig. 1. Calyniene Blumenbachii , zusammenge- rollt \on der Seite, nach einem vollstän- dig erhaltenen Exemplare aus Herrn Ed. Anton's Sammlung hieselbst. „ 2. Dieselbe gestreckt von oben. „ 3. Dieselbe von vorn. „ 4. Phacops lulifrons , zusammengerollt von der Seite. „ 5. Derselbe gestreckt von oben. „ 6. Derselbe von vorn. „ 7. Kopfschild von Calyniene Tristam von oben. „ 8. Dasselbe von der Seite. „ 9. Kopfschild von Calymetw callicephala von oben. „ 10. Dasselbe von der Seite. „ 11. Odoyüopleura ovata. Fig. 12. Asaphus plalycephalus. Taf. III. „ 1. Aconia condnnu, zusammengerollt von der Seite. „ 2. Dieselbe gestreckt, von oben. „ 3. Cyphaspis clavifrons sive bcllatula. Tr.spliacriciis Esmark, zusammengerollt, von der Seite. „ 4. Dieselbe gestreckt, von oben. „ 5. Aeonia diops, Calyniene diops Green. „ 6. Phacops protuberans. „ 7. Tril.Slernbcryii, Kopfschild von der Seite. „ 8. Dasselbe von oben. „ 9. Olentis gibbosus. „ 10. Illaenus giganleus. i Taf. IV. Fig. 1. Homulonolus ur malus, „ 2. Phacops rolundifrons. „ 3. — proaevus. Kopf- u. Schwanz- schild. „ 4. Phacops odonlocephalus (Kopf). „ 5. — conophlhalmus. „ 6. Derselbe gekugelt. „ 7. Phacops urachnoides. „ 8. — slellifer. „ 9. — candatus, „ 10. 4 Rumpfriiige vou Ilomalonolus im Durch- schnitt. „II. 4 llumpfringe von Culymene im Durch- schnitt. NB. In diesen beiden Durchnitten zeigt der vordere kleinere Abschnitt den 143 Aitikulationswulst an, der hintere grössere den eigentlichen Ring, un- ter dem der Artikiilationswnlst in gestreckter Lage des Körpers sich versteckt. Bei Calijmenc ist an der Stelle, wo i)eide zusammenstos- sen, bloss eine scharfe Kante sicht- bar, bei Hoiiittlonolus dagegen eine dicke, senkrecht absteigende Leiste. Fig. 12. Auge von PItacops lalifrons ohne Horn- haut, ums Doppelte vergrossert. ' Taf. V. Fig. 1. Asaphus exp(msus. a) gestreckt. b) gekugelt von vorn. (■) gekugelt von der Seite. 2. lllaemis crassicamla. &) gestreckt. b) gekugelt von vorn. c) gekugelt von der Seite. NB. Bei beiden Figuren ist die Sculptur besonders i)erücksichtigt, und da- lier der Körper bloss im Umrisse dargestellt. 3. Archeyonus aequulis. 4. Schwanzschild von Asnph. Tijvamms. ft— 8. !?«//»« -Schilder und zwar 5. Kleine Form der folgenden Art. ti. Grosse Form mit 2 Ecken. 7. Grosse Form der zweiten Art. b. Kleine Form der zweiten Art. ü a. Dieser neue Trilobit liefindet sich in Hn. Sack's Samoihmg, der ihn bei Bensberg in der Eifel aufiand. Seiner unvolhtau- digen Bcschaffeiiheit wegen, wage ich ihn iiiclit naher zu beschreüien , sondern be- gnüge mich mit dieser Abbildung, die in uatüi lieber Grösse gegeben ist. DieSthaale sclieint Reste einer Skulptur, me Asaphus und Illdcmis zu besitzen; die grossen Augen sind glatt. Einstweilen mag er den Namen Trilob. rerlicalis führen, mit dem ich auf die sonderbare flache und breite Form seines hinteren Kopfbuckellappens hinweisen will. Fig. ü b. Das Seite 121. Anmerk. 1. beschriebene Schwanzschild von Altwasser in Schle- sien, welches sich neben Archcgonits aequuUs findet. „ 10. Phacops Haiismannl. NB. Im Grauwackenkalkstein Böhmens kommen zwei Formen des Schwanz- schildes dieser Art vor, von denen die eine seltnere einen mehr lang- gestreckten Umriss mit 21 Achsen- gliedern hat, auf welchen neben der Mitte sich 2 grössere Höcker der Granulation bemerkbar machen. Die Seitenrippen, 15 an der Zahl, sind breiter, oben flacher, minder deutlicli der Liiuge nach vertieft und zerstreuter granulirt. Die an- dere, hier dargestellte Form ist kürzer, breiter und stumpfer, be- steht nur ans 18 — 19 Ringen in der Achse, hat 13 höhere schmä- lere, auf der Kante deutlich ge- furchte Seitenrippen und eine sehr feine, auf der Achse gleich- massige Granulation. Ich vermuthe, dass jene Form den ni ii n n 1 i c h e n , diese den weiblichen Individuen angehört habe. ^ Taf. VI. Fig. 1. Apus aincnfonii'ts . von unten, natüvli- liche Grosse, sclir alt. 2. t^crol/s purndoxa, von oben, cl)enso. 3. Urancli'iptis sliiytialts, von unten, (',mal im Durchmesser vergr()ssert. „ 4. Schema der Augen von Brandtipus. a) Cornea extern, hier'is. b) Cornea areoluta. c) letis. d) corpus v'/lreuin- e) Anfang des schwarzen Figments. f) nerv, opiicus. 143 Fig. 5. Muiidtlieile von Apus. A) Kiefer. B) 1. P. (1. acc. Mundtheile. C) 2. P. — — D) Rudiment des ersten Fusses. „ 6. Mundtheile Branchipus. A) Kiefer. D) Rudiment des ersten Fusses. „ 7. Idealer Durchschnitt eines Asaphus. a) Seitenlappen des Panzers, 1)) Kiemen. c) Aeusserster Ruderlappen. d) Innerer Ruderlappen. „ 8. Ansicht eines Asaphus cornigevus vou unten. a) clypeus. bb) lobt antenmgeri. cc) lob} laterales. d) labnwi. ee) mandibulae. ff) Die Vertiefungen , worin sich beim Znsammenkugeln die unteren Enden der Selteulappeu hineinlegen. h) After. Fig. 9. Fuss von Apus cancr'iformis ans der Rumpfgegend, sehr vergrössert. „ 10. Fuss desselben aus der mittleren Schwanz- gegend. Ebenso, „ 11. Allerletzter Fuss von ^;}Ms cancrJ/brm«. Ebenso. „ 1 2. Fuss von Branchipus slugnulis. Ebenso. Die Bezeichnung aller Füsse wie folgt: A) Basis, wo er am Rumpfe sitzt, B) Basis interna libera. 1 — 5) lluderlappen. K) Kieme. L) Schutzlappeu neben ihr. 1) Zweiter Schutzlappeu. „ 13, Junges Tiiier eines Apus. a) Kleine Fühler. b) Grosse Fühler. c) Kiefer. d) Rudimente der Füsse, „ 14. — — eines Branchipus. Ebenso bezeichnet. „ 15. Linmadia maurilianu, vergrössert. B) Fuss von Linmadia; wie oben be- zeichnet. „ 16. Bj-ßnc/»;««s mit Trilobiten-Fanzer, von oben. tfi » Register der G a 1 1 u n g s - und A r t n a ni c n. Acasle Seite 139. Acidusp'is MuRCH. Bviglün S. 73. Aconia 116. coiichmu 117. d'iops 117. Agnostus 56. Amph'ion Pakd. 93. fronlUobus 95. .4jH;jyx Dalji. 128. incerhis 129. inunn)nllaU(s 128. na.^nlus 128. rostraliis 128. Antlies 138. ^jj?k. cosUdus 86. slrlalvs 86. Sidzeri 86. Cryphaeus Green. CollHeles 129. Zioo/Ztii 129. Cry ptolithus Green. B'njsbü 68. tessellulus 67. Cryplonyvius Eichw. L'icldensteinü 125. Panderi 125. Purkinson'ii 119. Ilosenbergü 119. Rudolphii 119. Schlolhelnui 125. Wuhlcnbcryn 119. irms« 126. Cyphaspis 103. clai'ifrons 104. Cypris faba 58. Cytherina 63. balllca 63. phaseolus 63. Dipleuru Green 99. I>t'fcaji 100. Dysplamis 120. centrot US 120. Eidotea Scoul. 62. Ellipsocephalus Zenk. amb'iguus 87. i?o/7l^ 87. Entomolilhus Lixn. Derb'iens'is 129. expansus 129. paradoxisslmus 79. 19 146 Entomollthiis Linn. paradoxus 96. pisiformis = Agnoshis. Enlomoslrucites Wahl. adinurus 80. 98. bucephalus 79. cmidatus 113. crasslcmida 119. expansus 124. exlenualus 126. (j'ibhosus 81. graiiulahts 66. lac'mhttus 76. lalicmtdu 4. paradoxissimus 79. pisiformis = Agnoslns. puncli'liis 131. scarabaeoides 83. spinulosus SO. tnberctilalus 96. Eslheria Strauss. 46. Euryplerus üekay 62. lacustris 62. remipes 62. ielragonophlhidnnis 62. Sconleri siehe Eidolea. Gerastos 138. Brogniarlii 138. cormttus 138. globiceps 138. gramüalus 138. laevigatus 138. Sihusleri 138. sphaericus 138. Goldius 137. flubellifcr 137. Harpes Goldf. 87. macrocephuhis 89. speciosus 88. iingnhc 88. Hewt Jcrj//)tMrMsGREKNl24. Rasoumoivskii 125. Homulonotus KöiNia 99. Ahrendii 136. urmalus 102. I>c/i«jl 100. delpliinocephalus 102. ^i^«s 136. HerscheUi 103. Kiiighüi 101. ludensis 101. punclalus 136. lllaenus Dalm. 118. barriensis 120. centrolus 120. crassicuuda 119. gigunleus 119. perooaüs 119. Isoldes Dekay. 127. unguslif'rons 128. cenlrolus 120. crussicauda 119. cyclops 128. dilulalus 69. expansus 125. exlenualus 126. jfjjr«« 127. laeviceps 124. Lichlensleinii 125. megulops 126. megislos 136. palpcbrosus 124. planus 126. slegops 126. Lepidurus 46. Lieh US Dalm. 76. lacinialus 76. 132. Limnadia 46. Limulus 39. Nile US Dalm 123. Nileus Dalm. armadillo 123. chilon 123. glaberrimus 124. glomerinus 120. 123. Nultainia Eaton. concentrica 68. Odonlopleura Em. 71.137 elliplica 73. ovrtr\ . Indorlt äel. a sc. lU. Tar.V. ■la. .■''^■4^-w'\\'. ■ yfllcCotffSC. HA" U'a Ä Tai; \"L. '^ V w .. q. K IL A ■ ' ^* B /(7. V, I ".^• ys '^'^ ^ '§- t^\\f /3 ti-A. (^i?. 72. \i y». ?Ä^'' i4. '" Ji l( a- (,(■/■' kl TY